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20 000 Arbeitsplätze bedroht?

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Tabakkonzern Reemtsma: EU-Richtlinie für Schockbilder auf Zigarettenschachteln gefährdet den freien Wettbewerb

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Der Hamburger Tabakkonzern Reemtsma läuft Sturm gegen die geplanten Schockbilder auf Zigarettenschachteln. Die Absicht der EU sei "purer Regulierungswahn" und komme einer "Entmachtung der Demokratie" gleich, sagte Reemtsma-Deutschlandschef Marcus Schmidt in Hamburg. Allein in Deutschland stünden 20 000 Jobs im Handel auf dem Spiel. Sein Unternehmen werde klagen, sollte die Richtlinie aus Brüssel Wirklichkeit werden.

Der EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg will mit einer umfangreichen neuen Tabakrichtlinie unter anderem Fotos von Raucherbeinen, teergeschwärzten Lungen und Geschwüren am Hals auf Zigarettenpackungen zur Pflicht machen. Zusammen mit den schon vorgeschriebenen Warnhinweisen ("Rauchen kann tödlich sein") sollen die Bilder drei Viertel der Packungsfläche bedecken. Und: Bei der Gelegenheit will die EU auch Menthol- und Slim-Zigaretten verbieten. Zurzeit befasst sich die Bundesregierung mit den Brüsseler Plänen, hat sich dazu aber noch nicht offiziell geäußert. Setzt sich die EU durch, könnten die Schockbilder ab 2015 kommen.

Die Richtlinie werde ihr Ziel nicht erreichen, Menschen vom Tabakkonsum abzuschrecken, prophezeite Schmidt. Laut einer Studie der Universität Hamburg im Auftrag von Reemtsma gab die große Mehrheit der befragten Raucher an, sich von Schockbildern nicht von Zigaretten abhalten zu lassen. Auch ergebe sich kein Zugewinn an Verbraucheraufklärung, so der Reemtsma-Vorstand. "Schon jetzt fühlen sich 99 Prozent aller Raucher über die gesundheitlichen Risiken informiert." Die Autoren der Studie ermittelten überdies, dass nur noch die Hälfte der Käufer ihre Zigarettenmarke auf Anhieb wieder erkennen würden, sollte die Packung zu 75 Prozent mit Warnungen bedruckt sein.

Auch wenn von diesem Effekt kurzfristig bekanntere Marken, wie die Reemtsma-Produkte John Player Spezial, Gauloises, West und Davidoff profitieren würden, lehne das Unternehmen die Richtlinie entschieden ab. Marcus Schmidt: "Sie ist ein direkter Angriff auf die Markenrechte einer legalen Industrie und der Anfang vom Ende des freien Wettbewerbs." Dies könne auch zum Dammbruch für andere Produkten wie Alkohol, Süßigkeiten und Fetten werden.

Trotz eines um zwei Prozent geschrumpften Gesamtmarktes in Deutschland meldet Reemtsma zur Halbzeit seines Geschäftsjahres (30. September) positive Zahlen. Der Umsatz kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast sechs Prozent auf 513 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibung um vier Prozent auf 266 Millionen. Reemtsma verkauft in Deutschland rund jede vierte Zigarette und ist hierzulande die Nummer zwei hinter Philipp Morris. An den drei deutschen Standorten beschäftigt das Traditionsunternehmen 2000 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon in der Hamburg Zentrale.

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