zur Navigation springen

NDR und Postillon : „Vom Flüchtling gegessen“: Eine Satire verselbstständigt sich

vom

Ein kurzer Ausschnitt aus einer NDR-Dokumentation vom Wochenende verbreitet sich nach einem Facebook-Post rasend schnell. Der NDR muss daraufhin Kritik einstecken.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2015 | 18:31 Uhr

Seit dem Wochenende machte ein Videoausschnitt aus einer NDR-Dokumentation bei Facebook die Runde. Die Doku „Weltbahnhof mit Kiosk – Begegnungen von Stammgästen und Flüchtlingen in Boizenburg“ von Freitagnacht enthält ein Gespräch mit drei Jugendlichen in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Mädchen erzählt von Gerüchten um die Flüchtlinge in ihrem Ort und das ein Mädchen vergewaltigt worden sei. Daraufhin ergänzt ein zweites Mädchen „Eine Fünfjährige wurde gegessen. Lebendig! Vom Flüchtling! Stand auf Facebook!“.

In den sozialen Medien kursieren immer wieder Gerüchte über Flüchtlinge. Die Anschuldigungen handeln zum Beispiel von Massendiebstahl, Vergewaltigungen und geschlachteten Tieren. Wenn man die Zahlen zur Flüchtlingskriminalität betrachtet, wird deutlich, dass an den Gerüchten in den seltensten Fällen wirklich etwas dran ist.

Hier endet der Videoausschnitt, der am Wochenende auf Facebook kursierte und für Aufregung sorgte. Die Aussage: „Stand. Ob das stimmt, das weiß man nicht.“, des jungen Mannes, fehlt. Diese hätte deutlich gemacht, dass den Jugendlichen bewusst war, dass es sich um Gerüchte handelt. Die gekürzte Version wurde vom Blog „Buntesamt“ und nicht vom NDR bei YouTube veröffentlicht.

Woher kam das Gerücht?

Das Gerücht um den menschenfressenden Flüchtling von dem die Jugendlichen sprechen, entstand ursprünglich aus einer Satire-Meldung des „Postillon“. Die Website brachte die Meldung am 26. August 2015: „Flüchtling renkt seinen Unterkiefer aus und verspeist blondes deutsches Kind bei lebendigem Leib“. Postillon-Satiren werden häufig bei Facebook geteilt. Da die Meldungen im Stil echter Nachrichtenmeldungen gehalten sind, ist es oft nicht allen Empfängern klar, dass es sich dabei um Satiren handelt.

Bei der viralen Verbeitung des kurzen Ausschnitts geht verloren, dass die Doku ein differenzierteres Bild der Befragten zeigt. Zur Aufklärung und besseren Einordnung des Beitrags postet der NDR daraufhin einen etwas längeren Videoausschnitt der Dokumentation. Dieser enthält auch die Aussage des jungen Mannes und verweist darauf, die gesamte Doku anzuschauen. 

"Eine Fünfjährige wurde gegessen. Lebendig! Vom Flüchtling! Stand auf Facebook!" Ein Filmschnipsel mit diesem Zitat...

Posted by NDR.de on  Samstag, 12. Dezember 2015

Dieser Beitrag wiederrum wurde von der NDR-Satiresendung Extra 3 verbreitet und erhielt vereinzelt Kritik dafür, dass er aus dem Zusammenhang gerissen sei. In einem redigierten Facebook-Posting ging Extra 3 darauf ein.

Nachtrag: Uns hat Kritik erreicht, dass der Beitrag aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Wir hatten eigentlich bewusst...

Posted by Extra 3 on  Samstag, 12. Dezember 2015

Außerdem musste sich der NDR den Vorwurf einer Frau gefallen lassen, die Jugendlichen vorzuführen. Diese gab an, die Jugendlichen persönlich aus einer Förderschule zu kennen. Daraufhin versprach der NDR, die Kritik weiterzuleiten.

Letztendlich veröffentlichte auch der Urheber des Gerüchts, der Postillon, eine kurze Version des Clips als „Feedback“ auf seiner Website. Einen lustigen Beitrag in Anlehnung an den Video-Schnipsel brachte die Satire-Seite „Schlecky Silberstein“ in Form einer Top Ten-Liste, der zehn Ausländer-Facts.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert