Obama-TV : Werbung für 3,5 Millionen Dollar - pro Tag

Nur im Rededuell medial gleichauf: Barack Obama (links) und John McCain. Obama nutzt ein schier unerschöpfliches Budget zur Platzierung von Werbung in den Medien. Foto: dpa
Nur im Rededuell medial gleichauf: Barack Obama (links) und John McCain. Obama nutzt ein schier unerschöpfliches Budget zur Platzierung von Werbung in den Medien. Foto: dpa

Barack Obama hat in der Schlussphase des Wahlkampfs einen entscheidenden Vorteil: eine prall gefüllte Wahlkampfkasse. Während er das Geld nutzt, die TV-Märkte mit Werbung zu überziehen, herrscht für John McCain vielerorts Sendepause.

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15. Oktober 2008, 07:29 Uhr

Wer in Florida den Fernseher einschaltet, macht eine interessante Beobachtung. In den Werbepausen zwischen den Programmen überflutet der demokratische Präsidentschafts-Kandidat die Wohnstuben mit seinen Botschaften. Zu seiner Biografie, zur Immobilien-Krise, zu John McCain - "Obama TV" auf allen Kanälen.
Der Republikaner taucht nur gelegentlich auf. So selten, dass der Eindruck entsteht, es gebe bei den Präsidentschaftswahlen nur einen Kandidaten. Eine aktuelle Analyse der "Campaign Media Analysis Group" (CMAG) fand heraus, dass in Teilen des wichtigen "Swingstates" auf einen McCain- Spot zwölf Werbebotschaften Obamas kommen. Ein Trend, der in allen umkämpften Bundesstaaten der USA zu beobachten ist. "Obama gibt am Tag 3,5 Millionen US-Dollar für Fernsehwerbung aus", beschreibt CMAG-Chef die Dimension. "Hält er das bis zum Wahltag durch, wird er soviel ausgegeben haben, wie das was McCain von der Regierung für den gesamten Wahlkampf erhalten hat".
McCain nutzt die staatliche Finanzierung
Wozu eine Fülle anderer Ausgaben gehören. Angefangen bei Kosten für Personal und Berater, Wahlkampfbüros und Saalmieten, Aufwendungen für Logistik und Sicherheit bei Kundgebungen, Pappschilder, Aufkleber, Buttons, Anzeigen in Zeitungen, Hörfunkwerbungen und nicht zu vergessen interne Umfragen, die helfen, in der Schlussphase des Wahlkampfes die Ressourcen richtig einzusetzen. Während McCain sich für die staatliche Wahlkampffinanzierung entschied, die seine Mittel per Gesetz auf 84 Millionen Dollar aus der Steuerkasse begrenzen, verzichtete Obama darauf. Ein Risiko, das ihm erlaubt, unbegrenzte Summen einzunehmen.
Schon heute hat der Demokrat mit mehr als zwei Millionen Einzelspendern alle Rekorde gebrochen. Allein im August spülten diese ihm 67 Millionen Dollar in die Kasse. Experten rechnen mit einem Betrag um die 100 Millionen für den Folgemonat. "Das gibt ihm die Ressourcen auf verschiedenen Schlachtfeldern in allen möglichen Dimensionen zu konkurrieren," beschreibt der demokratische Stratege Chris Kofinis den Vorteil. "Mit Fusstruppen, durch Briefsendungen oder die Medien". Die massiven Werbekampagnen in einstmals "sicher" geglaubten McCain-Staaten wie Indiana und North Carolina zwingen den Republikaner dazu, Zeit und Geld für die Verteidigung "seines Reviers" einzusetzen, während Obama in den entscheidenen "Swingstates" in die Offensive gehen kann. Zum Beispiel in Virginia, dessen dicht bevölkerter Norden an Washington angrenzt. Die Rating-Agentur Nielsen machte hier in den ersten drei Wochen des September 1342 Obama-Spots aus. McCain kam auf ganze acht.
Jede Region bekommt einen anderen Obama zu sehen
McCain bleibt wenig anderes übrig als auf Hilfe von außen zu hoffen. Vor allem auf die Republikanische Partei, die nicht an das Ausgaben- Limit gebunden ist, aber nicht ausdrücklich Werbung für den Kandidaten machen darf. Und auf Lobby- und Interessenverbände, die konkrete Anliegen fördern. Der Nachteil für McCain besteht darin, keinen unmittelbaren Einfluss auf den Inhalt zu haben. Was im Ergebnis zu einem Kuddelmuddel an Botschaften führt. Ein Problem, das den Kandidaten sichtbar plagt. Obama, der inklusive der Vorwahlen mit 195 Millionen US-Dollar mehr als doppelt soviel Geld ausgegeben hat wie McCain, kann seine Werbung dagegen maßgeschneidert auf einzelne Märkte zuschneiden. Was zu dem Ergebnis führt, dass jede umkämpfte Region in den USA einen anderen Kandidaten präsentiert bekommt. Mit mehr negativen Attacken auf lokaler Ebene und überwiegend positiven Botschaften national.
Die enormen Ressourcen erlauben Obama, wenige Tage vor der Wahl zur besten Sendezeit 30-Minuten-Blöcke im US-Fernsehen zu reservieren. Mit zwei der vier großen US-Stationen besteht bereits eine Vereinbarung. Mit den beiden anderen Stationen verhandelt das Team Obamas noch. Kosten je Werbeblock: Mindestes eine Millionen Dollar. So etwas konnte sich zuletzt nur der Milliardär Ross Perot leisten, der 1992 als unabhängiger Kandidat antrat.

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