zur Navigation springen

Ernährungstrend : Veganismus: Mehr als ein Medienhype?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Menschen verzichten beim Essen konsequent auf alle Produkte tierischer Herkunft.

Kiel | „Halb Hollywood“ ernähre sich vegan, berichtete kürzlich ein Boulevardmagazin. Und wie in der US-Traumfabrik, streichen auch in Deutschland immer mehr Menschen nicht nur Fleisch, Wurst und Fisch, sondern generell alle Lebensmittel tierischen Ursprungs von ihrem Speiseplan. Verfechter der veganen Kostform wie Attila Hildmann sind mit Büchern, Fernsehauftritten und Kochshows zu Medienstars avanciert. Was steckt dahinter? Ist vegane Ernährung wirklich gesund? Und was genau heißt das eigentlich, Veganismus?

Die Antwort auf die letzte Frage zuerst: „Wer sich vegan ernährt, nimmt keine Produkte zu sich, die vom Tier stammen“, so die Definition der „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Umwelt“. Das bedeutet auch den Verzicht auf Milch und Milchprodukte, Eier, Zutaten wie Gelatine. Insekten sind meist eingeschlossen, so dass Veganer auch keinen Honig konsumieren. Wer komplett auf eine vegane Lebensweise umstellt, greift bei Kleidung, Kosmetik und Alltagsgegenständen ebenfalls auf Produkte nicht-tierischer Herkunft zurück.

Bleiben wir beim Essen: Der Trend zum Veganismus ist da, bestätigen Experten wie die Referentin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, Gudrun Köster. „Die Zuwachsraten bewegen sich jedoch auf niedrigem Niveau“, so die Diplom-Ökotrophologin im Gespräch mit dem sh:z. Der Vegetarierbund etwa veranschlagt die Zahl der Veganer auf bundesweit 800.000; bei einer Gesamtbevölkerung von gut 80 Millionen ist dies gerade einmal ein Prozent. Wissenschaftliche Studien kommen sogar auf deutlich weniger.

Was die Motivation angeht, so gelten die Argumente von Vegetariern auch für Veganer: Tiere zu essen widerspricht ihren ethischen Werten. Fleischkonsum hierzulande fördert nach ihrer Überzeugung den Hunger in der Dritten Welt. Sie betrachten Fleisch als Klimakiller und halten eine fleischlose Ernährung für gesünder. Für Veganer ist der Verzicht auf alle tierischen Produkte – vor allem verbunden mit Kritik an den Haltungsbedingungen für Nutztiere – ein konsequenter nächster Schritt.

Und all diese Argumente sind auch aus der Sicht von Skeptikern nicht von der Hand zu weisen. So werde für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch 335 Kilogramm CO2 (beziehungsweise CO2-Äquvalente) verbraucht, für ein Kilogramm des Sojaproduktes Tofu lediglich 3,8 Kilogramm, nennt Gudrun Köster ein Beispiel.

Doch wie sieht es mit der gesundheitlichen Bewertung der veganen Kost aus? Der Vegetarierbund verweist auf „verschiedene groß angelegte Studien“, die nahelegten, dass „Vegetarier und Veganer ein deutlich geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen aufweisen“. Genannt werden Übergewicht, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bestimmte Krebsarten.

Die Medaille hat jedoch auch eine andere Seite. Zum einen ist auch bei der veganen Ernährung ein Trend hin zu Fertig- und Convenience-Produkten zu beobachten – mit allen damit verbundenen Risiken wie versteckte Fette, Zucker und Salz sowie Zusatzstoffe. Zum zweiten sei selbst bei Verwendung ausschließlich frisch verarbeiteter Produkte für eine ausgewogene vegane Ernährung viel Wissen notwendig, sagt Gudrun Köster: „Einfach Fleisch, Milch und Eier wegzulassen reicht nicht.“

Denn benötigt wird eine Vielfalt von Inhaltsstoffen in richtiger Menge und Zusammensetzung. Einige Nährstoffe, die etwa Fleisch bietet, könnten Vegetarier durch andere tierische Produkte wie Käse oder Quark ersetzen; Veganern dagegen sei dies nicht möglich. Sie müssten gezielt auf bestimmte Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte sowie Nüsse zurückgreifen. Im Falle von Vitamin B12, so die Ernährungsexpertin, seien entsprechende Nahrungsergänzungsmittel kaum zu vermeiden, will man nicht langfristig Mangelerscheinungen riskieren.

zur Startseite

von
erstellt am 02.Nov.2014 | 12:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen