CD-Tipp der Woche : Trübsal in seiner schönsten Form

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Noch düsterer, noch trauriger. Auf seinem neuesten Album besticht Robin Proper Sheppards Ein-Mann-Projekt Sophia einmal mehr mit wunderschön vertonten seelischen Tiefpunkten.

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02. Oktober 2009, 03:48 Uhr

Man kann Robin Proper Sheppard eines wahrhaftig nicht vorwerfen: dass er seinen geneigten Hörern mit überschwenglichem Optimismus auf den Kranz geht. Der introvertierte Brite war schon immer ein Garant für die gepflegte Depression mit diesem kleinen Restbestand an Zorn.
"There Are No Goodbyes" heißen die neue Scheibe und der Opener seines mit oft wechselnden Gästen verstärkten Ein-Mann-Projekts Sophia, einzuordnen irgendwo in den Weiten des Independent-Pop. Und nur ein Ahnungsloser kann diese Feststellung im Titel positiv auslegen. Robin will natürlich sagen: Es gibt keine schönen Aschiede. Ist klar.
Und um jene Abschiede, Trennungen oder missratene Kommunikation geht es stets. Nicht nur im Titelsong, dessen Melodie sich gnadenlos in die Gehörgänge frisst, derweil der Kopf im Midtempobeat nickt. Auch in der feinen Ballade "Something", einem Duett mit einer Ex-Freundin (das versteht sich). Alle anderen Arten von Seelennot werden in den bittersüßen, wunderbar komponierten Songs ebenfalls zur Sprache gebracht. Perfekt austariert erscheint der Einsatz von Akustik- sowie Slide-Gitarre und Klavier, dazu gesellen sich orchestrale Arrangements mit Streichern, Waldhorn und Oboe.
Irgendwann in einigen Wochen sollen Sophia Gerüchten zufolge auf Tour auch in Hamburg einkehren. Das Internet wird dem Interessierten helfen. Wer hingehen will, an den sei diese ernste Warnung gerichtet: man sollte sich vor der Bühne nicht laut unterhalten oder gar lachen. Der ziemlich sensible Robin hat bei solchen Störungen schon desöfteren Songs unterbrochen und Leuten mehr oder weniger unsanft den Mund verboten, weil er seine Musik nicht mit ausreichend Respekt behandelt fühlte. Das ist dann wirklich sehr unangenehm für alle Beteiligten. Zitat Robin: "It hurt recording these songs. And it still hurts when I listen to these songs. Truthfully? It still hurts living these f***ing songs". Also bitte unbedingt Ruhe bewahren und einfach mal fein in der Klang gewordenen Depression versinken.
Sophia - "There Are No Goodbyes" (VÖ: 10.4.09, Cityslang/Universal)

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