#4000voices : Welt-Hepatitis-Tag 2015: Das müssen Sie über die Krankheit wissen

Gegen Hepatitis A und B kann geimpft werden.
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Gegen Hepatitis A und B kann geimpft werden.

Täglich sterben 4000 Menschen an einer Hepatitis. Der Welt-Hepatitis-Tag soll auf die Erkrankung aufmerksam machen. Was passiert eigentlich bei einer Hepatitis und wie schützt man sich? shz.de mit Fragen und Antworten.

shz.de von
28. Juli 2015, 07:29 Uhr

Jedes Jahr sterben 1,4 Millionen Menschen an den Folgen der Virushepatitis. Täglich sind es 4000. Viele Tote könnten allerdings durch Impfungen und rechtzeitige Behandlungen verhindert werden. Am Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli soll auf die Opfer aufmerksam gemacht werden. Die Twitterkampagne #4000voices ruft dazu auf, den Hashtag im eigenen Account zu twittern. Doch was hat es überhaupt mit der Erkrankung auf sich? Wie steckt man sich an und wie kann man sich schützen? shz.de mit Fragen und Antworten rund um die Hepatitis.

Was ist Hepatitis?

Hepatitis-Viren können Entzündungen der Leber hervorrufen und langfristig Krebs verursachen. Der Begriff „Hepatitis“ kommt vom griechischen Wort „hepar“, welches Leber bedeutet. Die Erkrankung ist auch unter den Namen Gelbsucht und Gilb bekannt. Sie leiten sich von den augenscheinlichsten, aber nicht immer vorkommenden Symptomen: eine gelbe Haut und eine Gelbfärbung der weißen Teile des Augapfels.

Warum ist die Leber so wichtig für den menschlichen Körper?

Die Leber ist das Organ mit den meisten Funktionen im Körper. Sie entgiftet das Blut, speichert Vitamine, kontrolliert das Immunsystem und die Blutgerinnung. Außerdem ist sie ein wichtiger Bestandteil bei der Verdauung.

Gibt es verschiedene Arten von Hepatitis?

Es gibt die Virushepatitis A, B, C, D und E. Hepatitis D tritt nur in Verbindung mit einer Infektion Typ B auf. Außerdem gibt es die Fettleberhepatitis. Sie wird durch zu viel Alkoholkonsum oder durch Fett- und Zuckerstoffwechselstörungen hervorgerufen. Sie ist wie die Autoimmunhepatitis nicht ansteckend. Bei dieser setzt sich das Immunsystem gegen seinen eigenen Körper zur Wehr.

Eine schematische Darstellung von Hepatitis C-Viren.
Foto:dpa
Eine schematische Darstellung von Hepatitis C-Viren.
Wie stecke ich mich an?

Erkrankungen der Leber können jeden Menschen betreffen. Hepatitis A wird von Mensch zu Mensch sowie über verunreinigte Nahrung und Wasser übertragen.

Bei Hepatitis B besteht eine hohe Ansteckungsgefahr über Blut (etwa verunreinigte Spritzen) und Körperflüssigkeiten (Sex).

Hepatitis C wird meist über Blutkontakt übertragen, die Ansteckung durch andere Körperflüssigkeiten ist sehr unwahrscheinlich.

Der Hepatitis E-Virus wird ausgeschieden und zum Beispiel über Wasser oder über eine Schmierinfektion übertragen.

Was sind die Symptome?

Die Leber sendet keine Schmerzen aus, sodass man eine Erkrankung leicht erkennen könnte. Die Symptome sind deswegen sehr vielseitig und nicht eindeutig einer Hepatitiserkrankung zuzuordnen. Neben Bauchweh, Juckreiz, Konzentrationsstörungen, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit und Müdigkeit können auch eine Gelbfärbung der Haut, eine Farblosigkeit des Stuhls sowie eine dunklere Farbe des Urins Anzeichen für eine Erkrankung sein.

Bei diesen Symptomen sollten die Leber- und Blutwerte gezielt untersucht werden.

Nur ein Drittel der Hepatitis-Infizierten entwickelt eine Gelbsucht als Folge einer Lebererkrankung, ein Drittel hat Grippe-Symptome, ein weiteres Drittel spürt sogar gar nichts.

