Raganello-Schlucht : Vom Wasser mitgerissen – Zehn Tote bei Ausflug in Süditalien

Nach der Sturzflut in einer Schlucht suchen die Einsatzkräfte weiter nach Vermissten. Foto: dpa/Francesco Arena/ANSA
Nach der Sturzflut in einer Schlucht suchen die Einsatzkräfte weiter nach Vermissten. Foto: dpa/Francesco Arena/ANSA

Ein Ausflug in eine Schlucht ist Besuchern in Süditalien zum Verhängnis geworden: Sie wurden vom Hochwasser überrascht.

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21. August 2018, 12:32 Uhr

Rom | In einer Schlucht in Süditalien sind mehrere Ausflügler von Wassermassen überrascht und in den Tod gerissen worden. Am Dienstag, einen Tag nach dem Unglück bei Civita in der Region Kalabrien, suchten Rettungskräfte weiter nach mehreren Vermissten. Doch das sonst so klare Wasser des Wildbachs ist noch immer schmutzig, trüb. "Das Wasser hat alles mitgerissen, was es finden konnte, leider auch Menschen", sagte Domenico Gioia, der für die italienische Vereinigung AIGAE Exkursionen durch Kalabrien führt und sich am Dienstag nahe der Einsatzstelle in der Berggemeinde Civita befand.

Die Raganello-Schlucht liegt im malerischen Nationalpark Pollino. Die Felswände ziehen sich bis zu 400 Meter hoch, doch der Zugang zur Schlucht ist stellenweise einfach und wird nicht kontrolliert. Auch deswegen ist am Dienstag noch unklar, wie viele Menschen sich zur Zeit der Sturzflut in der Schlucht befanden. 23 Menschen wurden gerettet, elf von ihnen liegen dem Zivilschutz zufolge noch im Krankenhaus. Nach drei bis fünf Vermissten wurde weiter gesucht.

Starke Regenfälle nicht bemerkt

Am Montag sei ein starkes Unwetter über der Region niedergegangen, allerdings nicht unmittelbar über der Schlucht, erklärte Gioia. Womöglich merkten die Ausflügler nicht, wie viel Regen in den umliegenden Bergen niederging und den "fast trockenen Bach", wie Gioia sagte, in einen reißenden Fluss verwandelte. "So eine Situation hatten wir hier seit 40, 50 Jahren nicht mehr." Die Sommer sind in Süditalien heiß und trocken, oft zu trocken.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte am Montag spielten sich dramatische Szenen ab. "Wasser, Schlamm, Geröll. Und mittendrin die Körper der Ausflügler. Unsere Männer wussten sofort, dass hier etwas Schreckliches passiert ist", erzählte Guido Umile von der Bergrettung dem "Corriere della Sera". "Die enormen Wassermassen wurden in die Schlucht geleitet und kamen mit vernichtender Kraft."

"Wir hörten ein Donnern, gleich danach stürzte eine Wassermauer hinunter, die uns wegriss", zitierte die Zeitung eine Italienerin, die gerettet wurde. "Ich habe es geschafft, (...) mich an einem Baum festzuhalten, aber ich sah Körper, die mit wahnsinniger Gewalt fortgespült wurden."

Sturzwelle reißt sie mit

"Die Sturzflut von gestern in den Schluchten von Raganello ist leibhaftig ein Tsunami gewesen", sagte der Vizepräsident der kalabrischen Bergrettung, Giacomo Zanfei, der Nachrichtenagentur Ansa. "Das erste, was man merkt, ist ein Windstoß und sofort danach eine Sturzwelle, die dich fortreißt", erklärte Pierpaolo Pasqua, ebenfalls von der Bergrettung, der Zeitung "La Stampa".

Die Schlucht teilt sich in verschiedene Abschnitte auf. Der letzte nahe Civita sei der einfachste, sagte Pasqua. "Mit einem Guide und angemessener Umsicht und den richtigen Klamotten kann ihn jeder schaffen." Dennoch sei in einer Schlucht Vorsicht geboten. "Schon ein kleiner Stein, der sich in der Höhe löst, kann tödlich sein."

Staatsanwaltschaft ermittelt

Angesichts der Risiken habe Vorbereitung höchste Priorität, sagte Giovanna Petrone, die Touren in der anliegenden Region Basilicata führt. Bei Exkursionen müsse immer auf das Wetter und mögliche Warnungen geachtet werden. "Wenn wir merken, dass die Situation kritisch sein könnte, gehen wir nicht los." Das Wetter in diesem Sommer meine es ohnehin schon nicht gut mit den Tourenanbietern. Das Unglück "hilft uns nicht".

Einige Tote und Verletzte waren in zwei geführten Gruppen unterwegs. Ums Leben gekommen sein soll auch ein Guide, der seit Jahren Exkursionen durch die Schlucht anleitet. Wäre die Tragödie vermeidbar gewesen? Die Staatsanwaltschaft hat der Nachrichtenagentur Ansa zufolge Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Doch Zanfei von der Bergrettung warnt vor vorschnellen Schlüssen: Die Guides in der Raganello-Schlucht seien sehr erfahren und spezialisiert. "Deswegen wird hier niemand kriminalisiert. Das sind Ereignisse, die ein Mal im Leben passieren."

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