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„Tag gegen Lärm“ : Wendler und Wutbürger: Ihr seid uns zu laut!

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Pssssst! Ein bisschen ruhiger bitte. Am „Tag gegen Lärm“ können wir das Getöse mancher Leute besonders schwer ertragen.

shz.de von
erstellt am 30.Apr.2014 | 05:15 Uhr

Am 30. April ist der „Tag gegen Lärm“ – der „international noise awareness day“. Fern ab von lauten Autos, Flugzeugen und Baustellen hat sich shz.de mit den Menschen beschäftigt, die in letzter Zeit viel Lärm gemacht haben. Am „Tag gegen Lärm“ möchten wir folgende Herrschaften um ein wenig Ruhe bitten:

Melanie Müller

Das Erotikmodel ging 2013 als Nummer drei aus der RTL-Show „Der Bachelor“ hervor, schaffte es in diesem Jahr zur „Dschungelkönigin“ und gibt immer noch keine Ruhe, ganz im Gegenteil: Jetzt auch noch ein WM-Song. „Der Titel ist spontan aus Spaß entstanden und sollte von Anfang an kein Meilenstein der Musikgeschichte werden. Er ist einfach dafür da, unsere Jungs im Stadion beim Spiel zu unterstützen und da glaub ich, bedarf es im Stadion nicht mehr Text, oder?“, verteidigt sich die 25-Jährige auf ihrer Facebookseite, gegen die Welle der Kritik. Zwar wurde das Musikvideo innerhalb von drei Tagen über eine Million Mal aufgerufen, das Feedback ist jedoch vernichtend: Knapp 2000 Mal haben Betrachter das Video mit „Mag ich“ markiert, fast zehnmal so häufig ging der Daumen jedoch nach unten. Eindeutig zu viel Lärm!

Oliver Pocher

Für seine Lautstärke bekannt ist auch Oliver Pocher. Der „Komiker, Musiker, DJ, Unterhaltungskünstler, Moderator und Schauspieler“ (Wikipedia) scheint gerade nicht viel zu tun zu haben. In der Presse erlebt man ihn als „Spielerfrau“ von Sabine Lisicki, der Kalender auf seiner Homepage ist weitestgehend leer. Ab und an sind dort Auftritte als DJ vermerkt – heute, am „Tag gegen Lärm“, übrigens in der 5300-Einwohner-Stadt Bad Grönenbach, einem Kneippheilbad in Oberschwaben.

 

Michael Wendler

„Der Wendler“ gibt der Redewendung „viel Lärm um nichts“ ein Gesicht: Mit viel Trara zog er im Januar ins Dschungel-Camp ein – und als erster Kandidat nach nur vier Tagen wieder aus. Wenige Monate später kündigte er lautstark sein „Wendler Camp der Extraklasse an“, zeltete mit 160 Fans auf Sylt, und gab ein Konzert. Der Veranstaltungsort, den er bis zuletzt geheim gehalten hatte, stellte sich als mobile Bühne auf dem Campingplatz heraus.

Wer den Wendler jetzt nicht mehr hören oder sehen will, kann ihn stattdessen problemlos riechen oder schmecken: Den „Wendler aus der Dose“ gibt es als Energydrink oder Prosecco und das Michael-Wendler-Parfum heißt „DJ Love“.

Party unter Regenschirmen: Das Konzert auf Sylt fiel ins Wasser.
Party unter Regenschirmen: Das Konzert auf Sylt fiel ins Wasser. Foto: Jana Walther

Jan Delay

Jan Delay will nach Wacken – darüber redet und singt er, und wirkt damit so peinlich wie jemand, der sich selbst zu einer Party einlädt. Und dann beschimpft er Heino als Nazi. Dass das keine gute Idee war, hat der Sänger mittlerweile gemerkt, im ZDF leises Bedauern geäußert und über seine Anwältin verkünden lassen, er werde nie wieder „Das ist ein Nazi“ über Heino sagen. Nun wartet er auf die juristischen Folgen, die Heinos Anklage wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung nach sich ziehen wird. Zu viel Lärm kann Folgen haben...

