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Musik : «Wagner-Idyll» zum Abschied von Nike Wagner in Weimar

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Nike Wagner hat zehn Jahre die Kultur in Weimar mitgeprägt - wie einst ihre Ahnen Franz Liszt und Richard Wagner. Mit einem «Wagner-Idyll» zum 200. Geburtstag ihres Urgroßvaters nimmt die Kunstfest-Chefinjetzt Abschied von der Klassikerstadt.

Der Titel sei ein Widerspruch in sich, bekannte die Literatur- und Musikwissenschaftlerin vorab. «Wagner steht für Überdimensioniertes, das 'Idyll' verbindet man eher mit dem lauschigen kleinen Weimar.» Besucher könnten sich deshalb vom 23. August bis 14. September auf «den schlanken, den reduzierten, den idyllischen Wagner» im Spiegel der zeitgenössischen Kunst freuen. Für große Aufführungen mit berühmten und teuren Wagner-Interpreten fehlt dem Kunstfest schlichtweg das Geld.

Konzerte, Filme, Tanz, Installationen, Theater und Diskussionen erwarten die Besucher. Es gibt einen verkürzten «Ring des Nibelungen» mit dem Salzburger Marionettentheater und einen verfremdeten «Lohengrin» aus der Sicht von Georg Nussbaumer. «Milchstrom, Fragebett, Gralsmaschinen - ein Lohengrin-Gelände» hat Nussbaumer Musik und Installation im sanierungsbedürftigen alten Schießhaus und seinem verwilderten Park überschrieben. «Weit weg von Wagners Ästhetik, aber nahe an seinen Themen», verspricht das Programmheft. Wagners Freund und Schwiegervater Franz Liszt hatte die Oper am 28. August 1850 am Weimarer Hoftheater uraufgeführt.

Unter dem Motto «Nieder mit Wagner» bieten Studenten der Musikhochschule «Franz Liszt» einen Abend mit französischen Liedern. Sprecher ist der bei Weimar lebende Schauspieler Dominique Horwitz. Es gibt eine Filmreihe zu Wagner, in der auch ein Stummfilm von 1913 mit Live-Orchester gezeigt wird. Star-Geiger Gideon Kremer und seine Kremerata Baltica spielen Kammermusik von Liszt und Schubert. Choreograph William Forsythe wird mit seiner Company und dem Semperoper-Ballett mit drei Stücken zu erleben sein.

Das Konzert «Gedächtnis Buchenwald» eröffnet traditionsgemäß das Festival - als Erinnerung und Mahnung an die 56 000 Toten des NS-Konzentrationslagers und all der Millionen Opfer, die der von Deutschland entfachte Zweite Weltkrieg gefordert hat. Die Staatskapelle Weimar spielt unter anderem «Miserae» von Karl Amadeus Hartmann, mit dem er seinen Protest gegen das Nazi-Regime zum Ausdruck bringen wollte. Die Gedenkworte wird die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger sprechen. Bereits am Donnerstag läuft im Lichthaus Kino der Film «Das Weiterleben der Ruth Klüger». Danach spricht der Leiter der Stiftung KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, mit der Autorin.

«Zehn Jahre sind genug», hatte Nike Wagner zu Jahresbeginn ihr Gefühl beschrieben, warum sie zu neuen Ufern aufbrechen will und 2014 die Intendanz des Beethovenfestes Bonn übernehmen wird. «Jetzt würde ich ein neues Konzept fürs Weimarer Kunstfest entwerfen. Aber das sollen andere tun.»

Das 1990 in der Freude der deutschen Wiedervereinigung gegründete Kunstfest hat unter Intendanzen wie Bernd Kauffmann oder Hellmut Seemann Höhen und Tiefen erlebt - nach dem Europäischen Kulturstadtjahr 1999 stand es sogar auf der Kippe. Aber immer bekannten sich Bund, Land Thüringen und Weimar zum Fest und suchten nach neuen Profilen.

Von 2014 an wird das Festival als neue Sparte dem Deutschen Nationaltheater Weimar angegliedert. Künstlerischer Leiter wird der Dramaturg Christian Holtzhauer, der mit dem neuen Generalintendanten Hasko Weber von Stuttgart nach Thüringen wechselt. Holtzhauer will das Kunstfest, das unter Nike Wagner stark auf Musik fokussiert war, mehr allen Künsten öffnen und auf Weimars Stärken setzen. «Die Stadt soll im Mittelpunkt stehen und sich feiern», hatte er betont.

«Wir wollen kein austauschbares Festival, keine austauschbare Beliebigkeit», erklärte Thüringens Kulturminister Christoph Matschie (SPD) zu der neuen Lösung. Der Bund hat sich aus der Finanzierung zurückgezogen. Der Freistaat werde das Kunstfest weiterhin jährlich mit 650 000 Euro unterstützen, die Stadt Weimar mit 250 000 Euro.

Kunstfest Weimar

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erstellt am 22.Aug.2013 | 09:21 Uhr

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