Kommentar : Die Ampel kann die Cannabis-Legalisierung noch vermasseln

Avatar_shz von 28. November 2021, 12:42 Uhr

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Die Ampel-Parteien wollen Cannabis für den Genuss legalisieren. Doch noch ist der Schwarzmarkt im Vorteil.
Die Ampel-Parteien wollen Cannabis für den Genuss legalisieren. Doch noch ist der Schwarzmarkt im Vorteil.

Wer soll den Triumphzug von Cannabis in Deutschland noch aufhalten? Natürlich SPD, Grüne und FDP. Was passieren muss, damit die Legalisierung am Ende der erhoffte Erfolg wird.

Berlin | Noch jubeln die Cannabis-Produzenten und Befürworter der Legalisierung. Doch die von ihnen gezeichnete Zukunft ohne Schwarzmarkt, dafür mit enormen Marktmöglichkeiten und jährlichen Multi-Milliarden Steuereinnahmen ist kein Selbstläufer. Voraussetzung dafür ist, dass die kommende Bundesregierung mit Augenmaß und Weitsicht agiert und aus der benötigten Gesetzgebung kein neues Bürokratiemonster macht. SPD, Grüne und FDP können die ganze Sache also durchaus noch vermasseln. Cannabis in Deutschland: Schwarzmarkt hat Vorteil Der Ampelkoalition muss klar sein, dass sie keinen neuen Markt erschafft, für den sie nach Belieben Vorschriften machen und Steuern erheben kann. Der Schwarzmarkt ist mit seinem seit Jahrzehnten bestehenden Vertriebssystem im Vorteil. Legales Cannabis steht im Wettbewerb Das Erfolgsrezept für das Projekt Legalisierung ist simpel: Das legale Cannabis muss nicht nur sicher, sondern konkurrenzfähig sein. Wenn das Gras von der Straße besser, günstiger und einfacher zu bekommen ist, werden die Konsumenten weiter beim Dealer ihres Vertrauens einkaufen. Genau so war es in Kanada. Dort hat es rund drei Jahre gedauert, bis die Mehrheit der Cannabis-Konsumenten den legalen Markt vorgezogen hat. Weniger Regeln, mehr Verkaufsstellen Damit es hierzulande schneller geht, brauchen zum einen die Hersteller mehr Freiheiten. Beim medizinischen Cannabis sind die Vorgaben hoch und die Toleranzbereiche für die Inhaltsstoffe klein. In der Folge ist die Produktion aufwendig und teuer – und die Unternehmen müssen trotzdem immer wieder Teile der Ernte vernichten. Effizientes Wirtschaften ist so auf lange Sicht nicht möglich. Zum anderen müssen SPD, Grüne und FDP kostengünstige und breit gestreute Vertriebswege zulassen. Der angedachte Verkauf ausschließlich in Apotheken klingt nach einem völlig falschen Weg. Wenn dort schon eine FFP2-Maske bis zu acht Euro kostet, werden sich die Apotheker mit Aufschlägen beim Cannabisverkauf kaum zurückhalten. Cannabis-Branche und Politik haben gemeinsamen Gegner Für die noch junge Cannabis-Branche in Deutschland geht die Arbeit also erst richtig los. Sie muss schnell in Erfahrung bringen, was die Ampelkoalition vorhat, sich Gehör verschaffen und Lösungen aufzeigen. Vor allem aber muss sie die Politik davon überzeugen, dass es mit dem Schwarzmarkt einen gemeinsamen Gegner gibt, dem man nur mit vereinten Kräften und einem guten, bezahlbaren Konkurrenzprodukt das Wasser abgraben kann. Weiterlesen: Wie eine Cannabis-Freigabe den dänischen Tourismus in Flensburg verändern könnte Stimmen Sie ab: Sollte Cannabis nach einer Legalisierung in Apotheken verkauft werden? Opinary Iframe ...

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