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Germanwings-Flug 4U9525 : Tragödie in Südfrankreich: Die Schwachstelle Mensch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum hat ein junger Mann 149 Menschen mit sich in den Tod gerissen? Das Drama im Cockipt des A320 ist unvorstellbar. Ein Kommentar von Holger Loose.

Es fällt schwer zu realisieren, was offenbar grausame Wirklichkeit ist. Ein junger Mann, der seinen Traum vom Fliegen zum Beruf gemacht hat, setzt seinem Leben ein Ende und reißt 149 Menschen mit in den Tod. Unter ihnen Kinder und Babys – und Kollegen, die glaubten, ihn zu kennen und sich ihm ohne Vorbehalte anvertraut haben. Nach Erklärungen für diese unvorstellbare Tat werden wir vergeblich suchen. Was in dem 27-jährigen Co-Piloten vorgegangen ist, als er den Airbus A 320 in die Katastrophe lenkte, kann nicht einmal erahnt werden. Dass solche schrecklichen Vorfälle nur sehr selten passieren, ist nicht mehr als ein schwacher Trost und macht das Geschehene nicht erträglicher.

Eine Suche nach Schuldigen ergibt wenig Sinn. Strenge Auswahl- und psychologische Eignungstests stellen bei den meisten Airlines eigentlich sicher, dass nur charakterlich gefestigte Kandidaten Pilot werden können – eigentlich.

Nein, der Horror, der sich über den französischen Alpen abgespielt hat, ist genau so wenig vorhersehbar wie verhinderbar gewesen. Bittere Ironie des Schicksals ist es, dass ausgerechnet die Verriegelung der Tür zum Cockpit, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York für mehr Sicherheit sorgen sollte, für 150 Menschen zum Verhängnis wurde.

Weit mehr als drei Milliarden Menschen nutzen weltweit im Jahr das Flugzeug und werden es trotz der jüngsten Geschehnisse weiter tun. Viele von ihnen gehen mit einem unguten Gefühl an Bord. Auch, weil sie ihr Schicksal während des Fluges nicht mehr selbst in der Hand haben. Beruhigend wirkt da oft nur die Tatsache, dass kein anderes Verkehrsmittel sicherer ist als das Flugzeug. Technik und Sicherheitssysteme moderner Verkehrsjets haben sich immer weiter entwickelt. Das alles nützt aber nichts, wenn die Schwachstelle im System der Mensch ist.
 

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