Schwarzbuch 2018 : Dreiste Fälle: Hier werden Ihre Steuergelder verschwendet

Der Bund der Steuerzahler veröffentlichte das neue Schwarzbuch 2018.
Der Bund der Steuerzahler veröffentlichte das neue Schwarzbuch 2018.

Unsummen versanden in öffentlichen Projekten. Der Steuerzahlerbund listet diese Verschwendung auf – einige Beispiele.

shz.de von
06. November 2018, 12:38 Uhr

Berlin | Der Bund der Steuerzahler hat erneut die Verschwendung öffentlicher Gelder kritisiert. In dem neuen jährlichen "Schwarzbuch", das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, listet der Verband mehr als 100 Beispiele auf. Bund, Länder und Kommunen seien in zahlreichen Fällen sorglos mit dem Geld der Bürger umgegangen, so die Kritik. Die skurrilsten Fälle in diesem Jahr:

Ein Krankenwagen für Wölfe – der noch nie im Einsatz war

In vielen Teilen Niedersachsens ist der Wolf zurück. Seitdem sollen eigens berufene Wolfsberater als ehrenamtliche Ansprechpartner für Tierhalter, Jäger und interessierte Bürger zur Verfügung stehen.

Um ihre Arbeit noch weiter zu unterstützen, ging in der Region Hannover im Januar 2017 ein Spezialanhänger in Betrieb, mit dem etwa verletzte Wölfe transportiert werden können. Der Anhänger verfügt über wildtiersichere Innenwände, ein Transportbrett mit Fixiergurten, Stabschlingen und Netze zum Einfangen der Tiere, Bissschutzhandschuhe, einen Maulkorb und sogar eine Heizdecke für die verletzten Tiere. Und das alles hat seinen Preis: 11.000 Euro hat die Region Hannover für den Anhänger ausgegeben, der übrigens noch nie im Einsatz war.

Ein Wolf in der Region Hannover. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
dpa/Julian Stratenschulte
Ein Wolf in der Region Hannover. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

600.000 Euro für einen Kreisverkehr in Baden-Württemberg

In der Stadt Vaihingen an der Enz konnte man sich nicht so recht entscheiden, ob man auf der Kreisstraße 1648 einen Kreisverkehr will oder lieber nicht. So wurde 2016 die Straße auf einer Strecke von rund einem Kilometer ohne Kreisverkehr erneuert und saniert, um laut Landkreis die Verkehrssicherheit zu verbessern, indem Fahrbahnschäden repariert wurden. 2018 wurde die Straße dann wieder aufgerissen und ein Kreisverkehr eingerichtet – damit langsamer gefahren wird und weniger Unfälle passieren. Das alles kostet den Steuerzahler – voraussichtlich – rund 600.000 Euro.

App zur Fußball-WM totaler Flop

Umweltfreundlich zum Public Viewing –das war die Idee des Bundesumweltministeriums zur Fußball-WM 2018 und entwickelte eine App. Die Idee: Fußballfans können ihren Standort oder eine Startadresse sowie die gewünschte Reisedauer eingeben, die Seite liefert dann eine Auswahl an Public-Viewing-Orten in der Nähe und die Anfahrtswege mit dem Rad, zu Fuß, mit Bus und Bahn. Die Bilanz fiel aber richtig mau aus: Demnach war die App während der WM rund sechs Wochen online. In dieser Zeit wurden rund 1.400 Nutzer gezählt, die Seite www.greenpublicviewing.de wurde insgesamt rund 3.400 Mal aufgerufen.

Und die Kosten für die Flop-App: 130.000 Euro wurden investiert.

Nicht nur die deutsche Mannschaft floppte bei der WM – auch die App 'Green Public Viewing'. Foto: dpa/Ulrich Perrey
dpa/Ulrich Perrey
Nicht nur die deutsche Mannschaft floppte bei der WM – auch die App "Green Public Viewing". Foto: dpa/Ulrich Perrey

Eine neue Toilette – und die Fäkalien fließen in die Lahn

In Marburg wurde an der wunderschönen Lahn ein neues Toilettenhäuschen errichtet. Die Baukosten lagen bei insgesamt 185.000 Euro – auch wegen Sonderwünschen wie Dachbegrünung und Photovoltaikanlage. Ein stattlicher Preis für eine öffentliche Toilette, doch damit nicht genug: Im Jahr 2016 wurde bei einer routinemäßigen Kontrolle entdeckt, dass das Schmutzwasser der WC-Anlage jahrelang in die Lahn geleitet wurde. Ursache dafür war, dass der mutmaßliche Abwasserkanal eigentlich eine Regenwasserleitung war. Diese Fehlkonstruktion wurde bei der Abnahme nach Fertigstellung des Toilettenhäuschens einfach übersehen. So flossen neben dem unbedenklichen Regenwasser drei Jahre lang auch Fäkalien in die Lahn. Für die Behebung des Mangels musste die Stadt rund 25.500 Euro berappen.

Die Lahn in Marburg. Foto: dpa/Karin Willen
dpa/Karin Willen
Die Lahn in Marburg. Foto: dpa/Karin Willen


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