zur Navigation springen

Krise in der Ukraine : Viele Tote bei „Anti-Terror-Operation“ in Donezk

vom

Separatisten berichten aus Donezk von mindestens 35 Toten. Aus der „Volksrepublik Donezk“ gibt es keine unabhängigen Berichte über den Zwischenfall.

Donezk | Bei der „Anti-Terror-Operation“ der ukrainischen Regierung sind nach inoffiziellen Angaben von Separatisten in der östlichen Stadt Donezk mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen. Ein Lastwagen mit verletzten Kämpfern sei von regierungstreuen Truppen beschossen worden, als er vom Flughafen in ein Krankenhaus unterwegs gewesen sei, teilte der Separatisten-Anführer Pawel Gubarew am Montagabend mit. Der selbst ernannte Gouverneur der nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“ sprach in einer Mitteilung von 15 Verletzten.

Die Gesundheitsbehörden bestätigten lediglich, dass es Tote und Verletzte bei Kämpfen in der Millionenstadt gegeben habe. Die Verletzten würden in Krankenhäusern der Stadt behandelt, die Toten in Leichenhallen gebracht, teilte die regierungstreue Gebietsverwaltung mit. Die Behörde machte keine Angaben dazu, zu welcher Konfliktseite die Opfer gehörten.

Donezk wird von militanten prorussischen Kräften geführt, die die Kiewer Regierung nicht anerkennen. Das Internetportal donbass.ua veröffentlichte neben Gubarews Darstellung auch eine vom ukrainischen Fernsehen in Kiew ausgestrahlte Videobotschaft eines Donezker Bürgers. Dieser berichtete, das Fahrzeug sei von einem Kampfhubschrauber beschossen worden. Zuvor hätten Separatisten aus dem Lastwagen heraus, Menschen auf der Straße wahllos erschossen - angeblich, um die getöteten Zivilisten für anti-ukrainische Propaganda im russischen Staatsfernsehen zu zeigen.

Unabhängige Berichte über den Zwischenfall gab es nicht. Der am Sonntag gewählte neue prowestliche Präsident Petro Poroschenko hatte eine Verschärfung der „Anti-Terror-Operation“ angekündigt. Am Montag war der Flughafen von Donezk beschossen und dem Vernehmen nach von proukrainischen Sicherheitskräften eingenommen worden. Ein Militärsprecher in Kiew sprach von einem „Luftschlag“. Gleichzeitig bot Poroschenko einen Dialog mit Moskau an. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte nach Angaben von Interfax, seine Regierung sei dazu bereit. Allerdings forderte er Poroschenko auch auf, die „Anti-Terror-Operation“ zu stoppen.

Zuvor hatte es erstmals seit Wochen Entspannungssignale zwischen der Ukraine und Russland gegeben. Allerdings schwelt auch der Gasstreit zwischen beiden Ländern weiter. Die Ukraine-Krise ist auch Thema bei einem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Die Abstimmung in dem Krisenland ist auch Thema des Treffens der EU-Staats- und Regierungschefs am Dienstagabend (19 Uhr) in Brüssel. Zuvor hatte es in Diplomatenkreisen geheißen, da die Lage in dem Land nicht eskaliere, stünden schärfere Sanktionen gegen Moskau zur Zeit nicht an.

In Streit um Gaslieferungen konnten sich Russland und die Ukraine derweil nicht auf ein Gesamtpaket einigen. Nach einem Spitzentreffen der beiden Energieminister mit der EU-Kommission am Montag in Berlin wurden unverändert Differenzen über den künftigen Gaspreis für die Ukraine deutlich. „Wir sind noch nicht durch“, sagte EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU). Bei einer weiteren Verhandlungsrunde am Freitag soll eine Eskalation noch abgewendet werden.

Poroschenko war am Montagabend offiziell zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden. Der Wahlkommission zufolge kam der Milliardär nach Auszählung von 90,01 Prozent der Stimmzettel auf 54,33 Prozent. Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko landete weit abgeschlagen mit 13 Prozent auf Rang zwei. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) schätzt ein, dass die Wahl trotz der unruhigen Lage demokratische Standards erfüllte.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 07:43 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen