Geringe Rendite : Windparks in fremder Hand

Investoren aus dem Ausland: Vor allem australische, schottische, irische, skandinavische und US-amerikanische Firmen beteiligen sich an deutschen Offshore-Windparks. Illustration: Sönke Lundt
Investoren aus dem Ausland: Vor allem australische, schottische, irische, skandinavische und US-amerikanische Firmen beteiligen sich an deutschen Offshore-Windparks. Illustration: Sönke Lundt

Deutsche Stromkonzerne halten sich zurück. Ausländische Investoren aber sehen im deutschen Windstrom ein großes Geschäft. Dahinter steckt Politik, sagt der Bundesverband der Windenergie.

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20. Juli 2008, 03:33 Uhr

Kiel - | Die Bundesregierung macht Druck. Um den Klimaschutz voranzutreiben, soll der Bau von Windparks in Nord- und Ostsee beschleunigt werden. Für rund 20 Offshore-Windparks liegen Genehmigungen vor. Doch die deutschen Stromerzeuger mit ihren Milliarden-Gewinnen halten sich bei den Investitionen zurück. Eher baut Deutschlands größter Energiekonzern Eon einen Offshore-Windpark in Großbritannien.
Als Grund für die Zurückhaltung nennt Eon-Chef Bernotat die Renditeerwartung. Sie sei hierzulande trotz des neuen Gesetzes für erneuerbare Energien, das die Vergütung von Windenergie von 9 auf 15 Cent je Kilowatt heraufsetzt, nicht hoch genug. Doch Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windernergie, vermutet etwas anderes. "Die großen Konzerne habe kein Interesse, die erwartete Stromlücke mit dem modernen und sauberen Windstrom zu schließen, weil ihnen dann der Hebel für eine Laufzeitverlängerung ihrer Atomkraftwerke verloren geht", sagte er Schleswig-Holstein am Sonntag. Tatsächlich scheinen ausländische Kapitalinvestoren - vor allem Amerikaner, Australier und Skandinavier - keine Renditeprobleme mit deutschen Offshore-Windparks zu haben. Erst vor wenigen Tagen kündigte die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone ihren Milliarden-Einstieg in der Nordsee an. Auch Schleswig-Holsteins neuer Wirtschaftsminister Werner Marnette beobachtet den Trend. "Es ist bedauerlich, sollte die einheimische und traditionell mittelständisch geprägte Windindustrie in diesem zunehmend internationalen Geschäft nicht mithalten können", sagte er unserer Zeitung. Wichtig sei, dass die Produktionsstätten für die Windkraft samt Arbeitsplätzen im Norden blieben.

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