Insolvenz : Verwaiste Leihfahrräder verstopfen Städte in Deutschland

<p>Rund 10.000 Leihfahrräder des Anbieters Obike stehen in einer Lagerhalle von Harald Ploß in Barsbüttel. Los wird er sie wohl nicht mehr.</p>

Rund 10.000 Leihfahrräder des Anbieters Obike stehen in einer Lagerhalle von Harald Ploß in Barsbüttel. Los wird er sie wohl nicht mehr.

Räder des Anbieters Obike aus Singapur werden nicht mehr betreut. Seit Tagen ist bei der Firma niemand erreichbar.

shz.de von
11. Juli 2018, 07:02 Uhr

München/Singapur | In mehreren deutschen Städten wachsen die Probleme mit den silber-gelben Leihrädern von Obike: Sie stehen oft im Weg und sind häufig Ziel von Vandalismus. Zwar habe der Anbieter aus Singapur mehreren Städten versprochen, alle oder einige Räder wegzuräumen. Passiert sei aber nicht viel, sagt etwa der Fahrradbeauftragte der Stadt München, Florian Paul. „Das ist ein großes Ärgernis. Wir versuchen, seit Wochen und Monaten bei Obike jemanden zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmert.“ Auf 1000 Räder sollte Obike seinen Fuhrpark in München reduzieren, aber noch immer seien 3000 in der Stadt.

In Hamburg hat Obike laut Verkehrsbehörde zwar Mitte 2017 versucht, einen Fuß in den Markt zu bekommen, daraus wurde aber nichts. Dennoch gibt es in der Nähe jemanden, der mit Obike ein Problem hat: Harald Ploß, der eine Lagerhalle in Barsbüttel bei Hamburg an Obike vermietet hat. Bei ihm stehen rund 10.000 Obikes, die er wieder loswerden will, um die Halle weiterzuvermieten – aber Obike sei nicht mehr erreichbar, sagte Ploß.

Obike wurde erst im vergangenen Jahr gegründet und bietet in mehreren europäischen Städten seine Leihräder an. Zuständig für das Einsammeln der Räder ist nach eigenen Angaben das Schweizer Transportunternehmen „Umzug 24“. Problematisch sei aber die Ortung der Räder, weil die App für die Nutzer nicht mehr richtig funktioniere, sagte „Umzug 24“-Mitarbeiter Sercan Ocar der Deutschen Presse-Agentur. Obike in Singapur war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Für Unruhe sorgt, dass Obike Singapur Insolvenz angemeldet hat. Auf die Geschäfte an anderen Standorten habe dies aber keine Auswirkungen, teilte der Anbieter im Juni mit. In Deutschland müssen Nutzer laut Obike-Website eine „zurückerstattbare Kaution von 79 Euro“ zahlen. Beschwerden von Nutzern waren dem Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin laut einer Sprecherin am Dienstag nicht bekannt.

Trotzdem melden auch andere deutsche und europäische Städte Probleme: In Hannover erreicht man laut einer Sprecherin der Stadt seit vergangenem Donnerstag niemandem mehr bei Obike. In Frankfurt habe die Firma immer seltener falsch abgestellte Räder rechtzeitig entfernt und sei dann teils nicht mehr erreichbar gewesen, sagte der Sprecher des Verkehrsdezernats.

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