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Wirtschaft

23. August 2017 | 04:37 Uhr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Armut beginnt in Deutschland statistisch bei 869 Euro netto im Monat für einen Single. In Städten wie Dortmund und Duisburg ist jeder vierte davon betroffen. Auch in Schleswig-Holstein ist das Risiko, unter die Armutsgrenze zu rutschen, gestiegen – auf inzwischen 14 Prozent, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte.

Die Gründe liegen für Sven Picker, Landesvorsitzender des Sozialverbandes in Kiel, auf der Hand: „ Viele Menschen, insbesondere Frauen, arbeiten für Löhne, die zum Leben nicht reichen“. Gleichzeitig habe sich der Staat immer weiter aus der Verantwortung gestohlen, vor allem in der Renten- und Pflegepolitik. Das sei brandgefährlich. „Der Armutsbekämpfung muss höchste Priorität eingeräumt werden, ansonsten laufen wir Gefahr, dass sich viele Menschen von unseren demokratischen Entscheidungsprozessen abwenden“, fürchtet Pickert.

Auch DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn macht „falsche Weichenstellungen in der Vergangenheit“ für die fatale Entwicklung verantwortlich. „Aus Niedriglöhnen, Minijobs und Werkverträgen entsteht kein Einkommen, von dem man leben und eine Rente aufbauen kann“, ist sich der Gewerkschaftler sicher. Die Spaltung des Landes in Arm und Reich sei „eine gesellschaftliche Katastrophe“. Die neue Bundesregierung dürfe dieser fatalen Entwicklung nicht weitere vier Jahre zuschauen, ein gesetzlicher Mindestlohn müsse her – und zwar schnell. Auch bei der Landesregierung ist man alarmiert. Junge Menschen müssten möglichst früh auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, fordert Wirtschaftsstaatssekretär Ralph Müller-Beck. Die sogenannte Armutsgefährdung ist nämlich mit 54 Prozent bei Menschen ohne Job am höchsten. „Zudem müssen Arbeitnehmer in ihrem Arbeitsleben einen vernünftigen Rentenanspruch erreichen“, stellte er klar. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) wird noch deutlicher: „Wenn alte Menschen trotz langjährigem Beruf oder wertvoller Kindererziehungszeit nicht von ihrer Rente leben können, läuft etwas falsch“. Daher halte sie „eine Renten-Aufstockung in bestimmten Fällen für richtig“.

Die neusten Statistiken zeigen aber auch Erfreuliches. So liegt das Armutsrisiko der Alleinerziehenden mit 37,9 Prozent im Norden zwar immer noch hoch, es ist aber 2012 um 3,5 Prozent gesunken. „Der Kita-Ausbau ist ein wichtiger Faktor, damit gerade Alleinerziehende noch weitergehend am Arbeitsleben teilhaben können“, schreibt sich Alheit den Erfolg auf die Fahnen. Durch familienfreundlichere Arbeitsbedingungen sollen Firmen mithelfen, das Armutsrisiko für Alleinerziehende noch weiter zu senken. Kommentar Seite 2

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erstellt am 30.Aug.2013 | 07:12 Uhr

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