Der Leberspezialist Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) rät: „Jeder Patient mit erhöhten Leberwerten sollte sich testen lassen.“  

Warum werden die Haut und der Augapfel manchmal gelb?

Bei einer Erkrankung wird die Leber derart geschädigt, dass sie den gelben Farbstoff der Galle, Billirubin, nicht mehr in den Darm abgeben kann. Es kommt zur Entfärbung des Stuhls. Der Farbstoff sammelt sich allerdings im Blut und tritt in das umliegende Gewebe aus. Dies ist die Ursache für die gelbe Haut und den gelben Augapfel. Diese Anzeichen kommen aber nicht bei jeder Hepatitis vor.

Was passiert, wenn ich mich infiziert habe?

Bei Hepatitis A gibt es keine spezielle Therapie, B ist nicht heilbar.

Hepatitis C ist Dank neuer Medikamente zu über 90 Prozent heilbar. In der Vergangenheit konnte rund die Hälfte der Hepatitis-C-Patienten mit der Standardthearpie Interferon plus Ribavirin geheilt werden. Wegen der starken Nebenwirkungen kam das Medikament jedoch nicht für alle Betroffenen in Frage. Begleitet von weltweiten Studien wurden binnen eines Jahres bis Januar 2015 sieben neue Mittel gegen Hepatitis C zugelassen. Den Forschern gelang es, den Lebenszyklus des Virus in der Leberzelle aufzuschlüsseln. Die Behandlung mit den neuen Medikamenten dauert acht bis 24 Wochen.

Gegen D gibt es keine wirksame Therapie. Bei der Hepatitis E kommt die akute Leberentzündung meist von selbst zum Stillstand.

Hepatitis A und E nehmen keinen chronischen Verlauf. Für B und C sieht es anders aus. Bei fünf Prozent der erwachsenen Patienten mit einer Hepatitis B und bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit akuter Hepatitis C kommt es zu einer chronischen Infektion. Medikamente können eine deutliche Linderung herbeiführen.

Wie viele Menschen erkranken oder sterben an Hepatitis?

In Deutschland sind nach Expertenschätzungen bis zu einer Million Menschen infiziert, viele davon merken die Erkrankung jedoch gar nicht.

Bei der Hepatitis A registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) 2014 bundesweit 681 Fälle, 98 weniger als im Vorjahr.

Bei B gibt es laut RKI 755 registrierte Fälle im Jahr 2013, 68 mehr als im Vorjahr. Bei der Hepatitis C stieg die Anzahl ebenfalls an. 2013 wurden 5817 Fälle  diagnostiziert, 661 mehr als im Vorjahr.

Erfreuliche Zahlen gibt es für den Hepatitis-D-Virus zu melden. 2014 gab es 17 Fälle. Somit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert.

Die ursprünglich in den Tropen verbreitete Lebererkrankung Hepatitis E wird in Deutschland immer häufiger gemeldet. 2014 gab es 670 Fälle, 212 mehr als im Vorjahr, damit setzt sich dem RKI zufolge der steigende Trend der vergangenen Jahre fort.

Wie kann ich mich schützen?

Gegen einige Arten gibt es eine Impfung, jedoch nicht gegen alle. Gegen Hepatitis A und B sind Impfungen möglich. Um eine Grundimmunisierung zu erhalten, sind drei Impfungen nötig. Sie sollten nach zehn Jahren erneuert werden. Es gibt für Erwachsene eine kombinierte Impfung für A und B. Gegen die Hepatitis D bietet auch die Schutzimpfung gegen den B-Typ Sicherheit. Gegen C und E gibt es keine Impfungen.

Einige Hygienemaßnahmen sollten grundsätzlich beachtet werden. Regelmäßiges Händewaschen schützt vor einer Hepatitis A. Bei Ferien in tropischen und südlichen Ländern sollte Trinkwasser abgekocht und Lebensmittel gekocht oder geschält genossen werden.

Kondome schützen vor den durch Blut und ungeschützen Geschlechtsverkehr übertragenen Hepatitisarten.

Unter www.lebertest.de besteht mithilfe eines anonymen Online-Fragebogens die Möglichkeit zu testen, ob man Risikofaktoren ausgesetzt ist.

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