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Hausbesetzer in den USA : Wilder Westen in Malheur: Bewaffnete Cowboys kämpfen gegen Washington

vom
Aus der Onlineredaktion

Sie hassen den US-Staat und bekämpfen ihn mit Waffengewalt: Rancher in Oregon bezeichnen sich als „Speerspitze“ einer staatsfeindlichen, rassistischen Bewegung.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 16:28 Uhr

Burns | Cowboyhüte, Bärte in entschlossenen Gesichtern, Karojacken und Gewehre: Im Malheur National Wildlife Refuge im US-Staat Oregon hat sich eine Gruppe Bewaffneter seit Tagen in Gebäuden eines Naturparks verschanzt. Park und Häuser gehören der Bundesregierung. Die Männer sagen, sie unterstützten zwei verurteilte Rancher. Doch es geht um viel mehr.

Militante Rancher begründen ein neues Kapitel staatsfeindlicher Strömungen in den USA. Washington reagiert bislang nicht, um kein weiteres Öl ins Feuer der aufkeimenden Gesinnung zu gießen.


Von einer Demonstration hatte sich am Wochenende eine Gruppe abgesetzt, die daraufhin den derzeit leerstehenden Gebäudekomplex in Beschlag nahm: Er beherbergt ein Verwaltungsgebäude, das Besucherzentrum und ein Museum. Unter den laut „Guardian“ teils mit quasi-militärischen Gewehren wie der Typ AR-15 bewaffneten Besetzern sind auch Veteranen. Einige sind von weit her gekommen. Es sind ausnahmslos Weiße.

Rund um den Park, im gesamten Bezirk Harney County, leben nur etwa 7000 Menschen. Die nächste größere Stadt ist 250 Kilometer entfernt. Noch viel weiter weg ist die Bundesregierung. Und doch nicht wirklich, gehören dem Staat doch in einigen Bezirken Oregons bis zu 90 Prozent des Landes. Darum wird seit Jahrzehnten gerungen. Mal friedlich, nun mit Gewalt.

Mit der Verfassung in der Hand klopft Jon Ritzheimer auf das Lenkrad. „Ich habe einen Eid geschworen, sie zu schützen. Vor Feinden von außen - und von innen“, sagt der Ex-Marine in einem Video, das er bei Youtube hochlädt. Unter Tränen verabschiedet er sich von seiner Familie. „Entweder stirbst Du im Gefängnis, oder hier mit uns als freier Mann. Ich will als freier Mann sterben.“ Ritzheimer schließt sich den Bewaffneten an.

Die Ablehnung des Staates und namentlich der Bundesregierung ist in den USA populär, vor allem aufseiten der extremen Rechten. Verfassung und Bibel akzeptieren sie als einzigen Kodex. In Oregon wollen sie sich nun Land nehmen, das dem Volk gehöre, sich gegen Tyrannei und Unterdrückung wehren. Die „New York Times“ schreibt, die Anführer von Oregon wollten mit ihrer Aktion eine US-weite Bewegung entzünden. „Wir sind die Speerspitze“, sagt ihr Anführer Ammon Bundy in Interviews.

Die Männer wollen so lange ausharren, „wie es nötig ist - Tage, Wochen, oder sogar noch länger“, sagt er. Die Gruppe spricht von bis zu 150 Besetzern, die Polizei von 15 Menschen. Angeblich ist es dem Anführer Ammon Bundy und seinen Brüdern aber nicht gelungen, Anwohner zu rekrutieren.

Bundy beschrieb das Ziel der Aktion am Montag als Bemühen, „die Verfassung wiederherzustellen und zu verteidigen“. Die selbst ernannte Bürgerwehr wirft der Bundesregierung vor, dass sie das Volk unter Druck setze und den Leuten Land und Rohstoffe wegnehme. Der Sheriff von Harney County, David Ward, forderte die Aktivisten inzwischen dazu auf, ihren Protest zu beenden. „Geht nach Hause, zu Euren eigenen Familien, und beendet dies friedlich“, sagte Ward am Montag.

Der Protest entzündete sich an Gefängnisstrafen für zwei Rancher wegen Brandstiftung. Den beiden - Vater und Sohn - wurde laut Medienberichten angelastet, auf Land der Bundesregierung ein Feuer gelegt zu haben, um Spuren von Wilderei zu verwischen. Dwight Hammond (73) und sein Sohn Steven Hammond (46) haben bereits eine Haftstrafe abgesessen. Ende 2015 urteilte ein Bundesrichter, die Haft sei nach Bundesrecht zu kurz gewesen, die Männer müssten nochmals für mehrere Jahre einsitzen. Nach Angaben der Polizei haben sich beide Männer am Montag in Kalifornien den Behörden gestellt, um die weitere Haft anzutreten.

Es gibt Verbindungen der Gruppe zu Cliven Bundy, einem stramm rechten Cowboy, Vater von Anführer Ammon Bundy. Er erlangte 2014 über Nevada hinaus gewisse Berühmtheit, weil er sich über Jahre weigerte, für das Beweiden von Bundesgebiet Gebühren für seine gewaltigen Herden zu bezahlen. Der Streit eskalierte. Die Regierung vermied einen Showdown, zog sich zurück. Der Rechten galt das als Sieg und Fanal.

Staat und Polizei taten der selbst ernannten Bürgerwehr bislang nicht den Gefallen einer Konfrontation. Sie hielten sich komplett zurück. Die örtliche Polizei in dem dünn besiedelten, ländlichen Bezirk Harney County hat Hilfe von Beamten aus anderen Teilen Oregons und von der Bundespolizei FBI angefordert. Sie wollten in der kleinen Gemeinde wieder „Ruhe herstellen“ und für einen geregelten Ablauf sorgen, erklärte Sheriff David Ward. Die Polizei hatte die Bevölkerung aufgerufen, sich von den besetzten Gebäuden fernzuhalten.

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