zur Navigation springen

Theater : Wiedergeburt des Varietés - 25 Jahre «Tigerpalast»

vom

Die alte Wette habe er längst gewonnen, feixt Varieté-Direktor Johnny Klinke. «Mein alter Freund Joschka Fischer ist pensioniert, und wir sind noch da - nachhaltiger als Rot-Grün», sagt der 63 Jahre alte Frankfurter kurz vor dem 25. Geburtstag seines Varieté-Theaters «Tigerpalast».

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 00:24 Uhr

Und das ohne Subventionen. «Wir sind die einzigen, die kein Geld vom Staat wollen.» Das Jubiläum des Hauses, das in vielerlei Hinsicht zumindest in Deutschland einzigartig genannt werden kann, feiern Klinke und Margareta Dillinger, seine Mitstreiterin seit 40 Jahren, mit einer ganzjährigen Revue. Premiere ist am 21. August.

«Der "Tigerpalast" ist die Wiedergeburt des Varietés in Deutschland. Als in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts neben dem Hansa-Theater niemand mehr an diese Unterhaltungskunst glaubte, kam er quasi aus dem Nichts», lobt Ulrich Waller, Intendant des St.-Pauli-Theaters, das in Hamburg auch das «Varieté Hansa-Theater» bespielt. «Politische Wortkunst und Akrobatik kamen hier auf eine noch nie gesehene Weise zusammen.»

Für die politische Wortkunst stand insbesondere Matthias Beltz, Kabarettist, Mitbegründer des «Tigerpalasts» und enger Freund von Klinke. Sein Tod mit nur 57 Jahren im Jahr 2002, kurz vor einem Auftritt, war ein trauriger Tiefpunkt. Am Eröffnungsabend, dem 30. September 1988, hatte Beltz die Leitlinie ausgegeben: «Liberté, Égalité, Varieté».

Dillinger und Klinke verstehen dies als Verpflichtung zur Unterhaltung und zur Qualität. Höchstleistung, Talent, Persönlichkeit und Menschlichkeit.

Der künstlerische Leiter des «Krystallpalast Varietés» in Leipzig, Urs Jäckle, formuliert es so: «Der "Tigerpalast" hat in Deutschland den Maßstab für höchste artistische Qualität gesetzt und pflegt trotz des hohen Leistungsanspruchs ein exzellentes persönliches Verhältnis zu seinen Künstlern. Statt gesichtsloser Megashows zählt hier noch der Mensch auf der Bühne.»

Klinke sagt stolz: «Von hier aus sind viele Weltkarrieren gestartet worden.» Die Innovationskraft sei noch lange nicht zu Ende. Doch er weiß auch: «Eine Legende lebt nicht von allein.» Schon gar nicht in Zeiten von Internet und zigtausenden Freizeitangeboten.

Eine Besonderheit des Varietés, das in der umgebauten ehemaligen Heilsarmee-Kapelle in der unscheinbaren Heiligkreuzgasse in der Frankfurter Innenstadt residiert: Die Artisten, Jongleure, Wortakrobaten und Zauberer treten zweimal pro Tag vor je knapp 200 Zuschauern auf - und das gleich sechsmal pro Woche. Sie leben auch in dem Haus zusammen und essen gemeinsam. «Nach fünf Monaten haben alle Tränen in den Augen und wollen nicht gehen», erzählt Dillinger. «Da ist eine Kraft hinter der Bühne, die sich überträgt.»

Der Geschäftsführer des Berliner «Wintergartens», Georg Strecker, lobt den Geschäftsführer des «Tigerpalasts», Robert Mangold, der mit seinem Gastronomie-Konzept glänze. Obwohl im Keller untergebracht, schmückt das Tiger-Gourmetrestaurant seit 16 Jahren ein Stern des «Guide Michelin». Mit dem neuen Küchenchef Andreas Krolik könnte ein zweiter hinzukommen, denn damit war Krolik bereits in Brenners Park-Hotel in Baden-Baden ausgezeichnet worden.

Der «Tigerpalast» hatte auch mal echte Tiger: Die Raubkatzen von Sandrine und Thierry Bouglione aus dem «Cirque d'Hiver» in Paris seien einzigartig gewesen, lebten jedoch nicht mehr, erinnert sich Dillinger. «So etwas wäre heute auch nicht mehr möglich.»

Der Name des Varieté-Theaters hat aber einen anderen Ursprung, wie Klinke sagt: Eine Mischung aus dem Gründungsjahr 1986 (zwei Jahre vor der Eröffnung), das im chinesischen Horoskop das Jahr des Tigers war, und einer ironischen Bemerkung auf Frankfurts «Banken-Paläste».

Tigerpalast

Hansa Varieté-Theater

Krystallpalast Leipzig

Wintergarten Berlin

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen