Diskussion nach Journalisten-Tod : Fall Khashoggi: So stehen deutsche Unternehmen zu Saudi-Arabien

Kronprinz Mohammed bin Salman ist der zukünftige Herrscher des Königreichs Saudi-Arabien. Seine Rolle im Fall Khashoggi könnte weitreichende Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben.
Kronprinz Mohammed bin Salman ist der zukünftige Herrscher des Königreichs Saudi-Arabien. Seine Rolle im Fall Khashoggi könnte weitreichende Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben.

SAP will die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien trotz der vermeintlichen Verstrickung in den Tod Khashoggi fortsetzen.

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24. Oktober 2018, 17:43 Uhr

Hamburg | In Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad findet aktuell die Wirtschaftskonferenz Future Investment Initiative (FII) statt. Dort geben sich für gewöhnlich die größten Wirtschaftsunternehmen der Welt die Klinke in die Hand, um hochdotierte Geschäfte in Milliardenhöhe mit dem Königreich abzuschließen. Doch die Stimmung ist ob der internationalen Kritik am Tod Jamal Kashoggis – einem regierungskritischen Journalisten – getrübt. Viele haben ihre Teilnahme abgesagt. Allerdings lange nicht alle.

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Mega-Deals im Wert von 50 Milliarden

Denn trotz der schweren Vorwürfe des türkischen Präsidenten Erdogan, der Tod von Kashoggi sei unter der Aufsicht von König Salman von Saudi-Arabien sowie seinem Sohn Kronprinz Mohammed bin Salman von langer Hand geplant und gewaltsam von einem saudischen Killer-Kommando herbeigeführt worden, hat das Königreich auf einer Wirtschaftskonferenz in Riad Verträge in Milliardenhöhe abgeschlossen.

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Laut Regierungsvertretern wurden auf der FII Verträge in den Bereichen Öl, Gas und Verkehr vereinbart. Es ist die Rede von zwölf "Mega-Deals", die sich insgesamt im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar aufhalten. Unter den Investoren sollen demnach der südkoreanische Autobauer Hyundai sowie der amerikanische Ölfeldausrüster Schlumberger und der französische Ölkonzern Total sein.

Siemens sagt und wartet ab

Auch deutsche Unternehmen wurden in Riad erwartet. So sollte Siemens-Chef Joe Kaeser nach Informationen von Bloomberg dort unter anderem die Verhandlungen zu einem großen Deal mit dem Königreich finalisieren, der dem Technologie-Unternehmen bis zu 20 Milliarden Euro einbringen könnte.

Allerdings sagte Kaeser seine Teilnahme aufgrund der Ungereimtheiten um den Tod von Jamal Kashoggi ab. Seine Begründung sowie die Gedankenspiele, die zu seiner Absage führten, erklärte der Siemens-Chef auf seinem Profil bei Linkedin.

Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich dabei jedoch nicht um einen Vertrag, sondern um ein Auftragspotenzial, das mehrere Verträge bis zum Jahr 2030 einschließt und Siemens bis zu 30 Milliarden Euro einbringen kann. Kern der Aufträge sei dem Vernehmen nach eine Verbesserung der Infrastruktur in Saudi-Arabien.

Ob die Bedenken von Kaeser und dem Siemens-Konzern jedoch weit genug gehen, um über eine Absage an der FII hinaus auch die weitere Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien infrage zu stellen oder gar zu beenden, wollte man auf Nachfrage unserer Redaktion zum aktuellen Zeitpunkt und jetzigem Ermittlungsstand nicht beantworten. Siemens verwies stattdessen auf das Statement von Joe Kaeser, der sagte, dass man nun nicht einfach zum täglichen Geschäft übergehen könne und die Umstände des Todes nahtlos aufgeklärt werden müssten.

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SAP steht zu Saudi-Arabien

Im Gegensatz zu Siemens macht der deutsche Software-Riese SAP kein Geheimnis aus seiner Bereitschaft, trotz der vermeintlichen Verstrickung in die Ermordung des bekannten Journalisten weiterhin Geschäfte mit Saudi-Arabien zu machen.

Das bestätigte SAP auf Nachfrage unserer Redaktion: "Der Fall Jamal Ahmad Khashoggi macht uns zutiefst betroffen, auch wir halten eine umfassende Aufklärung aller Tatumstände für unerlässlich. Wir stehen zu unseren Kunden in Saudi-Arabien, sie erwarten und verdienen zurecht unser verlässliches Engagement in ihrem Markt – wie dies für alle Kunden in den 180 Ländern gilt, in denen SAP tätig ist."

Rüstungsexporte zunächst gestoppt

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas reagierte auf die vermeintliche Verstrickung Saudi-Arabiens in den Tod Khashoggis und setzte bereits geplante Rüstungsexporte aus. Davon betroffen ist unter anderem die Lürssen Werft im mecklenburg-vorpommerschen Wolgast. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben Küstenwachboote für Saudi-Arabien. Ein Teil des Auftrags soll auch bereits ausgeliefert sein.

Grundsätzlich werde man sich nicht zu Ausfuhrgenehmigungen oder politischen Aussagen äußern. Jede politische Entscheidung über die Ausfuhr der in Wolgast gefertigten Boote, wie sie auch immer aussehen möge, werde aber natürlich von der Werft respektiert, sagte ein Sprecher der Lürssen-Werft am Montag in Bremen.

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