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Musik : Zum 175. Geburtstag - Erinnerungen an Georges Bizet

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Sie schwingt kastagnettenklappernd ihre Hüfte und verdreht den Männern den Kopf. Die feurige Musik, zu der die schöne Zigeunerin tanzt, stammt von Georges Bizet.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 00:07 Uhr

Als der Franzose die Arien und Duette komponierte, hatte er bereits zahlreiche Opern geschrieben. Er war bekannt, aber nicht berühmt. Erst «Carmen» verhalf ihm zu dem langersehnten internationalen Erfolg. Den Triumphzug seiner temperament- und gefühlvollen Melodien konnte Bizet, der am 25. Oktober vor 175 Jahren geboren wurde, jedoch nicht mehr miterleben.

Die Erstaufführung des Werks nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée war ein Misserfolg. Kritik und Publikum waren über das Stück, das am 3. März 1875 in der Pariser Opéra Comique gespielt wurde, schockiert. Die Geschichte der Zigeunerin, die sich in einen Sergeanten verliebt und ihn in den Untergang treibt, war nicht standesgemäß. Die Welturaufführung stand unter keinem guten Stern. Schon während der Proben gab es Schwierigkeiten: Orchester und Chor meuterten gegen die schwierige Musik und den anspruchsvollen Gesang.

Der Komponist habe selbst nicht den Eindruck gehabt, einen Bestseller geschrieben zu haben, erklärte der Pianist und Dozent Marcus Schneider. Sein Ziel sei es gewesen, mit ordentlichem Handwerk die Bühne bedienen zu können, fuhr der Spezialist in einem Interview auf der Seite der Opernfestspiele Heidenheim (www.opernwerkstatt.de) fort. Und das hatte er in Paris gelernt, zunächst im Pariser Musikkonservatorium und später in Rom während eines dreijährigen Stipendiums in der Villa Medici.

Bizet wurde in eine Musikerfamilie geboren. Der Vater war Laiensänger und Komponist, die Mutter war die Schwester des berühmten Gesangslehrers François Delsarte. Als 16-Jähriger schrieb er seine erste Symphonie, die «Symphonie in C-Dur». Noch als Jugendlicher gewann er zahlreiche Preise, darunter den renommierten Rompreis, der ihn zwischen 1858 und 1861 in die italienische Hauptstadt führte, seinem einzigen Aufenthalt im Ausland.

Der Komponist und begabte Pianist hatte von einem Leben in Wohlstand geträumt, von einem «Rentnerleben» ähnlich wie Rossini, der sich mit nur 36 Jahren seiner Opern-Triumphe müde in Paris zurückzog. Doch der Erfolg blieb aus. Weder «Die Perlenforscher» noch «L'Arlésienne» kamen zunächst beim Publikum an. Um Überleben zu können, gab er Klavierunterricht. «Ich schufte mich zu Tode. Ich führe eine sinnlose Existenz» schrieb er in Briefen.

Im Jahr 1875 ließ er sich in Bougival nieder, einem kleinen Dorf in der Nähe von Paris, um «Carmen» in Ruhe zu Ende komponieren zu können. Nach rund drei Monaten war die 1200 Seiten lange Partitur fertig. Der Carmen-Librettist Ludovic Halévy schrieb über die Premiere am 3. März 1875, dass nach dem Schluss in dem Saal «eisige Kälte» herrschte.

Nur drei Monate später auf den Tag genau starb Bizet an einem Herzinfarkt. Sein Tod gab Anlass zu Spekulationen und Legenden. Dazu gehört, dass er an gebrochenem Herzen gestorben sei oder Selbstmord begangen habe, weil «Carmen» durchgefallen sei. Sicher ist, dass die schweren Proben und der Misserfolg stark an Nerven und Köperkraft gezehrt haben, denn kurz nach der Aufführung erkrankte er an Angina.

Bizet-Biografie auf Französisch

«Homepage des Hauses von Bizet»

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