Recycling von Elektroschrott : 25 Euro pro Gerät: Grüne fordern Pfandsystem für Smartphones und Tablets

Alte Mobiltelefone liegen in einer Schubkarre.
Alte Mobiltelefone liegen in einer Schubkarre.

„Alte Elektrogeräte wieder loszuwerden muss genauso einfach sein, wie neue zu kaufen“, fordert Grünen-Politikerin Bettina Hoffmann.

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05. Januar 2020, 14:15 Uhr

Osnabrück | Insgesamt fast 840.000 Tonnen Elektroaltgeräte wurden in Deutschland laut Umweltbundesamt zuletzt gesammelt. Mit gut 754.000 Tonnen handelte es sich dabei überwiegend um Geräte aus privaten Haushalten. Auf Smartphones und Tablets fordern die Grünen im Bundestag laut Nachrichtenmagazin „Spiegel“ jetzt die Einführung eines Pfands in Höhe von 25 Euro.

Worum geht es im Antrag der Grünen?

Es sind rund 20 Maßnahmen, die die Grünen mit ihrem Antrag „Elektroschrott – Wertstoffkreisläufe schließen“ im Januar in den Bundestag einbringen wollen. Neben einem Pfand für Smartphones und Tablets in Höhe von 25 Euro geht es unter anderem auch um eine gesetzlich verankerte Verbesserung der Wiederverwertbarkeit, heißt es im „Spiegel“. Insbesondere Akkus sollen problemlos austauschbar sein. „Wir brauchen ein Recht auf Reparatur“, sagte Bettina Hoffmann, umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, dem Nachrichtenmagazin.

Die Tatsache, dass ein Gerät im Notfall repariert werden könne und Ersatzteile vorhanden seien, könne beim Verbraucher auch bewusst für einen Kauf sprechen, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies bereits im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wie steht Deutschland mit Blick auf die Sammelquote da?

Bis Ende 2018 galt: 45 Prozent der in den vergangenen drei Jahren in Umlaufgebrachten Geräte müssen gesammelt werden. Inwieweit Deutschland diese Quote einhält, hat das Umweltbundesamt zuletzt 2017 erhoben. Das Ergebnis: Mit 45,08 Prozent wurde das Ziel knapp erreicht. Seit 2019 hat sich diese Sammelquote jedoch auf 65 Prozent erhöht. Nach Aussage von Bettina Hoffmann, umweltpolitischer Sprecherin der Grünen-Fraktion, im „Spiegel“ hat Deutschland dieses Ziel „krachend verfehlt“. „Alte Elektrogeräte wieder loszuwerden muss genauso einfach sein, wie neue zu kaufen“, fordert die Bundestagsabgeordnete.

Wie ist das Recycling von Elektroschrott aktuell geregelt?

In Deutschland sind für die Entsorgung von Elektroaltgeräten sowohl die Hersteller solcher Geräte als auch die Entsorgungsunternehmen zuständig. Letztere sind verpflichtet, Sammelstellen für Elektroaltgeräte einzurichten und diese dort grundsätzlich kostenlos zurückzunehmen. Laut Umweltbundesamt gibt es zurzeit rund 2400 kommunale Sammelstellen wie Wertstoffhöfe, Schadstoffmobile oder Depot-Sammelcontainer.

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Seit 2016 müssen zudem Händler mit einer Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mindestens 400 Quadratmetern kleine Altgeräte kostenlos zurücknehmen. Und: Kauft ein Kunde ein größeres Neugerät, muss das alte ebenfalls unentgeltlich zurückgenommen werden. Gleiches gilt für Onlinehändler, die eine Lager- und Versandfläche von mindestens 400 Quadratmetern für Elektrogeräte haben. Dass die Rücknahmepflicht an die Verkaufsfläche gebunden ist, kritisiert Hoffmann. „Wir wollen, dass zum Beispiel auch Discounter Altgeräte zurücknehmen.“

Wie groß ist das Problem alter Handys?

Der Digitalverband Bitkom schätzt, dass in Deutschland rund 100 Millionen alte Handys gehortet werden. Das sind auch wertvolle Recourcen. Allein in den laut Deutscher Umwelthilfe 24 Millionen jährlich verkauften Smartphones befinden sich rund 720 Kilogramm Gold, 7,3 Tonnen Silber und 396 Tonnen Kupfer.

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Gerade die neueren Modelle zu recyceln ist jedoch nicht so einfach – und Bauteile werden verklebt, was die Wiederverwertung zusätzlich erschwert. „Wir müssen uns schon bei der Produktentwicklung Gedanken darüber machen, wie wir die eingesetzten Komponenten wieder voneinander trennen und aufbereiten können“, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies bereits vor einiger Zeit im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wo liegen weitere Herausforderungen beim Recycling?

Eine Herausforderung für Industrie und Verwerter sind Artikel abseits der klassischen Elektroindustrie. Elektrische Lattenroste und Fernsehsessel, blinkende Turnschuhe oder intelligente Kleidung fallen ebenfalls unter das Elektro- und Elektronikgesetz (ElektroG). Damit ergeben sich für das Recycling noch ganz andere Stoffströme.

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