Lesestoff : Unglück für Vier

Kay Müller und Martin Schulte empfehlen Lesestoff zum Wochenende. Heute in aller Kürze Michael Stavarics Geschichte einer unglücklichen Liebe.

shz.de von
16. April 2009, 04:04 Uhr

Die unglückliche Liebe ist eine schlimme Krankheit, an der viele zugrunde gehen. Das ist seit allen Zeiten so und auch in Michael Stavarics neuem Roman „Böse Spiele“. Der gebürtige Tscheche aus Wien stellt damit seinen vierten Roman innerhalb der letzten drei Jahre vor und mal wieder ist der Autor ein stilistisches Experiment eingegangen. Stavaric erzählt die Geschichte einer unglücklichen Vierer-Beziehung. Der Ich-Erzähler liebt eine Frau, die mit einem anderen Mann zusammenlebt und mit diesem auch ein Kind hat. Dennoch kommt sie auch von dem Erzähler nicht los. Ergänzt wird diese Konstellation - wenig überraschend - durch eine weitere Frau, die ebenfalls den Ich-Erzähler liebt.
Selbstverständlich treibt diese Konstellation auf die große Katastrophe zu, in der die Liebenden, aller gesellschaftlichen Fesseln entledigt, einander mit einer Grausamkeit, wie sie nur aus enttäuschten Gefühlen wachsen kann, bekämpfen. Stavaric mischt die Erzählstile ähnlich der Beziehungen seiner Hauptfiguren munter durcheinander. Episoden und Zeitsprünge verwischen die Chronologie. Stavaric fordert seine Leser, manchmal zu sehr, aber er entschädigt mit einem Ende, das einem kathartischen Dauerfeuer gleichkommt. Es bleibt nicht viel übrig zum Schluss. Gut so.
Michael Stavaric, Böse Spiele, C.H. Beck Verlag, 155 Seiten, 16,90 Euro.

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