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Kultur : Weimarer Theaterintendant: Kunst ist politisch

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Die künftige Bundesregierung sollte die Länder unterstützen, den reichen Kulturbestand zu erhalten und zu sichern. Das hält Hasko Weber, Generalintendant am Deutschen Nationaltheater Weimar, für notwendig.

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erstellt am 16.Sep.2013 | 12:07 Uhr

Reine Gelddiskussionen seien gefährlich, sagt Weber in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Welche Bilanz ziehen Sie über die Kulturpolitik der Koalition in den vergangenen vier Jahren?

Antwort: Zumindest ist es gelungen, eine erträgliche Balance zu halten und die Spanne zwischen Wissenschaft, Bildung, Sport und Kunst nicht so stark zu verkürzen, wie es nach 2008 vorstellbar gewesen ist. Der Bund hat sich vor allem über die Projekte der Bundeskulturstiftung als anregende Instanz profiliert, während die Länder mit der Knappheit an finanziellen Mitteln zu kämpfen haben. Die Bedeutung der Kultur, insbesondere der künstlerischen Kultur, als geistiger Anteil unserer Gesellschaft ist dabei aber unterbelichtet geblieben.

Frage: Was soll und muss eine neue Bundesregierung in der Kulturpolitik vordringlich tun?

Antwort: Sie muss den Ländern unterstützend entgegenkommen, um den Bestand zu sichern. Deutschland hat eine sehr komplexe Kultur und eine große Anzahl an festen Einrichtungen. Die gilt es aus meiner Sicht zu erhalten und zu schützen.

Frage: Wie bewerten Sie aktuell die Situation des Theaters in Deutschland?

Antwort: Wird den Theatern die substanzielle Grundlage entzogen, wie gerade in Sachsen-Anhalt, wird es allerdings gefährlich: Weil die Debatte um Kultur und auch um das Theater eine reine Gelddiskussion ist und die Sicherung der künstlerischen Freiräume unserer Demokratie keinen geistigen Gegenwert darstellt, um den es zu ringen gilt. Ein Theater ist ein Freiraum, geistig, ästhetisch, politisch. Einer der letzten, den wir haben.

Frage: Kultur ist Ländersache - ist das noch ein zeitgemäßes Modell?

Antwort: Absolut, wenn die Bundesregierung die Länder stärker unterstützt und nicht weiter Verantwortung auf sie abwälzt.

Frage: Der Sparkurs in manchen Ländern gefährdet aktuell etliche Kultureinrichtungen, etwa in Nordrhein-Westfalen oder Sachsen-Anhalt. Wie sehen Sie die finanzielle Situation?

Antwort: Ich verstehe die Politiker soweit, dass sie etwas tun müssen, um der Verschuldung Herr zu werden. Das ist sehr schwierig. Radikales Sparen ist aber keine Lösung, wie man an Griechenland oder Portugal sieht. Alles, was einmal gestrichen ist, ist weg, für lange oder für immer.

Frage: Braucht Deutschland einen Bundeskulturminister?

Antwort: Das wäre sicher ein sehr komplexes Amt. Vielleicht reicht aber auch weiterhin ein Kulturstaatssekretär, der sich mit seinen Möglichkeiten sehr direkt politisch engagieren kann.

Frage: Haben Intellektuelle und Kulturschaffende noch Einfluss auf die Politik?

Antwort: Sicher.

Frage: Gibt es eine politische Wirkung von Kunst?

Antwort: Kunst ist Zeitgeschehen und eröffnet Perspektiven, unsere Realität anders oder neu zu bewerten. Das ist politisch. Kunst ist politisch.

Deutsches Nationaltheater

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