Dieter Bohlen

Deutschland sucht den Superstar – Staffel 273. Gefühlt. In Wirklichkeit steht am Sonnabend erst das Finale von Staffel elf bevor. Dort lärmt „der Dieter“ zuverlässig seit dem Jahr 2002 als einzig feste Besetzung in der Jury, seit 2007 noch dazu als Juror der Castingshow „Das Supertalent“. Weder die eine noch die andere Sendung beanspruchen allerdings heute die Primetime auf RTL, sodass dort zwar sicherlich gelärmt wird, aber wenigstens ohne Bohlen.

Dieter Bohlen motzt und lärmt seit vielen Staffeln. Fortsetzung folgt. Versprochen.
Dieter Bohlen motzt und lärmt seit vielen Staffeln. Fortsetzung folgt. Versprochen. Foto: Staudt

Stegner & Kubicki

Es stimmt schon: In der Politik muss es auch mal rappeln im Karton. Und im Kieler Landtag wäre es oft gähnend langweilig, wenn sich der SPD-Fraktionschef Ralf Stegner und sein Konkurrent bei der FDP, Wolfgang Kubicki, nicht gegenseitig in mühevoller Kleinarbeit rhetorisch zerlegen würden. Ihre Schlagabtäusche sind legendär, ihre Auftritte in TV-Talkrunden polarisieren. Und das alles kann mitunter ganz schön nervenaufreibend werden. Stille im Kieler Landeshaus, nur für einen Sitzungswochentag – das wäre so entspannend. Danach freuen wir uns auch wieder auf die Landespolitik, versprochen.

Ralf Stegner (l.) und Wolfgang Kubicki: Neuerdings nimmt der SPD-Fraktionschef die FDP ganz offen als möglichen Koalitionspartner auf den Radarschirm.
Ralf Stegner (l.) und Wolfgang Kubicki machen auch gern mal zusammen Lärm. Foto: dpa, Montage: Nobis

Der Wutbürger

„Empört Euch!“ – ehedem ein Buchtitel – nun das Motto einer intermedialen Revolte gegen alles Irdische. Eins ist sicher: Der Wutbürger kann am Lautesten schreien – schließlich bringt er zwischen all den traumwandelnden „Gutmenschen“ und geschmierten Wissenschaftlern die ganze Wahrheit exklusiv in die Internetforen dieser Welt.

Mit Milliarden Anschlägen pro Minute wütet sich der Berufs-Choleriker durch das Web. Er kommentiert sarkastisch, böse, denunzierend, manchmal sogar verletzend und fast immer pessimistisch. Vom „Tag gegen Lärm“ (und gern auch darüber hinaus) wünschen wir uns: Konstruktive Kritik statt Meinungsmache.

Siri

„Wie kann ich behilflich sein?“, fragt Siri zum Glück noch schriftlich. Besser, man geht gar nicht erst darauf ein. Wenn die intelligente Sprachsteuerung nämlich dann mit dem iPhone-Besitzer spricht, wird es schnell stressig. Besserwisserischer Unterton, zickige Attitüde – Siri nervt. Ton: Aus.

Siri will ja nur helfen – geht uns aber trotzdem auf den Geist.
Siri will ja nur helfen – geht uns aber trotzdem auf den Geist. Foto: Sven Hoppe

Jürgen Klopp

Freundlich lächelnd steht er am Spielfeldrand. Die Hände elegant hinter dem Rücken zusammengelegt, nickt er dem Schiri anerkennend zu, nachdem der eine richtige Entscheidung trifft, die allerdings zu Gunsten des Gegners ausfällt, und nach der verpatzten Torchance von Lewandowski winkt er nur gönnerhaft ab: „Beim nächsten Mal schaffst du's“, ruft er motivierend übers Feld.

So geht das nicht! Was wäre Klopp ohne seine cholerische Leidenschaft? Dieser Mann muss am Spielfeldrand laut sein. Deshalb wünschen wir uns für den Kult-Trainer zwar keinen „Tag gegen Lärm“, der so ausfällt wie oben beschrieben, aber vielleicht wenigstens ein bisschen Entspannung, damit es am Sonnabend wieder mit Vollgas weitergehen kann.

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