Nach Bayers Monsanto-Übernahme : Das sind die vier mächtigsten Agrarkonzerne der Welt

Die Macht über die Ackerflächen teilen sich nach der Monsanto-Übernahme durch Bayer vier Agrarkonzerne. Foto: dpa/Symboldbild
Die Macht über die Ackerflächen teilen sich nach der Monsanto-Übernahme durch Bayer vier Agrarkonzerne. Foto: dpa/Symboldbild

Der Markt für Saatgut und Pflanzenschutzmittel wird künftig unter vier großen Herstellern aufgeteilt.

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04. Juni 2018, 11:35 Uhr

Leverkusen | Es ist die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland: Der Pharma- und Agarchemiekonzern Bayer kauft den umstrittenen US-Saatgutriesen Monsanto. Der Preis soll aktuell bei 63 Milliarden Dollar liegen. Zuvor war die Übernahme auf 62,5 Milliarden Dollar (rund 54 Milliarden Euro) beziffert worden.

Die Leverkusener kündigten den Abschluss für Donnerstag an. „Bayer wird am 7. Juni der alleinige Eigentümer der Monsanto Company“, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Unternehmensname Monsanto werde verschwinden. „Bayer wird der Unternehmensname bleiben.“

Die Fusion der beiden Konzerne ist der vorläufige Höhepunkt einer beispiellosen Konsolidierungs welle in der Agrarchemiebranche – durch Zukäufe werden die großen Anbieter immer größer.

Für kleinere Konkurrenten wird es hingegen immer schwieriger, ein Bein an die Erde zu kriegen. Das liegt vor allem an der starken Regulierung der Branche. Die Zulassung eines neuen Produkts kann Jahre dauern und Milliarden kosten.

Mit der Monsanto-Übernahme durch Bayer dominieren bald vier Agrarchemiekonzerne das Feld, sie teilen sich 70 Prozent des gesamten Marktes. Alle vier setzten auf das gleiche Geschäftsmodell: die Verbindung von Saatgut und Pflanzenschutz zu einem Komplettangebot. Wer sind die vier Branchenriesen?

Bayer

Der Leverkusener Konzern setzt sich durch den Kauf von Monsanto an die Spitze der Agrarchemie. Bayer hat künftig das weltweit größte Angebot an Saatgut und das größte Volumen an Pflanzenschutzmitteln im Portfolio.

Ein Landwirt demonstriert vor der Bayer-Zentrale gegen die Monsanto-Übernahme. Foto: dpa/Archiv
Jannis Mattar
Ein Landwirt demonstriert vor der Bayer-Zentrale gegen die Monsanto-Übernahme. Foto: dpa/Archiv

Bayer hatte im Mai 2016 seine Absicht angekündigt, Monsanto zu übernehmen. Erst vor wenigen Tagen war die letzte wichtige Kartell-Genehmigung in den USA erteilt worden. Im März hatte bereits die EU-Kommission zugestimmt. Da Bayer und Monsanto fast rund um den Globus Geschäfte machen, mussten Genehmigungen in rund 30 Ländern eingeholt werden. Sie machten Bayer strenge Auflagen, so dass am Ende nicht nur der Kaufpreis höher ausfiel als ursprünglich geplant. Auch was die Größe der zu veräußernden Teile angeht, hatte Bayer ursprünglich mit weniger gerechnet.
 

Einen großen Teil des Kaufpreises will Bayer mit Eigenkapital stemmen – ursprünglich war rund ein Drittel geplant. Darin sind unter anderem vier Milliarden Euro aus einer Pflichtwandelanleihe enthalten, die Bayer bereits im November 2016 ausgegeben hatte. Die Käufer können die Anleihe also zu einem bestimmten Zeitpunkt in Aktien umwandeln. Zudem erwarb der Singapur-Staatsfonds Temasek 3,6 Prozent der Bayer-Aktien für rund drei Milliarden Dollar, die ebenfalls der Eigenkapitalseite zugute kommen. Als jüngste Maßnahme verkündete Bayer eine lange angekündigte Kapitalerhöhung von sechs Milliarden Euro. Über die Höhe war vielfach spekuliert worden.

Mit dem Monsanto-Kauf übernehmen die Leverkusener auch hohe Schulden und Risiken. Monsanto werden ruppige Geschäftsmethoden vorgeworfen. Der Konzern steht zudem für sein Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in der Kritik, das Sammelkläger und einige Studien für krebserregend halten.

Ab 2022 rechnet Bayer damit, dass die Übernahme jährlich 1,2 Milliarden US-Dollar zum operativen Ergebnis (Ebitda) beiträgt. Ursprünglich hatten die Leverkusener dafür 1,5 Milliarden Dollar angepeilt.

Corteva Agriscience


Durch den Zusammenschluss der US-Chemieriesen Dow Chemical und Dupont ist im vergangenen Jahr ein neuer Branchenriese mit mehr als 150 Milliarden Dollar (127 Milliarden Euro) Börsenwert entstanden. Die Aktien der neuen Gesellschaft DowDupont gingen zunächst unter dem Börsenkürzel DWDP an den Start.

Nach der Megafusion sollte der Riesenkonzern in drei börsennotierte Unternehmen aufgespalten werden. Für die Agrarchemiegeschäfte wird der Name Corteva verwendet. Die Amerikaner könnten die stärksten Konkurrenten für Bayer sein. Wie bei den Leverkusenern liegen auch ihre Hauptmärkte in Nord- und Südamerika.

Syngenta

Ein weitere Fusion ist die von ChemChina und seinem Rivalen Syngenta aus der Schweiz. Für 43 Milliarden Dollar hatte der chinesische Staatskonzern das Chemieunternehmen Syngenta im Jahr 2016 übernommen.

Mit Hilfe von Syngenta wollen die Chinesen die heimische Landwirtschaft modernisieren. Syngenta würde sein Saatgutgeschäft wohl gerne ausbauen, derzeit liegt der Anteil am Gesamtumsatz anders als bei Bayer und Corteva bei deutlich weniger als 50 Prozent.

BASF

Der Chemiekonzern aus Ludwigshafen am Rhein profitiert stark vom Monsanto-Deal. Um die kartellrechtlichen Vorgaben zu erfüllen, muss sich Bayer in zwei Tranchen unter anderem von seinem Gemüse- und Feldsaatgut-Geschäft, von Aktivitäten bei „Digital Farming“ sowie vom weltweiten Geschäft mit dem Unkrautbekämpfungsmittel Glufosinat-Ammonium trennen – insgesamt geht damit ein Umsatzvolumen von 2,2 Milliarden Euro an den Rivalen BASF. Der zahlt dafür rund 7,6 Milliarden Euro. Dem Verkauf stimmte die EU-Kommission Anfang Mai unter Auflagen zu. Gleichzeitig mit den US-Behörden teilte sie in der vergangenen Woche zudem mit, dass sie BASF für den geeigneten Käufer halte.

Bisher hatte BASF noch kein Saatgut in seinem Angebot, sondern nur Pflanzenschutzmittel. Doch durch die Übernahme der Bayer-Geschäfte wird der Konzern zu einem neuen starken Wettbewerber in der Agrochemie.

(Mit dpa)

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