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Theater : Wiener Burgtheater feiert Jubiläum

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Claus Peymann hat Lampenfieber, aber dann erzählt er auf der Bühne des Wiener Burgtheaters doch sehr aufgeräumt von düsteren Zeiten. «Ich habe den Wutschrei des Ensembles heute noch im Ohr», sagt der 76-Jährige über den Moment, als die Burgschauspieler von seiner Berufung erfuhren.

Der «Piefke» war 1986 aus Bochum kommend mit dem festen Vorsatz angetreten, dem höchst ehrwürdigen Haus neues Leben einzuhauchen. Peymanns Erinnerungen an seine schließlich 13-jährige Zeit als Intendant in Wien waren Teil des dreitägigen Kongresses, mit dem die «Burg» bis Sonntag an den Einzug ins Haus am Ring vor 125 Jahren erinnerte.

Die Menschen und ihr Kaiser Franz Joseph staunten 1888 über das elektrische Licht im neuen Domizil des Theaters, die Deckengemälde von Gustav Klimt, den Glanz des Foyers. Seine Rolle als Hort sehr traditionell ausgerichteter Hochkultur habe das Haus noch sehr lange gespielt, sagt der Historiker Oliver Rathkolb. Draußen wurde Wien damals zur zweitgrößten tschechisch-sprachigen Stadt, versammelte sich die drittgrößte jüdische Gemeinde in Europa, breiteten sich Deutschnationalismus und Antisemitismus aus. Drinnen blieb die schon 1776 gegründete Bühne - fern der Umbrüche draußen - ein Ort, der die k.u.k. Monarchie unbedingt zu stützen hatte, sagt Rathkolb.

Ein paar Jahrzehnte später träumt ein kleiner Junge von der denkbar größten Bühne. Ein Korvettenkapitän, der regelmäßig im Haus seiner Eltern seinen Urlaub verbrachte, hatte mit Begeisterung von der «Burg» erzählt, erinnert sich Klaus Maria Brandauer. Die Folge: «Da wollte ich hin.» Der James-Bond-Gegenspieler in «Sag niemals nie» und geniale Mephisto ist seit 41 Jahren Mitglied des erlesenen Ensembles. Dessen Mitglieder werden in der titel-verrückten Alpenrepublik korrekt mit «Frau» beziehungsweise «Herr Kammerschauspieler» angesprochen. Ob er auf den Titel Wert legt, verriet der 70-Jährige nicht, aber stolz ist er schon: «Ich bin dermaßen glücklich.»

Die Hochachtung der Gesellschaft ist der Truppe von mehr als 80 Akteuren plus Gästen gewiss. Das Interesse der Öffentlichkeit an den Stücken und nicht zuletzt am Intendanten ist immens. Zur Berufung des aktuellen Intendanten Matthias Hartmann widmete eine Zeitung dieser Personalie über einen weiteren Deutschen an der Spitze des Hauses ihr gesamtes Titelblatt.

Nur schwer passte in das Selbstverständnis als Traditionshaus die Öffnung seit den 1970er Jahren. Spätestens unter Peymann und dem Skandal um die Uraufführung von Thomas Bernhards «Heldenplatz» war es vorbei mit der Ruhe. Das Stück entwirft ein äußerst kritisches Bild von den Österreichern und ihrem Jubel über den Anschluss an Nazi-Deutschland 1938. Der Aufschrei unter Schauspielern, Politik und Gesellschaft habe 1988 alle Vorbereitungen auf ein festliches 100-jähriges Jubiläum verdorben, sagt Peymann. «Reifen wurden zerstochen, Schwarze Bretter angezündet.» Aus Angst vor einem Komplott sei sogar Bühnentechnik eigens gesichert worden, erinnert sich der heutige Leiter des Berliner Ensembles.

Das ist heute Theater-Geschichte. Intendant Matthias Hartmann kann auf eine fast 90-Prozent-Auslastung blicken. Voller Selbstbewusstsein beschwört er die Bedeutung der Institution Theater, seiner Bühne im Haus am Ring, mit einem fast außerirdischen Vergleich: «Würde es im Death Valley eine klimatisierte Tankstelle geben oder irgendwo auf der Welt eine Leiter ins Weltall - hätte man so etwas, keiner wollte je wieder darauf verzichten.»

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erstellt am 13.Okt.2013 | 11:41 Uhr

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