Nach Pegida-Demo am Montag : Toter Flüchtling in Dresden: Mordkommission ermittelt

Ein Plattenbaugebiet mit Vierraumwohnungen für Asylbewerber in Dresden.
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Ein Plattenbaugebiet mit Vierraumwohnungen für Asylbewerber in Dresden.

Der Tod des Asylbewerbers Kahlid Idris Bahray in Dresden wirft Fragen auf. Die Polizei geht mittlerweile von Mord aus.

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14. Januar 2015, 14:56 Uhr

Dresden | In Dresden ist im Hof eines Wohnhauses die Leiche eines Flüchtlings gefunden worden. Am Dienstagmorgen entdeckten Anwohner der Johannes-Paul-Thilman-Straße im Dresdener Stadtteil Leubnitz-Neuostra den Toten. Es handelt sich um den 20-jährigen Asylbewerber Kahlid Idris Bahray aus Eritrea. Wie die Dresdener Morgenpost berichtet, war der Mann dezentral, also nicht in einem Wohnheim, untergebracht. Sein Tod wirft Fragen auf. Erst hieß es von der Polizei, dass es „keine Anhaltspunkte auf Fremdeinwirkung“ gab. Jetzt ermittelt die Mordkommission. Am Mittwochnachmittag bestätigte Polizeichef Dieter Kroll gegenüber der Zeitung, dass „ein Messerstich ursächlich für die Verletzung verantwortlich ist“. Die Polizei schließe somit aus, dass es sich um einen Unfall handele.

Kahlid Idris Bahray lebte in dem Wohnblock mit sechs Geschossen. Zusammen mit sieben weiteren Flüchtlingen wohnte der Mann aus Eritrea in einer von der Stadt zugewiesenen Wohnung. Am Abend vor seinem Tod wurde er zuletzt gesehen, am Dienstagmorgen informierten Passanten die Polizei. Dem Bericht zufolge war die Leichenstarre bereits eingetreten, es klebte Blut an Hals und Schulter.

Aus Angst vor den Pegida-Demonstrationen verlassen die Flüchtlinge die Unterkunft kaum, berichtet die Dresdener Morgenpost. „Die Menschen hier begegnen uns feindlich, es spricht Hass aus ihren Augen, wir trauen uns nicht mehr nach draußen, wir brauchen Schutz“, berichtet die Freunde des Verstorbenen. So wurde auch nicht bemerkt, wann genau Kahlid Idris Bahray ums Leben kam. Gegenüber der Zeitung teilte Polizeipräsident Dieter Kroll anfangs mit: „Es besteht ein Anfangsverdacht auf einen unnatürlichen Tod.“ Eine Obduktion sollte daraufhin klären, ob der Mann Opfer eines Verbrechens wurde.

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