Königreich Dannebrog : US-Beflaggung vor Wohnhaus: Dänen droht satte Geldstrafe

<p>Die Stars and Stripes vor dem Familienhaus bei Kolding.</p>

Die Stars and Stripes vor dem Familienhaus bei Kolding.

Bei falschen Farben am Mast gerät man in Dänemark rasch mit den Gesetzen in Konflikt. Schon bald klingelt die Polizei.

shz.de von
20. Juni 2017, 12:07 Uhr

Kolding | Flagge abnehmen oder 336 Euro Strafe zahlen: Wie rigoros Dänemark beim Hissen ausländischer Flaggen vorgeht, zeigt ein Fall aus dem kleinen Dorf Nørre Bjert bei Kolding. Ein dänisches Ehepaar, das sich der amerikanischen Kultur hingezogen fühlt und am Fahnenmast die „Stars and Stripes“ flaggte, wurde nach Anzeigen frühmorgens von der lokalen Polizei aus dem Bett geholt und zur Unterbindung aufgefordert. Das berichtet die Zeitung „Berlingske“.

In Dänemark gelten ähnlich starke Vorschriften zum Flaggen wie in den USA. So muss der laut Legende am 15. Juni 1219 vom Himmel gefallene Dannebrog stets vor Sonnenuntergang eingeholt werden – und er darf beim Abnehmen niemals den Boden berühren. Bei Halbmast-Beflaggung muss der Dannebrog erst bis zur Spitze des Fahnenmastes heraufgezogen werden um dann wieder herabgelassen zu werden.

Am Montagmorgen um 7.15 Uhr klingelte es bei Familie Hedegård. Polizeibeamte standen in der Tür und kamen mit der Botschaft: Flagge runter oder 2500 Kronen zahlen. Gleich mehrere Nachbarn hatten sich wohl von der US-Flagge provoziert gefühlt und das Fehlverhalten der Hedegårds bei den Behörden gemeldet. Die Gesetze haben sie auf ihrer Seite.

In Dänemark dürfen außer des eigenen Dannebrogs im Grunde keine anderen Nationalflaggen gehisst werden. 1915 unterschrieb der damalige Justizminister Carl Theodor auf der Grundlage einer königlichen Resolution aus dem Jahre 1854 ein Dekret, das dieses so festsetzt. Vertretungen ausländischer Staaten, darunter Konsule und andere Staatsgesandte sind hiervon ausgenommen, heißt es auf der Seite des Jusitizministeriums.

Eine weitere Ausnahme von dem Verbot bilden die Flaggen Grönlands und der Färöer Inseln, der EU, der Vereinten Nationen sowie die Flaggen der anderen skandinavischen Länder (Schweden, Island, Norwegen und Finnland). Sie alle dürfen ohne Sondergenehmigung angebracht werden. Wenn die Deutsche Minderheit in Nordschleswig zu bestimmten Anlässen „Schwarz-Rot-Gold“ zeigen möchte, muss sie dafür einen Antrag stellen, sonst kommt die Polizei und nimmt die Flagge weg.

Für die Hedegårds sind diese Ausnahmen nicht gültig. Ihre Liebe zur amerikanischen Kultur dürfen sie zwar zeigen, aber ohne Sondergehmigung eben nicht an ihrem Fahnenmast – und schon gar nicht dauerhaft. Eine Aufhebung des Verbotes von 1915 wurde vor fünf Jahren letztmals intensiv erwogen.

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