Landkreis Ansbach : Tiefenthal: Zwei Tote bei Amoklauf in Franken – Motiv unklar

An einer Tankstelle konnte der Amokläufer von der Polizei verhaftet werden.
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An einer Tankstelle konnte der Amokläufer von der Polizei verhaftet werden.

Ein bewaffneter Mann soll mehrere Menschen aus dem Auto heraus getötet haben. Der Mann zeigte psychische Auffälligkeiten.

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10. Juli 2015, 18:10 Uhr

Ansbach | Ein Amokläufer hat in Mittelfranken zwei Menschen getötet, darunter eine 82 Jahre alte Frau. Anschließend flüchtete der Verdächtige rund 30 Kilometer weit in einem Auto, bis die Polizei ihn an einer Tankstelle festnehmen konnte. Den Mechanikern sei die rasche Festnahme des Mannes zu verdanken, betonte Mittelfrankens Polizeivizepräsident Roman Fertinger. Der Amokschütze sei mit gezogener Waffe in die Tankstelle mit angeschlossener Werkstatt gekommen und habe das Personal bedroht. Als er die Waffe kurz auf dem Tresen abgelegte, schnappte eine Kassiererin die Pistole und versteckte sich damit. Daraufhin hätten die Mechaniker den Mann überwältigt und festgehalten, bis die Polizei kam. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte den Mitarbeitern für ihr beherztes Eingreifen.

Am Morgen soll der 47-Jährige in Tiefenthal, einem Ortsteil der Gemeinde Leutershausen bei Ansbach, aus seinem Auto heraus die 82 Jahre alte Frau erschossen haben - auf dem Gehweg vor ihrem Haus. Kurz darauf tötete er laut Polizei einen 72-jährigen Fahrradfahrer vor dem wenige Kilometer entfernten Schloss Rammersdorf - auch dort starb das Opfer noch am Tatort. Ein Landwirt aus Binzwangen wurde ebenfalls von dem Mann beschossen. Allerdings traf das Geschoss nur die Scheibe des Traktors; der Bauer wurden von den Glassplittern leicht verletzt. Ein weiterer Autofahrer sei bedroht worden.

Danach flüchtete der Schütze mit einem silbernen Cabrio, das auf seinen Vater zugelassen ist. Die Polizei startete eine Großfahndung und warnte die Bevölkerung vor dem Bewaffneten, der „rücksichtslos von der Schusswaffe Gebrauch“ mache. Kurz vor der Mittagszeit erfolgte die Festnahme des Ansbachers in Bad Windsheim. Die Polizei war mit „deutlich über 100“ Kräften im Einsatz, mit vier Hubschraubern und mehreren Diensthundeführern.

Das Motiv des Mannes ist völlig unklar. Nach ersten Erkenntnissen gibt es keine Beziehung zwischen dem Täter und seinen Opfern. Er habe „willkürlich, aber gezielt“ auf sie geschossen. „Es ist daher von einem Amoklauf auszugehen“, sagte Herrmann.

Der mutmaßliche Täter sei nach seiner Festnahme psychisch auffällig gewesen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof. Im Polizeiauto habe er „wirre Äußerungen“ ohne erkennbaren Zusammenhang von sich gegeben. Daher habe man einen psychiatrischen Gutachter hinzugezogen. Dieser sollte klären, ob der 47-Jährige in Untersuchungshaft kommt oder in eine psychiatrische Klinik.

Bisher sei der Beschuldigte kriminalpolizeilich nicht aufgefallen. Der Sportschütze habe legal einen Revolver und eine Pistole besessen, für die er eine sogenannte Waffenbesitzkarte gehabt habe. Diese berechtige ihn zur Nutzung der Waffe im Sportheim, verbiete aber ein ständiges Bei-Sich-Tragen.

Der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Hess, zeigte sich entsetzt. „In einem Ort mit 5500 Einwohnern, in dem wie immer beschaulich gelebt haben, kannte man solche Situationen nur aus dem Fernsehen“, sagte Hess. Er sei „fassungslos und von den Socken“. In so einem ländlichen Gebiet könne man sich so etwas gar nicht vorstellen. „Und dann passiert so etwas vor der Haustür. Da fällt einem nichts mehr ein.“ Er habe den Hinterbliebenen bereits kondoliert. Landrat Jürgen Ludwig (CSU) sagte, er sei von der Tat tief betroffen „und in Gedanken bei Opfern und Angehörigen“. Die Anwohner in den betroffenen Ortschaften seien schwer verstört - aber dankbar für den schnellen Einsatz der Polizei.

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Im September 2009 war ein 18 Jahre alter Gymnasiast an seiner Schule in Ansbach mit einem Beil, Messern und Molotow-Cocktails Amok gelaufen, er verletzte 15 Menschen. Das Landgericht Ansbach verurteilte den Täter im April 2010 zu neun Jahren Jugendhaft und wies seine Unterbringung in einer Psychiatrie an.

Das Wort „Amok“ kommt aus der malaiischen Sprache und bedeutet Wut. Laut Statistik sind die meisten Amokläufer männlich.

Nach Erkenntnissen von Polizeipsychologen lebten sie vor der Tat oft eher unauffällig, zeigten ihre Gefühle kaum und neigten zu Selbstüberschätzung.

Neben psychisch schon länger kranken Tätern gibt es auch Amokläufer, die aus banalen Gründen plötzlich „ausrasten“. Angst, Demütigung, Eifersucht oder Scham haben sich oft lange aufgestaut, bevor es im Amoklauf zur Katastrophe kommt. Viele Amokläufer töten sich am Ende selbst, weshalb solche Anschläge mitunter auch als „erweiterter Selbstmord“ angesehen werden.

Als Tatort wird häufig eine Örtlichkeit gewählt, die der Täter mit der Verletzung seiner Psyche in Verbindung bringt. Beispiele sind Amokläufe in Gerichts- oder Schulgebäuden.

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