Kiel und Nordhorn : Trostpreise statt Trophäen

Als Spaniens Meister-Handballer von Ciudad Real unter Sektduschen den riesigen Champions-League-Pokal in die Höhe stemmten, saß der traurige Stefan Lövgren mit einer Flasche Mineralwasser in der Hand auf der Bank.

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01. Juni 2009, 02:31 Uhr

In seinem letzten Endspiel musste der Kapitän mit seinem THW Kiel eine bittere Niederlage einstecken: Im Final-Rückspiel der "Königsklasse" verlor der deutsche Rekordmeister am Sonntagabend bei Ciudad Real mit 27:33.
Der Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel war zu wenig für die am Ende entkräfteten Kieler. Der THW verpasste seinen zweiten Champions- League-Sieg nach 2007 und vergab die Chance, nach Meisterschafts- und DHB-Pokalgewinn eine von Manipulationsaffären überschattete Saison mit dem ersehnten Triple sportlich zu veredeln. "Diesen Pokal hätte ich liebend gern mitgenommen. Aber es war trotzdem eine erfolgreiche Saison", sagte Lövgren, der seine Karriere beendet.

Bereits am Vortag war der Bundesliga ein Dreifacherfolg im Europacup wie 2007 verwehrt worden. Zwangsabsteiger HSG Nordhorn hatte im Rückspiel des Europacups der Pokalsieger bei Pevafersa Valladolid mit 23:24 verloren und wegen der weniger erzielten Auswärtstore nach dem 31:30 im Hinspiel ohne Cup Abschied von der internationalen Bühne genommen. „Wir haben gut gekämpft und alles gegeben, aber es war nicht genug. Leider“, sagte Torhüter Peter Gentzel, der zum THW Kiel wechselt.
So hatte am Montagabend der VfL Gummersbach als letzter der drei deutschen Finalisten die Chance auf einen Europacup-Sieg. Das Hinspiel im EHF-Pokal gegen RK Gorenje Velenje hatte der Altmeister vor Wochenfrist in Slowenien mit 29:28 gewonnen.
Frust im Gepäck
Mit Frust im Gepäck statt des erhofften Pokals sind die Kieler am Montag auf die Party-Insel Mallorca geflogen. Bei dem Kurzurlaub soll Lövgren in die Handball-Rente verabschiedet, die Mannschaftskasse geplündert und eine trotz des verpassten Champions-League-Sieges außergewöhnliche Saison begossen werden. Denn bei einem Erfolg am Mittwoch bei Absteiger TuSEM Essen verbessert das Team von Trainer Alfred Gislason den Punktrekord der Bundesliga (62:6), unabhängig vom Ausgang des letzten Spiels am kommenden Samstag gegen die SG Flensburg-Handewitt.
Dass die auslaufende Saison an die Substanz gegangen ist, war den Kielern mit zunehmender Spielzeit anzusehen. Aus einer 20:16-Führung (39.) wurde ein 23:26-Rückstand (49.). Und nach dem 27:30 (57.) hatten die Mannen um Lövgren der Wucht und dem Willen der Spanier nichts mehr entgegenzusetzen. "Wir haben uns um den Lohn der eigenen Arbeit gebracht", beklagte Gislason. Und Rückraum-Ass Nikola Karabatic zürnte: "Nur vier Spieler hatten Normalform." So gewann Ciudad Real zum dritten Mal die Trophäe. "Es ist schön, dass wir gewonnen haben, aber ich kann den Schmerz nachempfinden, den mein Freund Alfred Gislason jetzt spürt", sagte der Isländer Olafur Stefansson, der zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt.
Derweil haben sich der HSV Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen wie Meister Kiel für die Champions League in der nächsten Saison qualifiziert. Hamburg büßte in der Bundesliga beim 29:29 gegen MT Melsungen einen Zähler ein, ist aber dank der um acht Treffer besseren Tordifferenz Zweiter vor den punktgleichen Löwen, die gegen den TSV Dormagen mit 35:32 gewannen. Der TBV Lemgo hatte durch eine unerwartete 30:26-Niederlage bei GWD Minden seine theoretische Chance auf die "Königsklasse" verspielt. Auch die Europacup-Anwärter SC Magdeburg und Frisch Auf Göppingen erlitten Niederlagen: Magdeburg verlor bei der HSG Wetzlar mit 25:28, Göppingen bei HBW Balingen- Weilstetten mit 23:24.

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