Jahresbilanz : Weißer Ring appelliert: Bei Gewalt nicht wegsehen

Landesvorsitzender des Weißen Rings Heinz-Werner Arens. Foto: Mormann
Landesvorsitzender des Weißen Rings Heinz-Werner Arens. Foto: Mormann

Jahresbilanz der Opferhilfe Weißer Ring: 1125 Opfern krimineller Straftaten hat der Verein im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein geholfen. Landesvorsitzender Heinz-Werner Arens stellte die Zahlen in Kiel vor.

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14. März 2008, 09:07 Uhr

Der Weiße Ring hat im vergangenen Jahr in 1125 Fällen Kriminalitätsopfern in Schleswig-Holstein geholfen. "Die Zahl ist auf jeden Fall gestiegen", sagte der Landesvorsitzende der Opferschutzorganisation, Heinz-Werner Arens. Exakte Vergleichsdaten aus den Vorjahren liegen nicht vor. Arens appellierte an die Bürger, bei Straftaten nicht wegzusehen, sondern zumindest Hilfe zu rufen. Mehr als 260 Mal kümmerte sich der Weiße Ring 2007 um vergewaltigte Frauen oder sexuell missbrauchte Kinder. Solche Verbrechen zerstörten die Persönlichkeit der Opfer, betonte Arens. Jeder Angriff auf den Körper sei auch ein Angriff auf die Seele. Vier von fünf Opfern sind weiblich.
Auch nach Tötungsdelikten wie der spektakulären Axt-Attacke auf offener Straße in Lübeck im Dezember wird der Weiße Ring aktiv: Die Organisation startete eine Spendenaktion für die beiden Kinder, die bei dem Verbrechen ihre Mutter verloren hatten. Die Frau war am 28. Dezember hinterrücks von ihrem Ex-Mann erschlagen worden. 9000 Euro sammelte der Weiße Ring über seinen Spendenaufruf für die Kinder im Alter von vier und sieben Jahren. Außerdem half die Organisation den Angehörigen beim Umgang mit den Behörden.
Den Umfang der materiellen Gesamthilfen im vergangenen Jahr bezifferte Arens auf gut 253.000 Euro. Darin enthalten sind unter anderem 60.000 Euro für anwaltliche Erstberatung oder psychotraumatologische Hilfe. Der Weiße Ring, der am 22. März den Tag der Kriminalitätsopfer begeht, hilft auch beim Stellen von Anträgen nach dem Opferentschädigungsgesetz. 2007 geschah dies in mehr als 200 Fällen. Die Organisation, die im Norden 135 ehrenamtliche Mitarbeiter und 3500 Mitglieder hat, finanziert sich überwiegend aus Spenden, Überweisungen von Stiftungen und Nachlässen. "Wir bringen das Geld auf, das wir brauchen", sagte Arens. Der ehemalige Landtagspräsident warb dennoch um weitere Unterstützung: "Die Taschen sind nicht zu."

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