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Pleiten, Pech und Pannen : 10 Jahre A 380: Der gewünschte Erfolg bleibt bei Airbus aus

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Das Modell ist bei den Kunden nicht so beliebt wie erhofft. Die Wirtschaftskrise und Materialprobleme bereiten Probleme.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 17:22 Uhr

Hamburg | Das Flackschiff von Airbus, der doppelstöckige Langstreckenjet A380, kommt auch nach zehn Jahren nicht richtig in Fahrt. Geplant sind seit 2017 nur noch zwölf Stück pro Jahr - der Hersteller hält aber an dem Jet fest.

Am 15. Oktober 2007 wurde die erste Maschine an „Singapore Airlines“ übergeben. Ihr erster Flug ging am 25. Oktober 2007 von Singapur nach Sydney. 2008 lieferte Airbus entgegen von diversen Spekulationen wie geplant zwölf Maschinen aus. Im Jahr 2009 wollte der Flugzeugbauer 21 A380 verkaufen. Aber mit der aufkommenden Wirtschaftskrise sank auch die Nachfrage: Nur 14 Flugzeuge wurden produziert.

Historie: Warum die A3XX zur A 380 wurde

Seit 1991 geisterte der neue Super-Airbus als A3XX durch die Medien - nach dem Start der Serienfertigung hieß er A380 heißen. Das europäische Airbus-Konsortium macht damit rund 30 Jahre nach seiner Gründung einen logischen Sprung, der zugleich den technologischen Sprung dieses  „Jets für das 21. Jahrhundert“ symbolisieren soll. Nach der bisherigen Airbus-Logik hätte er an das größte Flugzeug-Muster - die A340 - anknüpfen müssen und dementsprechend A350 heißen müssen.

Nach inoffiziellen Airbus-Angaben wurde diese Zahl jedoch in internen Beratungen verworfen - sie hätte nicht den Technik-Sprung verkörpert, den der Super-Airbus darstellt. Die nachfolgende Zahl schied aus, weil ein „Three-Sixty“ (360) im Flieger-Englisch für einen Vollkreis steht. „Und wir drehen uns nicht im Kreise“, kommentierte eine Airbus-Mitarbeiterin. Die 370 schied aus, weil sie in der asiatischen Region, wo das größte Kundenpotenzial für die A3XX vermutet wird, als Unglückszahl gilt - und auch, weil Erz-Konkurrent Boeing seine Flugzeugfamilie mit der sieben beginnen lässt. Die acht dagegen gilt in Asien als Glückszahl.

 

Lieferungen verzögern sich

Bereits der Produktionsstart des Airbus 380 war holprig: Die erste Auslieferung der Passagierversion war ursprünglich für Juni 2006 geplant. Aufgrund von Produktionsproblemen verzögerte sich der Zeitplan jedoch mehrfach, so dass der erste Flieger erst am 15. Oktober 2007 ausgeliefert wurde. Damit hatten die Fluggesellschaften vertraglich die Möglichkeit, Strafen gegenüber Airbus einzufordern, was sie auch taten. Das geschah im Fall des Airbus A380 durch Schadensersatzzahlungen und verbilligte Verkäufe von anderen Flugzeugmodellen, insbesondere des Airbus A330 und Nachbestellungen des A380.

Nach Angaben von Airbus seien trotz der mehrfachen Verzögerungen keine Kunden der Passagierversion abgesprungen. „Emirates“ erklärte zwar unmittelbar nach dem Bekanntwerden der letzten Verzögerung, dass man „alle Optionen prüfen“ werde, orderte zwischenzeitlich aber sogar noch weitere Maschinen.

Der „Überflieger“ gerät in Kritik.
Der „Überflieger“ gerät in Kritik. Foto: Maurizio Gambarini, dpa
 

Die Fluggesellschaft „Virgin Atlantic Airways“ allerdings teilte im Oktober 2006 mit, dass sie ihre Bestellung um vier Jahre, bis 2013, aufschieben werde. Die Fluggesellschaft wolle sich vor der Indienststellung vom kommerziellen Erfolg des Flugzeuges bei anderen Betreibern überzeugen. Insgesamt verzögern sich die Auslieferungen auf 22 Monate.

Das stürzte Airbus in eine schwere Krise. Gegenüber früheren Schätzungen wurde das Airbus-Ergebnis zwischen 2006 und 2010 um zusätzliche 2,8 Milliarden Euro (insgesamt 4,8 Mrd. Euro) belastet.

Debatte um Qualität der Flieger

Im Februar 2009 wurde die Qualitätsdebatte um den A380 von Managern der Fluggesellschaft „Emirates“ entfacht, als sie bei einem Krisentreffen Fotos von teilweise abgerissenen Verkleidungsblechen, defekten Teilen an den Triebwerken und von angeschmorten Stromkabeln in einer A380 zeigten. „Emirates“ warf Airbus vor, dass die häufigen Defekte zu Ausfällen und erheblichen unplanmäßigen Standzeiten der Flugzeuge führten.

Auch in den Folgejahren machte der Airbus 380 Schlagzeilen: Im November musste ein A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas wegen eines Triebwerksproblems ungeplant in Dubai landen. Wie Qantas mitteilte, war der Airbus mit 258 Passagieren und 25 Besatzungsmitglieders an Bord auf dem Weg nach London. Der Pilot habe eines der vier Triebwerke wegen eines Problems mit dem Öldruck vier Stunden nach dem Start am Morgen in Singapur abgeschaltet.

Zuletzt musste ein A380 der Air-France eine Notladung in Kanada machen, nachdem sich Fan und Verkleidung eines Triebwerks gelöst hatten. Deshalb rief auch die US-Luftfahrtbehörde FAA in der vergangenen Woche die Fluggesellschaften dazu auf, an den A380 mit Triebwerken der „Engine Alliance GP7200-Serie“ eine visuelle Inspektion der Motoren vorzunehmen. Sofern dabei „nicht durch Wartungsmaßnahmen zu behebende Defekte“ festgestellt werden, verpflichtete die FAA Betreiber zum Komplettaustausch der Bauteile.

(mit dpa)

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