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Deutschland & Welt

11. Dezember 2017 | 14:48 Uhr

Mediengrummel : Unappetitliches

vom

In der Multimediagesellschaft verbreiten sich nicht nur Nachrichten rasend schnell, sondern auch manches Unappetitliche, meint unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2011 | 04:38 Uhr

Sie müssen dem Mitreisenden, der Ihnen im Großraumwagen 7 seit Stunden mit seinem Handygeschwätz auf den Geist geht, nicht die Pest an den Hals wünschen. Der unangenehme Typ wird früher oder später ohnehin zum Schweigen gebracht - von seinem eigenen Handy. Denn was er vermutlich nicht weiß: Sein geliebtes Schwatzkästlein ist von Bakterien überwuchert, 18mal mehr als irgendein Toilettenspülknopf. Diverse Studien sollen das belegt haben. Anderen Meldungen zufolge tummeln sich auf einem Telefon bis zu 25.000 Erreger pro Quadratzentimeter. Aber Bakterien haben eben auch ihr Gutes. Im Golf von Mexiko etwa sollen sie den Öldreck von BP schneller verschlungen haben, als Vati seinen Nobel-Geländewagen an der Tankstelle vollfüllt. Die freundlichen Einzeller dürften also auch mit ihrem telefonierenden Wirt von Wagen 7 bald fertig sein.
Falls Sie dem unüberhörbaren Mitteilungsbedürfnis des Handy-Schwätzers entnehmen können, dass er in einem Krankenhaus arbeitet, sollten Sie das Bakterien-Massaker allerdings nicht länger aus der Nähe beobachten. Vermutlich beherbergt das Telefon der Nervensäge mindestens einen Bakterienstamm, der gegen Antibiotika resistent ist. Bei jedem achten Mobiltelefon, das in einem Krankenhaus verwendet wird, ist das der Fall, haben Wissenschaftler festgestellt.
Man braucht in unserer Informationsgesellschaft aber nicht mit der Bahn zu fahren, um unappetitliche Bekanntschaften zu machen. Fernsehen tut‘s auch. Nicht einmal eingefleischte ARTE-Zuschauer können dem Grauen entfliehen, wenn es stimmt, was die University of Virginia festgestellt haben will: Die meisten Krankheiten in einem Haushalt werden über die Fernbedienung übertragen. Jeder Tastendruck ein Ausflug in die große Welt der kleinen Organismen. Als besonders artenreiche Brutstätten von Bakterien gelten Fernbedienungen für Hotelfernseher. Ekel-Fernsehen plus, sozusagen. Und man muss sich dafür nicht einmal zu Sendern zappen, die Brechreiz zum Programm erklärt haben.

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