Empörung in Soulbury : Warum ein Fels nach 11.000 Jahren ein Streifenkleid bekommt

Ein Fels liegt auf der Straße - das geht natürlich nicht. Im englischen Soulbury ticken die Uhren diesbezüglich aber etwas anders.

shz.de von
18. April 2016, 16:12 Uhr

In England gibt es einen Stein des Entsetzens. 11.000 Jahre liegt der kleine Fels nun auf dem Chapel Hill im kleinen Soulbury, nordwestlich von London. Oliver Cromwell soll den Brocken während eines Angriffs bei der englischen Revolution sogar als Podium genutzt haben. Die Straßen kamen, eine Straßenlaterne gesellte sich jahrzehntelang zu ihm, aber der „Soulbury Boot“ blieb. Irgendwie störend, das Relikt der Eiszeit, aber ganz schön originell.

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="en" dir="ltr">a story packed with ironies - we particularly like the outrage at &quot;just one car in 11,000 years&quot; causing the... <a href="https://t.co/vw9PLXCXJr">https://t.co/vw9PLXCXJr</a></p>&mdash; Myth O&#39;Geography (@Mythogeography) <a href="https://twitter.com/Mythogeography/status/721664163408424960">17. April 2016</a></blockquote>

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Der Stein gehört dort hin, seitdem die Bürger einer Legende nach dem Teufel einen Fuß abhackten. Seinen Status wollte dem Dorfältesten auch niemand jemals streitig machen. Im März kam er dann, der eine Autofahrer, der nicht aufpasste. Nach Millenien der Ruhe zerknautschte sich ein SUV beim Aufprall auf den asphaltgrauen Stein, der sich noch nicht mal rührte. Der Landkreis reagierte prompt: Der Stein bildet eine Verkehrsbehinderung und er muss weg. Doch das war mit der Gemeinde nicht zu machen, jedenfalls nicht unter dem Säbelrasseln der 100 Bürger, die drohten, sich im Falle des Abtransports an ihrem Heiligtum festzuketten.

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="en" dir="ltr">The Soulbury stone never loses. Fantastic :-) It&#39;s what puts the great in Great Britain. <a href="https://t.co/W7E0dBdMOe">https://t.co/W7E0dBdMOe</a></p>&mdash; Benjohn Barnes (@benjohnbarnes) <a href="https://twitter.com/benjohnbarnes/status/716560200728252416">3. April 2016</a></blockquote>

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So kam es dann zu einer Art Kompromiss. Dieser beinhaltete, dass der Landkreis die Farbpistole zückte. Nicht etwa der Stein wurde angesprüht, das hätten die Anwohner wohl kaum mitgemacht, sondern das Drumherum. Für 600 Euro wurde aus dem Brocken mit weißen Halbmonden eine Verkehrsinsel gemacht.  „Furchtbar“ und „entsetzlich“, das sind nun die hauptsächlichen Reaktionen in den sozialen Medien in ganz England, nachdem die Bilder sich verbreiteten.

Als Touristen-Attraktion mit dezentem Charme geht er nun allerdings kaum mehr durch, der „Soulbury Boot“. Vielmehr wirkt es, als hätte jemand ihn nachträglich dort hingelegt. Mit neuen Legenden wird es schwer.

Ehedem war war der Klumpen ein beliebtes Postkartenmotiv.

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="en" dir="ltr">The Soulbury stone never loses. <a href="https://t.co/BadBYGUzjZ">https://t.co/BadBYGUzjZ</a> <a href="https://t.co/KcCbd6Tdh1">pic.twitter.com/KcCbd6Tdh1</a></p>&mdash; Andy Temperley (@TheCofaTree) <a href="https://twitter.com/TheCofaTree/status/716253347699929088">2. April 2016</a></blockquote>

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Aber es gab auch positive Reaktionen auf die Einnetzung.

<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de"><p lang="en" dir="ltr">Soulbury stone: White lines &#39;horrific&#39; and &#39;an eyesore&#39;<br><br>It&#39;s still a boulder. In a road. Which is madness <a href="https://t.co/70mZ5h8HT5">https://t.co/70mZ5h8HT5</a></p>&mdash; It&#39;s Rob (@RobertWSaunders) <a href="https://twitter.com/RobertWSaunders/status/721635236308742144">17. April 2016</a></blockquote>

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