"Space Force" im All : Warum Donald Trump eine Weltraum-Armee braucht

Raketenstart vom Gelände der US-Luftwaffe in Cape Canaveral: Die 'Space Forces' sollen von einer eigenen Raumfähre aus operieren.
Raketenstart vom Gelände der US-Luftwaffe in Cape Canaveral: Die "Space Forces" sollen von einer eigenen Raumfähre aus operieren.

US-Präsident Donald Trump will Truppen ins All schicken. Sie sollen Satelliten verteidigen. Sind die Pläne realistisch?

shz.de von
10. August 2018, 16:52 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump will eine neue Streitmacht formen – die "Space Force". Die Mission der Weltraum-Armee sei, die USA zur "dominanten Macht im Weltall" zu machen, sagte der Oberbefehlshaber. Schon übernächstes Jahr könnten die Pläne Wirklichkeit werden, die US-Regierung sucht bereits nach einem Logo für die Streitkräfte.

Schon heute ermöglichen Satelliten einen Großteil moderner Kriegsführung durch GPS-Systeme, drahtlose Kommunikation und genaue Wetterprognosen. Deshalb sind die Flugkörper im All ein attraktives Ziel für andere Militärs. Für den Schutz amerikanischer Satelliten und Raumfahrzeuge ist die US-Luftwaffe zuständig. Trump sieht aber Gefahren auf sein Land zukommen, die nur eine neue Einheit "Space Force" abwehren könne. Gleichzeitig würde das Militär im Weltraum amerikanische Machtinteressen absichern.

Von wem fühlen sich die USA im Weltall bedroht?

Außerirdische landen auf der Erde und fallen über uns her – vor diesem Szenario fürchtete sich der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking. Die USA aber fühlen sich von jemand anderem bedroht: Russland und China. Der Weltraum werde immer mehr zu einem Kampfgebiet, "und wir müssen uns dieser Realität stellen“, sagt US-Verteidigungsminister James Mattis.

Nach Worten von Mike Pence, dem Vizepräsidenten im Weißen Haus, sei die Vision der Regierung die eines "überfüllten und kontradiktorischen" Universums. Die dort anwachsenden Sicherheitsbedrohungen seien zu lange vernachlässigt worden. Der Weltraum sei laut Pence eine "Kriegsbekämpfungsdomäne" wie das Land, die See und die Luft.

Zur Hauptbedrohung stilisiert auch Pence die Fähigkeit anderer Staaten, Satelliten des Gegners vom Boden stören oder gar zerstören zu können. Russland und China würden Weltraumwaffen entwickeln, die etwa US-Satelliten bedrohen und Navigationssysteme wie GPS stören könnten, sagt Pence. Bereits im Jahr 2001 kam eine unter dem damaligen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld geführte Kommission zu dem Schluss, die USA seien nicht in der Lage, ihre enorme Abhängigkeit von Satelliten zu verteidigen.

Was spricht gegen eine Weltraum-Armee?

Vorrangig verlegt die US-Luftwaffe ihre Budgets und Prioritäten auf die konventionelle Luftüberlegenheit und nicht auf den Weltraum. Dabei ist auch die Verteidigung im All eine ihrer Kernmissionen. Die Flieger besitzen ein eigenes Weltraumkommando, gegen den Aufbau einer neuen Teilstreitkraft sprach bisher der hohe Bürokratieaufwand sowie ein Eindampfen bestehender Forschungseinrichtungen und Programme.

Die Gegner der Trump-Pläne kritisieren, eine zusätzliche sechste Teilstreitkraft sei unnötig und zu teuer. Würden die Amerikaner eine Raumfähre ins All schicken, müssten die Kosten an anderer Stelle eingespart werden.

Welche Waffen kommen für den Weltraum in Frage?

Der Weltraumvertrag von 1967, den die USA ratifiziert haben, verbietet die Stationierung von Massenvernichtungs- und Atomwaffen im All. Zudem dürfen Himmelskörper wie etwa der Mond nur für friedliche Zwecke genutzt werden. Andere Waffen sind jedoch nicht untersagt. Der Kriegs-Rhetorik der US-Regierung nach zu urteilen, ist der Einsatz offensiver Waffensysteme nicht auszuschließen.

Weil bisher noch recht unklar ist, wie die "Space Force" im Weltraum militärisch operieren könnten, hat US-Comedian Jimmy Kimmel in seiner Sendung eine nicht ganz ernst gemeinte Handlungsanweisung gegeben.

Wann könnte die neue Weltraum-Armee stehen?

Bevor Trumps Pläne Hand und Fuß bekämen, müsste der Kongress zustimmen. Bis zum Jahr 2020 sollten die "Space Force" einsatzbereit sein, ist das Ziel der Regierung. Ginge es nach dem amerikanischen Late-Night-Moderator Stephen Colbert, sollten Trump und seine Verbündeten allerdings noch warten. "Erst sollte Leben gefunden werden, bevor man es tötet", sagt Colbert.


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