Garzweiler II : Abriss für Braunkohle: Der Dom von Immerath ist Geschichte

Die Abrissarbeiten sind am Dienstag weit fortgeschritten.
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Zwei Weltkriege hat sie überstanden, doch die Bagger überlebt das Kirchengebäude nicht.

Das Dorf Immerath muss der Braunkohle weichen. Seit 2006 wird umgesiedelt. Nun ist das Wahrzeichen der Region gefallen.

shz.de von
09. Januar 2018, 14:37 Uhr

Erkelenz | Es ist das Ende eines imposanten Gebäudes. Seit Montag wird die frühere St.-Lambertus-Kirche in Erkelenz-Immerath (Nordrhein-Westfalen) abgerissen. Das Kirchengebäude ist seit 2013 – 123 Jahre nach der Einweihung – entwidmet und damit kein Gotteshaus mehr. Notwendig wird der Abriss nach Angaben von RWE Power wegen des nahenden Braunkohletagebaus Garzweiler II.

Zwei Weltkriege hat sie überstanden, doch die Bagger überlebt das Kirchengebäude nicht.
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Die Abrissarbeiten begannen am Montag. Am Dienstagnachmittag ist von der Kirche nur noch ein Schutthaufen übrig.
 

Der ländlich geprägte Ort Immerath ist ein Stadtteil von Erkelenz im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen und wird seit 2006 umgesiedelt. Der Rückbau des Ortes begann 2013. Ab 2018 soll auf dem Gebiet des Dorfes die Braunkohleförderung beginnen.

Zwei Wochen sollen die kompletten Arbeiten dauern. Dann ist die Kirche Geschichte.
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Zwei Wochen sollen die kompletten Arbeiten dauern. Dann ist die Kirche Geschichte.
 

Das Kirchengebäude war ein Wahrzeichen in der Region und wird wegen seiner imposanten Erscheinung im Volksmund „Immerather Dom“ genannt. Das Kirchengebäude wurde von 1888 bis 1891 nach Plänen des Kölner Baumeisters Erasmus Schüller erbaut. Eine neuromanische Basilika mit einem Doppelturm prägte seither das Ortsbild. Sie stand als Baudenkmal unter Denkmalschutz. Am Umsiedlungsort „Immerath (neu)“ soll nach dem Willen des Bistums Aachen trotz Wunsch der Bevölkerung keine neue Kirche entstehen.

Greenpeace-Transparent an der Kirche in Immerath: „Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen!“
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Greenpeace-Transparent an der Kirche in Immerath: „Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen!“

Zuvor waren bei einer Protest-Aktion gegen die Braunkohle Greenpeace-Aktivisten in die frühere Kirche eingedrungen. Greenpeace fordert nach eigenen Angaben mit der Aktion einen schrittweisen sozialverträglichen Kohleausstieg bis 2030. Außerdem fordert die Organisation einen Stopp der Abrissarbeiten, bis die kommende Bundesregierung über die künftige deutsche Energiepolitik entschieden habe.

 

Garzweiler fordert die Umsiedlung ganzer Ortschaften. Bereits umgesiedelt wurden die Orte Reisdorf, Garzweiler, Prieterath, Stolzenberg, Elfgen, Belmen, Morken-Harff, Epprath, Omagen, Königshoven, Otzenrath, Spenrath, Holz, Pesch und Borschemich. Derzeit umgesiedelt werden Lützerath und Immerath. Aus der Stadt Erkelenz werden die Ortsteile Berverath, Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich und Unterwestrich für den Braunkohletagebau abgerissen.

Die Luftaufnahme zeigt das Dorf Immerath fotografiert am 1. August 2014. Im Ortszentrum steht die Immerather Kirche. Im Hintergrund ist der Braunkohletagebau zu sehen.
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Die Luftaufnahme zeigt das Dorf Immerath fotografiert am 1. August 2014. Im Ortszentrum steht die Immerather Kirche. Im Hintergrund ist der Braunkohletagebau zu sehen.
 

Am vergangenen Sonntag nahmen rund 300 Menschen mit einer Mahnwache Abschied und zeigten lange Spruchbänder, um damit gegen den beginnenden Abriss zu demonstrieren.

Blumen und Kränze hängen am Absperrgitter zur Kirche im umgesiedelten Ort Erkelenz-Immerath.
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Blumen und Kränze hängen am Absperrgitter zur Kirche im umgesiedelten Ort Erkelenz-Immerath.

Doch es nützte nichts. Am Dienstagnachmittag ist von dem imposanten Gebäude nur noch ein Schutthaufen übrig.

 

Auch im Netz bleiben kritische Reaktionen nicht aus.

 
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