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Ausbildungsangebot : 14.034 Jugendliche in SH warten auf eine Lehre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nirgendwo dauert der Umbau des Systems zur Berufsvorbereitung so lange wie in Schlewig-Holstein.

Ihnen fehlen Schulabschlüsse, Qualifikationen und Ausbildungsplätze: 14.034 Jugendliche befinden sich gegenwärtig im sogenannten Übergangssystem in Schleswig-Holstein. Seit 2005 ist die Zahl damit gerade einmal um 6,1 Prozent zurückgegangen – so wenig wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. Demnach verkleinerte sich der Übergangsbereich deutschlandweit um gut ein Drittel. In Hamburg schmolz er gar auf weniger als die Hälfte zusammen.

Das Übergangssystem wirft dabei auch ein Licht auf das Missverhältnis von Zahlen von Lehrstellen-Bewerbern und freien Ausbildungsplätzen im Land. Zum Beginn des vergangenen Ausbildungsjahres standen offiziell im Norden 4100 unversorgte Bewerber mehr als 3600 Lehrstellen gegenüber.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund Nord (DGB Nord) sieht im Norden aber generell eine strukturelle Lücke im betrieblichen Ausbildungsangebot von 5000 Plätzen. Das führe dazu, dass jedes Jahr Tausende Jugendliche in Warteschleifen landen, hieß es.

6366 Jugendliche – immerhin 1300 weniger als noch 2009 – zählte Schleswig-Holsteins Bildungsministerium im Schuljahr 2013/2014 allein in drei dafür spezifischen Maßnahmen wie dem ausbildungsvorbereitenden Jahr, berufsvorbereitenden Maßnahmen und der Berufseingangsklasse.

Die Gewerkschaft sieht vor allem die Arbeitgeber im Land in der Pflicht. Sie müssten sofort 5000 zusätzliche Ausbildungsplätze für Schulabgänger bereitstellen. „Beim Thema Ausbildung schlafen viel zu viele Arbeitgeber immer noch im Stehen mit dem Kopf an der Wand“, kritisiert DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. „Sie müssen die Jugendlichen dort abholen, wo sie sind und Talenten eine Chance geben.“ Nur so könnten sich Unternehmen fit machen für die Zukunft. Polkaehn erinnert daran, dass bis zum Jahr 2030 in Schleswig-Holstein knapp 85  000 Kräfte mit Facharbeiterausbildung fehlen würden. „Die Landesregierung hat mit ihrer Fachkräfteinitiative und mehr als 100 Projekten einen Anfang gemacht“, so Polkaehn weiter. Nun sollte ihm zufolge „auch im Norden das Erfolgsmodell der Jugendberufsagentur mit der Betreuung und Beratung aus einer Hand zügig verwirklicht werden“.

Untätig sind die Unternehmen dabei keineswegs. Auf Seiten der Arbeitgeber bietet unter anderem Nordmetall mit dem Projekt Nordchance Jugendlichen den Weg in eine betriebliche Ausbildungsvorbereitung mit der Perspektive auf eine anschließende Lehrstelle.

Ob sich die Probleme mit derlei Maßnahmen aber lösen lassen, ist umstritten. Denn seitens der Wirtschaft wird vor allem auf die immer häufiger fehlende Ausbildungsreife der jungen Menschen verwiesen. Berufsbilder haben sich zum Teil drastisch weiterentwickelt. Der Mechatroniker hat den Mechaniker abgelöst. Und immer mehr gute Schüler entscheiden sich gerade nicht für die Lehre.

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erstellt am 08.Apr.2015 | 12:05 Uhr

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