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Bedeutendstes Folk-Festival Europas : Tønder Festival 2015: John Prine, Richard Thompson und die Seele des Folk

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Aus der Onlineredaktion

Nordischer Stempel auf westliche Klänge: Nächsten Donnerstag beginnt das 41. Tønder Festival. Neben Altstars sorgen junge kanadische Roots-Interpreten für frischen Wind an der Grenze.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 18:13 Uhr

Tondern | Vor 40 Jahren fand zum ersten Mal das Tønder Festival statt. Gewachsen aus dem Gemeinschaftsprojekt einiger Musik-Enthusiasten klingen seitdem an jedem letzten Augustwochenende harmonische Folk-Klänge unterschiedlicher Stile an kernigen Spielorten. In den Kneipen, Cafés, Straßen und Häusern des Grenzstädtchens Tondern schwingt die Musik, genau wie auf den Bühnen. Internationale Stars wie Emmylou Harris, Steve Earle, Pete Seeger, The Avett Brothers und Arlo Guthrie haben sich über die letzten Jahre – für die breite Mehrheit beinahe unbemerkt – im Staralbum des „TF“ verewigt.

Vom 27. bis 30. August 2015 wird Tondern auch in diesem Jahr wieder als Europas Folkie-Mekka seine Einwohnerzahl verdoppeln. Vielleicht sind es die „flachen Hierachien“, die das Miteinander der Musiker und Zuhörer in Dänemarks „Hauptstadt der Pädagogen“ so besonders machen. Im Umfeld der allumfassenden Musik während der vier Spätsommertage blüht die kollektive Seele des Folk auf, in der die Grenzen zwischen Künstler und Rezipient sich klanglich überfluten. Dieses Erlebnis, betont US-Liedermacher John Prine, der in diesem Jahr einer der Headliner ist, wolle er sich in diesem Jahr nicht entgehen lassen. „Es ist mir eine Ehre, beim Tønder Festival mit meiner Band auftreten zu dürfen. Schließlich habe ich erfahren, dass das Festival ein großes Erlebnis für Künstler und die Besucher ist“, sagte der 68-jährige Barde zu dem lange geplanten Engagement.

Das Tønder Festival hat sich seine Reputation, eines der wichtigsten Folk-Festivals Europas zu sein, trotz jahrelanger roter Zahlen bewahren können. Ohne Finanzhilfen durch die Kommune wäre das Festival 2013 den Bach herunter gegangen. Die Existenzkrise des bereits totgeglaubten Folkfestes verlangte der Leitung, den zahlreichen Freiwilligen und nicht zuletzt auch den Zuschauern einiges ab. Vieles musste sich ändern. Bis 2011 lösten die volatilen Gäste noch Tickets für Einzelkonzerte ihrer Wahl. Nun kaufen sie das ganze Programm, denn Partout-Armbänder (für alle vier Tage) oder Tagesarmbänder sind obligatorisch geworden.

Zwei Zelte, eine nun wieder verkleinerte Open-Air-Bühne, das „La Gayola“ und der „Palais Des Glaces“ stehen unter anderem für Live-Darbietungen zur Verfügung. Am legendären Spielort „Hagge's Musik Pub“, der für das direkte Festivalprogramm keine Rolle mehr spielt, ertönt ohnehin das ganze Jahr Folk- und Rootsmusik.

Die Wandlung zu einem „richtigen“ Festival mit der abgeschlossenen „Bourbon Street“, dem Spiegelzelt und allem Drum und Dran setzte dem lockeren und spontanen Miteinander von Musikfans, das sich ehedem zum großen Teil auch abseits der Bühnen abspielte, zwar etwas zu und schreckt aufgrund der hohen Preise sicher weiterhin viele Pendler ab. Doch die Wirtschaftlichkeit ist zurück und die Endzeitstimmung ist positiven Ausblicken gewichen.

Die „Mischung aus Tradition und Erneuerung“, die die Leiterin Maria Theessink ankündigte, trägt allmählich Früchte. Im letzten Jahr kamen über 8000 zahlende Gäste nach Tønder und brachten einen Überschuss von mindestens 2,5 Millionen Kronen. Die Spielstätten in der Stadt stehen weiter für Hobby-Musiker zur Verfügung.

Das konstant hohe Niveau der musikalischen Gäste (hier geht es zum Festivalprogramm) bleibt für die musikalische Leitung auch in diesem Jahr das Fundament des Gelingens. Neben John Prine wird auch das Gründungsmitglied der legendären Fairport Convention, Richard Thompson, nach fast 30 Jahren wieder in Tondern die Gitarre umschnallen. Mit dabei sind insgesamt rund 40 Musiker und Bands aus diversen Ländern des Nordens und des Westens des Erdballs. Im Fokus stehen im diesjährigen Programm vorallem die musikalischen Gäste aus Kanada wie „The Bros Landreth“ und „The Wailin’ Jennys“. Der kanadische Botschafter in Dänemark, André Francois Giroux, wird das Festival eröffnen.

Mit großer Vorfreude werden auch die vier Auftritte des Niederländers Hans Theessink erwartet, der mit seinem Programm dem Schaffen des vor 18 Jahren verstorbenen, legendären US-Liedermachers Townes Van Zandt („Pancho and Lefty“) Tribut zollt. Ein weiteres Highlight sind die wiedervereinigten Bluegrass-Stars von „Hot Rize“.

Seit 2009 ist Prinzessin Marie Schirmherrin des Festivals. Im letzten Jahr brachte sie bei ihrem zur Tradition gewordenen Sonntagsbesuch ihren Mann Prinz Joachim und ihren Sohn Henrik gleich mit. „Wir sind sehr froh, dass uns unsere Schirmherrin, ihre Königliche Hoheit Prinzessin Marie entsprechend der Gewohnheit wieder einen Besuch abstattet“, heißt es auch in diesem Jahr.

Der Vorverkauf in diesem Jahr verläuft bislang eher schleppend. Tickets für alle vier Festivaltage, sowie Campingpässe sind noch erhältlich. Kosten: 1.410 DKK (182 Euro) für vier Tage, Tagesbänder kosten etwa 93 Euro. Größere Ermäßigungen gibt es für Jugendliche und Studenten.

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