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Bilder auf Instagram : Warum ein Senegalese seine Flucht nach Europa vortäuscht

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Ein junger Afrikaner hält seine Flucht nach Europa auf Instagram fest. Scheinbar - denn die Geschichte ist erfunden.

Tausende Menschen verfolgten die Flucht des jungen Senegalesen Abdou Diouf auf seinem Instagram-Account. Regelmäßig postete er auf der Onlineplattform dramatische Bilder. Auf denen zeigt er sich mal vollkommen erschöpft mit Schweißtropfen auf der Stirn, nachdem er einen langen Weg hinter sich hat. Ein anderes Mal blickt er freudestrahlend in die Kamera und berichtet, dass er endlich angekommen sei.

„Zwei Tage sind wir gelaufen, der Guide sagt, dass wir weitergehen müssen – oder wir verlieren Tausende von Euros, die wir für das Boot bezahlt haben“, postet Diouf. Er wirkt erschöpft.

Während seiner angeblichen Flucht mit dem Boot postet er ein verwackeltes Foto. Es scheint als sei er nervös und habe Angst. Darunter schreibt der Afrikaner: „Die Polizei nimmt uns in der Nähe des Strandes in Empfang. Sie ist kein Freund von illegalen Träumern.“

„Endlich im Land der Möglichkeiten angekommen. Wir sind müde, aber glücklich. Das war eine gefährliche Reise“, hält der Senegalese seine Follower weiterhin auf dem Laufenden. Im Hintergrund sind seine beiden Weggefährten zu sehen, die sich erleichtert in die Arme fallen. Mehr als elftausend Instagram-Follower zählt Diouf zu dieser Zeit.

Für seine Posts erntet der Afrikaner haufenweise Respekt: „Gott sei mit dir“, posten einige, andere wünschen ihm weiterhin viel Glück. Nach der Ankunft stellt er ein weiteres Bild auf Instagram online, auf dem er sich in eine gelbe Thermodecke gehüllt zeigt. „Wärmedecken, bevor es ins Lager geht. Sie nennen es 'Cie'. Kein guter Platz um dort zu bleiben.“

Seine abenteuerliche Flucht löst große mediale Aufmerksamkeit aus - und passt in die Zeit. Tausende Flüchtlinge strömen übers Meer nach Europa, um vor Kriegen zu fliehen. Doch in dem letzten Bild, das Abdou Diouf online stellt, erfahren seine Follower, dass die Geschichte frei erfunden ist. Das Bild ist wieder authentisch, der Senegelase steht vor einem Zaun, sein Freund ist gerade dabei ihn zu überwinden.

Dazu schreibt er:

„Die Reise ist zu Ende, danke für die große Aufmerksamkeit. Diese Darstellung basierte auf wirklichen Erfahrungen von tausenden von Flüchtlingen, die jedes Jahr ihr Leben für ein besseres Leben riskieren.“

In den nächsten Sätzen folgt dann die Auflösung: Die Fotoreihe wurde für ein Fotofestival erstellt. „Ihr könnt diese und andere Bilder über solche Reiseerfahrungen beim Internationalen Getxophoto Festival in Spanien sehen, das vom dritten September bis vierten Oktober in Getxo in Spanien stattfinden wird.“

Auf diese Nachricht folgen böse Kommentare. Ein User schreibt: „Du blöder Lügner! Man fälscht keine Geschichten um Aufmerksamkeit zu erzeugen.“ Andere hingegen bezeichnen ihn daraufhin als Held und sind von der Fotoreihe begeistert.

Laut einem Artikel der Welt, erklären die Produzenten der Fotoreihe, dass sie Europäer dazu bewegen wollen, ihre Einstellungen gegenüber Flüchtlingen zu überdenken. Der Fotograf der Bilder sagte, dass er damit zeigen wollte, dass Flüchtlinge wie Tiere behandelt werden.

Auch war er über das große Medienecho erstaunt. Seiner Meiner nach hätten aber viele User durch die Hashtags wie #foodporn merken können, dass die Geschichte inszeniert war. Der Name Abdou Diouf ist außerdem auch der Name eines ehemaligen senegalesischen Präsidenten. Viele Medien kauften die durchaus glaubhaft inszenierte Geschichte ab, so zum Beispiel die britische Huffington Post. Ein Betreiber eines Fotografie-Blogs enthüllte dann die Fotogeschichte als Inszenierung.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 12:09 Uhr

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