zur Navigation springen

Hohe Schwefelbelastung : Afrika will kein minderwertiges Billig-Benzin aus Europa mehr

vom

Unternehmen aus Europa verkaufen seit Jahren minderwertigen Treibstoff nach Afrika. Fünf Länder haben davon genug. Sie heben ihre Standards an.

von
erstellt am 08.Dez.2016 | 10:30 Uhr

Genf | Diesel, der zu dreckig für den europäischen Markt ist, wurde jahrelang nach Afrika verkauft. Fünf afrikanische Länder haben nun beschlossen, die Standards für Spritqualität zu erhöhen – Nigeria, Benin, Togo, Ghana und die Elfenbeinküste. Das berichtet das Nachrichtenportal „Quartz“.

Diese Entscheidung basiert auf einer dreijährigen Untersuchung der Schweizer Organisation „Public Eye“. Das Ergebnis: Schweizer Firmen kauften Rohöl aus Afrika ein und brachten Treibstoff mit hohem Gehalt an Schwefel zurück auf den Kontinent, weil er auf legalem Weg in Europa nicht verkauft werden konnte. Teilweise lagen die Schwefelwerte 150-fach höher, als die in Europa erlaubten 10 ppm (Parts per Million), was in der EU als „schwefelfrei“ gilt.

Die Unternehmen hielten sich an aktuelle Regularien, der Sprit für Afrika entsprach den niedrigen Qualitätsstandards der einzelnen Länder. Problem: Die Firmen nutzen diese Standards auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung aus. Darunter waren Firmen wie Vitol, Trafigura und Addax&Oryx.

Die fünf Länder wollen mit ihren neuen Qualitätsstandards den Import minderwertigen Treibstoffs reduzieren und somit gleichzeitig die Umweltverschmutzung reduzieren. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass sich für mehr als 250 Millionen Menschen in den betroffenen Ländern die Luftqualität verbessern wird.

Und obwohl Nigeria der größte Erdölproduzent in Afrika ist, kann das Land nicht vollständig aus eigenen Quellen versorgt werden. Die Raffinerien im Land sind nicht in der Lage, den Bedarf abzudecken. Ein kontrovers diskutierter Deal von Präsident Goodluck Jonathan sieht vor, Rohöl gegen raffinierte Produkte zu tauschen – ein Import unter fragwürdigen Umständen. Der dreckige Sprit hat Auswirkungen auf Großstädte in Nigeria. Vier davon stehen auf der WHO-Liste der 20 Städte weltweit, mit der schlechtesten Luftqualität – Onitsha, Kaduna, Aba und Umuahia.

Schwefel im Treibstoff nun massiv zu limitieren (von 3000ppm auf 50ppm), wird die Luft in vielen afrikanischen Städten verbessern, ist sich Nigerias Umweltminister Amina Mohammend sicher. Auch werden so neue Standards für künftige Fahrzeuge gesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen