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16 000 Beschwerden über Anlageberater

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei der Bank- und Sparkassen-Mitarbeiter mit der meisten Kundenkritik kommen aus Schleswig-Holstein

Trotz strengerer Auflagen für Anlageberater nach der Finanzkrise fühlen sich Tausende Bankkunden schlecht behandelt. Seit Einführung neuer Vorgaben im November 2012 registrierte die Finanzaufsicht Bafin bis Juli 16 274 Anzeigen im Rahmen des neuen Mitarbeiter- und Beschwerderegisters. Das geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. Gleich zwei der 15 Berater mit den meisten Beschwerden kommen demnach aus Schleswig-Holstein. Sanktionen oder Bußgelder wurden noch nicht verhängt.

Die Grünen-Abgeordnete Bärbel Höhn kritisierte, es werde immer deutlicher, dass die nach der Finanzkrise ergriffenen Maßnahmen wenig bringen, um Bankkunden vor schlechter Beratung und schlechten Produkten zu schützen. „Außer frommen Gesprächen zwischen Aufsichtsbehörden und Vertriebsverantwortlichen in den Banken gibt es scheinbar keinen Effekt“, sagte Höhn. Ohne Bußgelder und staatliche Testkäufer entwickelten Banken und Versicherungen keinen größeren Respekt gegenüber ihren Kunden.

Gemessen an der Zahl von etwa 70 Millionen Anlageberatungen pro Jahr hatte die Kreditwirtschaft schon in der Vergangenheit von einer relativ geringen Zahl im neuen Beschwerderegister gesprochen. Zumal bei der Bafin die gesamte Bandbreite registriert werde – von Kritik über Reklamationen bis hin zu tatsächlichen Beschwerden.


Zweifel am Nutzen des Beschwerderegisters


Zu den aktuellen Zahlen erklärte die Deutsche Kreditwirtschaft, der Spitzenverband der Bankenbranche, schon vor Einführung des Melderegisters hätten umfassende Anforderungen gegolten. Zudem gebe es seit Langem bewährte Verfahren des Beschwerdemanagements. Ende 2013 lagen nach Bafin-Angaben 9720 Beschwerden vor. Davon entfielen 4019 auf Privat- und Auslandsbanken sowie 3234 auf Sparkassen/Landesbanken. 2246 Anzeigen betrafen genossenschaftliche Banken und 221 Finanzdienstleister. Banken müssen jede Beschwerde bei der Bafin melden – unabhängig davon, ob sie begründet oder unbegründet ist. Übermittelt werden müssen sämtliche Unmutsäußerungen der Kunden gegenüber ihren Anlageberatern. Dies gilt auch für Beschwerden, die sich später als Missverständnis erweisen und in Kundengesprächen geklärt wurden.

Die Beschwerden werden zunächst als bloße Zahl im Mitarbeiter- und Beschwerderegister erfasst. Die Aufseher ordnen sie den einzelnen Beratern und Filialen zu, um eingreifen zu können. Als letzte Möglichkeit kann der Einsatz eines Anlageberater befristet untersagt werden.

Die meisten Institute beurteilen den Nutzen des Registers nach einer Umfrage des Deutschen Aktieninstituts als gering. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte sich in der Vergangenheit gegen das Register ausgesprochen und auf die relativ geringe Beschwerdequote verwiesen. Zudem würden Anlageberater zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt. Zum 1. November 2012 wurden die Mindestanforderungen an Anlageberater und bestimmte Mitarbeitergruppen konkretisiert, um den Schutz der Anleger vor Falschberatung zu erhöhen. Im neuen Melderegister sind die Namen aller Anlageberater und Vertriebsbeauftragten sowie ihrer Vorgesetzten aufgelistet – Ende 2013 waren es weit mehr als 180 000.

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