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VW-Abgas-Skandal : Abgas-Krise bremst VW: Erste Auswirkungen auf Mitarbeiter

vom

Die Folgen der Abgas-Krise haben bei VW den Alltag erreicht. In Salzgitter läuft die Motorenfertigung langsamer, in Braunschweig gibt es einen Einstellungsstopp. Am Mittwoch steht eine Krisensitzung des Präsidiums an.

Wolfsburg | Eine Woche nach dem Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn hat die weltweite Abgas-Krise auch konkrete Konsequenzen für die Mitarbeiter bei Volkswagen. Im Motorenwerk Salzgitter wurde erstmals die Produktion zurückgefahren, sagte eine Werkssprecherin am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht der „Wolfsburger Allgemeinen“. Vorsorglich sei eine Sonderschicht pro Woche abgesagt worden. In Salzgitter, nach Konzernangaben eines der größten Motorenwerke der Welt, werden täglich rund 7100 Otto- und Dieselmotoren hergestellt. Im Werk arbeiten rund 7000 Mitarbeiter.

Vor zehn Tagen war herausgekommen, dass VW in den USA mit einem Computerprogramm die Abgaswerte bei Dieselwagen manipuliert hat. Weltweit sind nach Konzernangaben rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, davor rund 2,8 Millionen auch in Deutschland. Der langjährige VW-Chef Winterkorn hatte deshalb vor einer Woche sein Amt aufgegeben. Sei Nachfolger ist der bisherige Porsche-Chef Matthias Müller. VW drohen weltweit Milliardenstrafen.

Im rund 20 Kilometer entfernten Braunschweig verhängte darüber hinaus die VW-Finanztochter Volkswagen Financial Services bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp. „Bereits mündlich gegebene Zusagen für Stellenbesetzungen sind davon aber unberührt“, sagte Sprecher Stefan Voges am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Ferner sollen alle in diesem Jahr auslaufenden Verträge von Werkstudenten und Zeitarbeitern zunächst nicht verlängert werden. Nach dpa-Informationen sind knapp 30 Zeitverträge betroffen. Am Dienstag waren die Mitarbeiter der Finanztochter mit Sitz in Braunschweig auf einer Betriebsversammlung über die Maßnahmen informiert worden. Ob der Einstellungsstopp zum Jahreswechsel beendet oder verlängert wird, ist nicht entschieden.

Händler in SH berichten von einer gedrückten Stimmung unter den Mitarbeitern, andere von extrem vielen Kundennachfragen.

In der Konzernzentrale in Wolfsburg will sich am späten Nachmittag das Präsidium des Aufsichtsrates erneut zu einer Krisensitzung treffen. Dabei will das fünfköpfige Gremium unter anderem über einen Zwischenbericht zu der Affäre sprechen. Demnach fiel die Entscheidung zum Einbau der manipulierten Software bereits in den Jahren 2005 und 2006, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfahren hatte. Noch unklar ist, ob im Anschluss an die Sitzung mit einer Erklärung zu rechnen ist.

Darüber hinaus soll es bei dem Treffen auch um weitere Personalentscheidungen gehen. Nach dpa-Informationen wird das Präsidium insbesondere über die Zukunft des bisherigen VW-Finanzchefs Hans Dieter Pötsch beraten. Anfang September hatte das Präsidium Pötsch noch einstimmig als Nachfolger von Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrates vorgeschlagen. Der langjährige VW-Patriarch Piëch hatte im Frühjahr einen internen Machtkampf mit Winterkorn verloren und war zurückgetreten. Seitdem hat den Posten übergangsweise der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber inne.

VW-Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies forderte unterdessen eine konsequente strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen für die Diesel-Manipulationen. „Diejenigen, die erlaubt haben, dass dies geschehen kann und die, die entschieden haben, die Software zu installieren, haben kriminell gehandelt. Sie müssen deshalb dafür die persönliche Verantwortung übernehmen“, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister am Mittwoch dem englischen TV-Sender BBC. Der Aufsichtsrat müsse jetzt zudem schnell herausfinden, warum er so lange nichts von dem Einsatz der Betrugssoftware erfahren habe.

Volkswagen könne nach wie vor nicht absehen, wie hoch der finanzielle Schaden für VW alleine aufgrund der notwendigen Nacharbeiten an den betroffenen Motoren, sagte Lies. Es sei noch unklar, wie viele Autos dazu etwa in die Werkstätten zurückgerufen werden müssten, „aber es muss wirklich schnell gehen.“

Am Dienstag hatte der Konzern mitgeteilt, dass alleine von der Kernmarke VW fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten geholt werden sollen. Die betroffenen VW-Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von „Servicemaßnahmen“.

Nach Informationen des Fachblattes „Manager Magazin“ wurden bereits ein Dutzend VW-Mitarbeiter beurlaubt. Sie seien an Entwicklung und Einsatz der zur Manipulation von Abgaswerten genutzten Software beteiligt gewesen oder hätten zumindest frühzeitig davon gewusst.

Deshalb würden sie bis zur Klärung der Vorwürfe beurlaubt. Betroffen seien Entwickler und Manager höherer Hierarchieebenen in Deutschland sowie den USA.

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erstellt am 30.Sep.2015 | 14:09 Uhr

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