Folgen des Asylstreits : Wahlumfrage: Große Koalition ohne Mehrheit – Union bricht ein

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt im Streit über die Abweisung von Flüchtlingen an den Grenzen auf bilaterale Abkommen mit besonders betroffenen EU-Ländern.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt im Streit über die Abweisung von Flüchtlingen an den Grenzen auf bilaterale Abkommen mit besonders betroffenen EU-Ländern.

Der Asylstreit zwischen CDU und CSU sorgt für schwindende Wählergunst – doch auch die SPD verliert weiter an Zustimmung.

shz.de von
17. Juni 2018, 21:42 Uhr

Berlin | Wäre am Sonntag Bundestagswahl, hätte die amtierende Regierung keine Mehrheit mehr. Wie eine Forsa Umfrage für RTL/n-tv zeigt, kämen Union und SPD nur noch auf 46 Prozent. Vor allem CDU und CSU verlieren deutlich an Zuspruch: Sie kämen zusammen nur noch auf 30 Prozent: Das sind drei Prozentpunkte weniger als noch in der Vorwoche - und der schlechteste Wert seit September vergangenen Jahres. Die SPD kann von der Schwäche der Union nicht profitieren: Sie sinkt in der Wählergunst um zwei Prozentpunkte und liegt nun bei 16 Prozent. Zuletzt lag die SPD im Februar bei diesem Wert.

Die anderen Parteien im Bundestag konnten in der Forsa-Umfrage zulegen: Die AfD steigt um zwei Prozentpunkte auf 15 Prozent, die Grünen um einen Punkt auf 14 Prozent. Bei FDP (10 Prozent) und Linke (9 Prozent) gab es ebenfalls Steigerungen um einen Prozentpunkt.

Grund für den Einbruch der Union dürfte der schwelende Asylstreit zwischen den Schwesterparteien über die Abweisung von Flüchtlingen an den Grenzen sein. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt auf bilaterale Abkommen mit besonders betroffenen EU-Ländern wie Italien, Griechenland oder Bulgarien. Die CSU und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wollen die Zurückweisung im nationalen Alleingang durchsetzen.

Mehrheit gegen Merkels Flüchtlingspolitik

Eine weitere Umfrage zeigt: Eine Mehrheit der Deutschen hält die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für falsch. 57 Prozent der Deutschen sprachen sich gegen Merkels Umgang mit der Flüchtlingskrise aus, wie die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für „Bild am Sonntag“ ergab. Dass Merkel richtig handelt, sagen nur 33 Prozent. Zehn Prozent der Befragten waren unsicher oder machten keine Angabe.
 

Allerdings hat mit 41 Prozent die Mehrheit der Deutschen in der Flüchtlingspolitik größeres Vertrauen in Merkel als in Innenminister und CSU-Chef Horst Seehofer. 38 Prozent halten demnach Seehofer für geeigneter. 15 Prozent vertrauen keinem der beiden.

Bei den Anhängern der Union liegt Seehofer jedoch knapp mit 47 Prozent vor Merkel (45 Prozent). Andere waren unsicher oder haben keine Angabe gemacht.

Beim Umgang mit Flüchtlingen, die schon in einem anderen EU-Land Asyl beantragt haben, unterstützt allerdings einer am Freitag veröffentlichten Umfrage zufolge eine Mehrheit (61 Prozent) Seehofers Plan. Seehofer will diese Migranten an der Grenze zurückzuweisen lassen. 32 Prozent stimmten dem nicht zu, wie das RTL/n-tv Trendbarometer des Forsa-Instituts ergeben hatte.

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