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Deutschland & Welt

17. August 2017 | 03:56 Uhr

Lesestoff : Viel Sex mit Wolf

vom

Kay Müller und Martin Schulte empfehlen Lesestoff zum Wochenende. Heute in aller Kürze pathetische Beziehungsprosa von Ralf Rothmann.

Willkommen auf dem dünnen Eis des Autobiografischen, heute schlittert für Sie: Ralf Rothmann. Der Autor, in Schleswig geboren, schreibt in „Feuer brennt nicht“ über die Schwierigkeiten von Schriftsteller-Beziehungen. Wolf lernt Alina während einer Lesung kennen, alles gut, das Zusammenleben und auch der Sex. Dann ziehen beide von der Stadt aufs Land und mit dem Wohnungswechsel ändert sich auch ihr Verhältnis.
Spätestens hier kommt er wieder ganz zum Vorschein, der Naturalist Rothmann, mit seinen eindruckvoll präzisen Beschreibungen von Natur und Mensch. Hier muss aber auch der Sex beschrieben werden, der mit Alina und der mit Charlotte, Wolfs Geliebten, und da sind die Beschreibungen mitunter zu detailliert und ausführlich, die ganze Sache bekommt einen komischen Ton. Ohnehin fällt mal wieder auf, dass Autoren, sobald sie Fiktion mit der eigenen Biografie verknüpfen, oft Gefahr laufen, zu pathetisch zu klingen.
Der Schriftsteller gerät also in eine Lebenskrise, von der man nur hoffen mag, dass sie nicht den armen Rothmann getroffen hat. Der hat seine Stärken auf anderem Gebiet, nicht auf der Beziehungsprosa. Würde man jetzt sagen, dass man den Roman dennoch lesen könne, weil er eben von Rothmann ist, dann ist das sicher nicht falsch, klingt aber auch irgendwie schräg. So wie der ganze Roman.
Ralf Rothmann, Feuer brennt nicht, Suhrkamp Verlag, 305 Seiten, 19,90 Euro.

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erstellt am 14.Mai.2009 | 01:14 Uhr

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