Kritik an WDR-Intendant : Wetterchaos: Kachelmann fordert Buhrows Rücktritt

Jörg Kachelmann wettert gegen Tom Buhrow.
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Jörg Kachelmann wettert gegen Tom Buhrow.

Sechs Menschen starben bei Unwettern in NRW. Ex-ARD-Wettermann Jörg Kachelmann wettert gegen den Westdeutschen Rundfunk: Der Sender habe versagt.

shz.de von
10. Juni 2014, 12:26 Uhr

Düsseldorf | Mit einem offenen Brief an WDR-Intendant Tom Buhrow drängt Jörg Kachelmann am Tag nach den schweren Unwettern in Deutschland in die Öffentlichkeit. Am Montag starben in Nordrhein-Westfalen sechs Menschen. Das sei zu verhindern gewesen, findet der Meteorologe, der selbst mal ARD-Wettermann war. Er selbst habe selbst früh Unwetterwarnungen herausgegeben. Der WDR und insbesondere Intendant Tom Buhrow hätten jedoch in ihrer Funktion als Informationsdienst für die Bürger versagt. Ein Auszug aus dem offenen Brief: „Als Sie Intendant des des WDR wurden, habe ich gehofft, dass sich etwas ändert. Dass das Beamtenfernsehen Beine bekommt. Dass Gebührengelder bedeuten, dass sich der Sender auch um die Menschen kümmert, die ihn bezahlen (müssen). Dass dem Sender Menschenleben mehr bedeuten als ein Feiertag. Dass zusätzliche Kräfte freigemacht werden nicht nur erst, wenn etwas passiert ist, sondern bevor es passiert.“

Um 8.47 am Montagmorgen hatte Kachelmann bereits eine erste Warnung auf Twitter verfasst.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Nicht vergessen, vor allem äusserster Westen/Nordwesten: <a href="http://t.co/EI9R1Eeeqb">http://t.co/EI9R1Eeeqb</a></p>&mdash; Jörg Kachelmann (@Kachelmann) <a href="https://twitter.com/Kachelmann/statuses/475936227666165760">9. Juni 2014</a></blockquote>

Der Westdeutsche Rundfunk verschickte den ersten Unwetter-Twwet um 20.29 Uhr.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Eine schwere <a href="https://twitter.com/search?q=%23Gewitter&amp;src=hash">#Gewitter</a>-Front zieht von Westen über <a href="https://twitter.com/search?q=%23NRW&amp;src=hash">#NRW</a>. <a href="https://twitter.com/search?q=%23Unwetter&amp;src=hash">#Unwetter</a> mit <a href="https://twitter.com/search?q=%23Hagel&amp;src=hash">#Hagel</a> und <a href="https://twitter.com/search?q=%23Sturm&amp;src=hash">#Sturm</a> erwartet. <a href="https://twitter.com/search?q=%23Unwetterwarnung&amp;src=hash">#Unwetterwarnung</a>: <a href="http://t.co/iMzBJg45bM">http://t.co/iMzBJg45bM</a></p>&mdash; WDR 2 (@WDR2) <a href="https://twitter.com/WDR2/statuses/476068505822191620">9. Juni 2014</a></blockquote>

Kachelmann schreibt dazu: „Obwohl das Unwetter schon Dutzende Kilometer NRW teilweise verwüstet hat, tun Sie, als ob erst etwas bevorstehen würde. Als ob das, was Sie da tweeten, eine Warnung wäre. Es war eine zynische Nachhersage.“ Seine Wut richtet sich gegen den Sender und die Programmverantwortlichen. Später spricht er von einem peinlichen Brennpunkt, der die Gebührenzahler vermutlich erwartet. „Sie und Ihr Sender waren gestern entweder faul, inkompetent, ignorant oder alles zusammen. In staatstragenden Tagesthemen-Kommentaren wird bei solchem Fehlverhalten durch Politiker gerne ein Rücktritt gefordert.“

Zum Schluss seines Briefs fordert Kachelmann den Rücktritt von Buhrow. Durch sein Nichtstun sei der Tod und die Verletztung von Menschen in Kauf genommen worden.

Kachelmann äußerte sich bereits kritisch über Meedia, die seinen offenen Brief als einige der ersten Medien kommentieren.

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Die typische Meedia-Sülze: Ein bisschen Schäumen, ein bisschen Wettern, die Reihen mit den unfähigen Kumpels (cont) <a href="http://t.co/CKxaJ3TSFx">http://t.co/CKxaJ3TSFx</a></p>&mdash; Jörg Kachelmann (@Kachelmann) <a href="https://twitter.com/Kachelmann/statuses/476284029897961473">10. Juni 2014</a></blockquote>

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat inzwischen bestritten, zu spät vor dem heraufziehenden Sturm gewarnt zu haben. „Der WDR hat am Pfingstmontag ab 6 Uhr morgens durchgehend Unwetterwarnungen und Schlechtwetterprognosen gemeldet“, teilte WDR-Sprecherin Kristina Bausch am Dienstag in Köln mit. „Die Unwetterwarnungen, die WDR-Radios vom Deutschen Wetterdienst vorlagen, haben wir wie üblich in allen Nachrichtensendungen übernommen.“

Bausch wies darauf hin, dass der WDR ab dem Vormittag auch auf seiner Internetseite wdr.de eine Unwetterwarnung gehabt habe. In der Mittagszeit habe es zudem einen Hinweis über Twitter gegeben. Auch im Videotext seien den ganzen Tag über aktualisierte Unwetterwarnungen bereitgestellt worden. „Wie nach jedem Katastrophen- oder Kriseneinsatz werden wir auch in diesem Fall nacharbeiten, was wir künftig gegebenenfalls noch besser machen können.“

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