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GNTM 2015 : Warum bei Germany’s Next Topmodel die Luft raus ist

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Die aktuelle Staffel von GNTM hat kaum Neues zu bieten. Quälende Interviews und Fotoshootings, die es längst schon gab.

Heidi Klum ist das Gesicht von Germany's next Topmodel. In der Jury sitzen neben dem Supermodel, wie jedes Jahr, zwei oder drei männliche Juroren, die ihrer Herrin bei jeder Entscheidung tatkräftig unter die Arme greifen. Die finale Entscheidung wird dem Supermodel selbst überlassen. Das Prinzip ist natürlich immer das gleiche: Man möchte Deutschlands nächstes Supermodel finden. Doch diese Suche erfolgt nach einem bekannten Ritual. Die sich jährlich wiederholende Sendung entpuppt sich immer mehr als eine Wiederholung bereits vergangener Staffeln.

Zu Beginn der Sendung findet meist ein großes Auswahlverfahren statt, bei der sich alle angehenden Models erstmals präsentieren dürfen. Das Prozedere gleicht der Nahrungssuche eines Geiers der um seine Beute kreist. Und so werden die Modelküken auch zur Nahrung eines TV-Senders gemacht, der sie in den Sendungen in verschiedenen Facetten vorführt. Das Prinzip ist relativ einfach: Statt sich nur zu zeigen, werden die jungen Neulinge mit Interviews konfrontiert, obwohl sie noch nie vor der Kamera standen. Je dümmer sie sich dabei geben, desto besser die Quote - und desto länger kann das Küken im Nest verharren. Eine Teilnehmerin in der neunten Staffel bot mit ihrer Frage „Gibt es in Asien überhaupt Länder?“ das perfekte Fressen für die Geier. Was natürlich nie fehlen darf: Eine Kandidatin, die mit ihrem zickigen Verhalten aus der Rolle fällt, so wie Laura oder Erica in der aktuellen Staffel, die jedoch bereits - im wahrsten Sinne - aus dem Nest geflogen sind. Denn gewinnen lassen kann man solche Zicken ja dann doch nicht. Gerne erinnern wir uns auch an den eher ungewöhnlichen Kampfgeist von Larissa Marolt in der vierten Staffel, die ihren Ehrgeiz später nochmal bei „Ich bin ein Star – holt mich hier aus“ und „Let’s Dance“ unter Beweis stellen durfte.

Das öffentliche Bloßstellen ist ein wichtiger Part der Sendung und sorgt angeblich für gute Unterhaltung der Zuschauer. Das kann sich der Sender gerne jedes Jahr aufs Neue erlauben, schließlich wissen die Kandidatinnen worauf sie sich einlassen. Aber warum müssen sich die Teilnehmerinnen immer denselben (Model-)Herausforderungen stellen? Fast jedes Jahr werden sie unter Wasser abgelichtet, vergebene Models müssen ihre Treue bei einem Männershooting unter Beweis stellen, beim Bodypainting lassen sie vor der Kamera fast alle Hüllen fallen oder posieren mit exotischen Tieren auf dem Kopf. Während der Pause werden den Zuschauern dann noch mehr oder weniger hilfreiche Tipps von Boris Entrup indoktriniert und gezeigt, wie das perfekt geschminkte Gesicht aussehen kann – oder auch nicht. Die Schleichwerbung für andere Markenprodukte findet in jeder Staffel wieder ihren Platz. Entweder wenn sich die Kandidatinnen nach Heidis „Beauty-Check“ ganz plötzlich ihre Beine rasieren müssen oder sie sich beim Schminken gegenseitig Tipps geben und den Namen des Produktes unauffällig dabei erwähnen.

Doch warum langweilen uns die Produzenten mit immer denselben Strukturen der Sendung? Die Antwort dürfte wohl lauten, dass die außergewöhnlichsten Shooting bereits stattgefunden haben. Im bzw. aus dem Helikopter heraus, in schwindelerregender Höhe, zwischen Palmen und Pool auf einer exotischen Insel, in der Wüste, im fahrenden Zug oder unter prasselndem Regen. Irgendwie gab es schon alles, wovon die Zuschauer wohl geträumt haben.

Die Quoten der aktuellen Sendung lassen zu wünschen übrig. Zu wenig Menschen wollten die Model-Küken im Prosieben-Nest beobachten. Immer häufiger steht die Sendung unter Beschuss. Einer neuen Studie zufolge soll sie sogar für Essstörungen bei Jugendlichen verantwortlich sein. Nach dieser gaben fast ein Drittel der Betroffenen dabei an, dass die Sendung entscheidend für die eigene Krankheitsentwicklung sei. Und die Konsequenz? Entweder das baldige Absetzen der ganzen Sendung oder eine komplette Umstrukturierung. Vielleicht ja dann einmal mit zwei Frauen an Heidis Seite, Shootings in der Antarktis zwischen Pinguinen und Eisbären statt in der prahlenden Sonne von Los Angeles - doch dann melden sich mit Sicherheit die Natur- und Tierschützer zu Wort.

(mit dpa)

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erstellt am 23.Apr.2015 | 17:52 Uhr

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