Weltgrößter Passagierjet : Airbus stellt A380-Zukunft in Frage

Airbus will die Produktion 2019 auf nur noch acht A380 senken.
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Airbus will die Produktion 2019 auf nur noch acht A380 senken.

Mehr Fluggäste - größere Maschinen: So argumentiert Airbus für sein Riesenflugzeug A380. Doch das Gegenteil tritt ein, das Interesse nimmt immer stärker ab. Ist der Megajet am Ende?

shz.de von
15. Januar 2018, 14:08 Uhr

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus stellt trotz allgemeiner Höhenflüge bei Aufträgen und Auslieferungen die Zukunft seines Flaggschiffs A380 in Frage.

Der scheidende Verkaufschef John Leahy räumte bei der Vorlage der Absatzzahlen für 2017 ein, dass die Produktion des weltgrößten Passagierjets mittelfristig von einer Bestellung der größten A380-Kundin Emirates abhängt. «Ganz ehrlich: Wenn wir keinen Deal mit Emirates aushandeln können, gibt es glaube ich keine andere Wahl, als das Programm zu beenden», sagte Leahy am Montag in einer Telefonkonferenz.

Im vergangenen Jahr setzte sich bei der A380 das Trauerspiel der vergangenen Jahre fort. So lieferte Airbus zwar 15 Maschinen des Typs aus, verbuchte aber keine einzige Bestellung und kassierte obendrein zwei Stornierungen. Bis Ende 2017 waren 222 Maschinen ausgeliefert; doch das Auftragsbuch schrumpft - auf derzeit nur noch 95 Flugzeuge.

Airbus will die Produktion im laufenden Jahr auf zwölf Maschinen und 2019 auf nur noch acht A380 senken. Der Konzern könne auf bis zu sechs Flieger pro Jahr heruntergehen, sagte der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Fabrice Brégier. Airbus hat sich nie zu Kosten und Mitarbeitern des Programms geäußert. Allerdings dürfte die Produktion nach früheren Aussagen schon bei der anvisierten Reduzierung nicht mehr ganz kostendeckend sein, also jedes Jahr einen Verlust verursachen.

Ohne eine neue Bestellung der Golf-Airline Emirates, die insgesamt 142 A380 bestellt und mehr als 100 davon schon erhalten hat, steht der Flieger laut Leahy jedoch über kurz oder lang vor dem Aus. Emirates sei derzeit wahrscheinlich die einzige Airline im Markt, die für einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren mindestens sechs Flugzeuge jährlich abnehmen kann. «Aber ich bin zuversichtlich, dass wir einen Deal mit Emirates aushandeln, und andere (Airlines) können dann noch Flugzeuge hinzufügen», sagte er.

Dabei hatte Airbus für 2017 insgesamt eigentlich positive Nachrichten zu verkünden. So hängte der europäische Flugzeugbauer seinen größeren Rivalen Boeing aus den USA bei den Flugzeugbestellungen ein weiteres Mal ab. Glänzend verkauften sich allerdings vor allem die modernisierten Mittelstreckenjets aus der A320neo-Reihe.

Insgesamt verbuchte der Hersteller Aufträge über 1109 Verkehrsflugzeuge und damit 197 mehr als Boeing. Zwar blieben die Amerikaner mit 763 Auslieferungen auch 2017 der weltgrößte Flugzeugbauer. Airbus gelang mit einer Steigerung von 688 auf 718 ausgelieferten Maschinen dennoch ein eigener Produktionsrekord. Im laufenden Jahr könnten es dann an die 800 Flugzeuge werden, sagte Brégier. Damit würde Airbus endgültig an Boeings Thron wackeln.

Insgesamt zeichneten die Mittelstreckenjets wie üblich für den Löwenanteil bei Aufträgen und Auslieferungen verantwortlich. Airbus verbuchte Bestellungen über 926 «neos» und 128 Jets aus der herkömmlichen A320-Modellfamilie. Für die zweistrahligen Langstreckenjets der Typen A330, A330neo und A350 kamen zusammen nur 57 Aufträge herein - für die vierstrahlige A380 kein einziger.

Dass Airbus bei der A380 gut zehn Jahre nach Auslieferung der ersten Maschine - im Oktober 2007 an Singapore Airlines - immer noch Hoffnung hat, begründete Verkaufschef Leahy wie schon seit langem mit dem immensen Wachstum des Flugverkehrs. So verdopple sich das Fluggastaufkommen alle 15 Jahre. «Aber man kann nicht die Zahl der Flüge nach (London-)Heathrow oder Charles de Gaulle (Paris) verdoppeln», sagte er. Die Lösung könne nur in Flugzeugen wie der A380 liegen.

Die Maschine kann in ihrer aktuellen Ausführung bis zu 853 Fluggäste befördern. Üblich sind etwa 544 Sitzplätze. Damit ist die A380 das größte Passagierflugzeug der Welt. Sollte das Programm aber tatsächlich eingestellt werden, stehen die betroffenen Mitarbeiter nicht auf der Straße. Nach früheren Aussagen werden sie bei anderen Flugzeugtypen eingesetzt.

Boeings Konkurrenzmodell, der Jumbo-Jet 747-8, hat allerdings ähnliche Absatzprobleme und verkauft sich praktisch nur noch in der Frachtversion. Im Passagiergeschäft setzen Airlines inzwischen vor allem auf mittelgroße Langstreckenjets wie die Boeing 787 «Dreamliner» und den Airbus A350, die sich auch auf weniger stark gefragten Strecken rentabel einsetzen lassen. So sieht sich Airbus auf Kurs, von seinem jüngsten Spross A350 von Ende 2018 an monatlich zehn Exemplare auszuliefern. 2017 waren es insgesamt 78 Maschinen.

Brégier und Leahy werden dann bei Airbus nicht mehr an Bord sein. So gibt der 67-jährige Leahy seinen Posten als Verkaufschef am 25. Januar nach rund 24 Jahren an den bisherigen Rolls-Royce-Manager Eric Schulz ab. Brégier verlässt den Konzern im ersten Schritt eines Management-Umbaus im Februar. Sein Nachfolger an der Spitze des Verkehrsflugzeug-Geschäfts wird der bisherige Chef der Hubschrauber-Sparte Guillaume Faury.

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