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Musik : Tobias Künzel über sein neues Musical und Karl Marx

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In der Verwechslungskomödie «Comeback! Das Karl-Marx-Musical» haben Prinzen-Sänger Tobias Künzel, Maximilian Reeg und Steffen Lukas dem Philosophen neues Leben eingehaucht. Am Samstag wird das Stück im Vogtlandtheater im sächsischen Plauen uraufgeführt. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erklärt Künzel, was ihn an Marx so interessiert.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 10:27 Uhr

Frage: Warum ein Musical ausgerechnet zu Karl Marx?

Antwort: Ich habe in London beschlossen, doch noch einmal ein Musical zu schreiben und überlegt, worum es gehen könnte. In einem Café habe ich dann eine Wand gesehen, auf der berühmte Persönlichkeiten abgebildet sind, die in der Gegend gewohnt haben. Mein Blick ist an Karl Marx hängengeblieben und ich habe gedacht: Ein Musical über ihn zu schreiben, das ist so schräg, das muss man einfach machen.

Frage: Ein Philosoph und Musical - funktioniert das?

Antwort: Auf jeden Fall funktioniert, dass alle aufmerksam geworden sind, zum Teil entsetzt, mit weit aufgerissenen Augen. Ein Musical über den Froschkönig wäre sicher nicht so aufgefallen. Aber keine Angst, es ist eine schrille Komödie mit sehr viel rockiger Musik. Der echte Karl Marx selbst kommt gar nicht darin vor. Es gibt also keine Vorlesung in Marxismus-Leninismus, sondern eine witzige Liebesgeschichte, die in London vor dem Hintergrund der Finanzkrise spielt.

Frage: Haben Sie eine besondere Beziehung zu Marx?

Antwort: Der Marx-Missbrauch, der in der DDR betrieben wurde, hat mit dem Philosophen ja nichts zu tun. Er selbst hat seine Theorien ja nur aufgeschrieben. In London sieht man das viel lockerer. Ich glaube nicht, dass mir die Idee zum Marx-Musical in Leipzig gekommen wäre.

Frage: Ist das auch ein Stück persönlicher Abrechnung mit Marx?

Antwort: Wieso? Er hat mir doch nichts getan. In dem Stück geht es um Geld und Gier und um Liebe. Wir leben doch in einer irrealen Welt mit zum Teil hohem Standard und so hohen Schulden, von denen jeder weiß, dass sie nicht mehr abbezahlt werden können. Die Frage ist doch: Was passiert, wenn das Gebilde irgendwann zusammenbricht? Und genau da kommt unser Finanzmagier ins Spiel, der den Geist von Marx seine Lehren widerrufen lassen will, um die Krise zu beenden. Das ist natürlich völlig absurd. In der DDR wären wir für dieses Stück für mehrere Jahre ins Gefängnis gewandert.

Frage: Werden Sie in dem Stück auch zu hören sein?

Antwort: Nein. Diesmal lasse ich singen. Die Schauspieler können das alle wirklich gut. Es gibt Chor und Ballett, eine Rockband und sechs Bläser. Das ergänzt sich alles gut. Es ist eine ziemlich große Produktion mit etwa 25 Akteuren geworden. Ein bisschen wie ein zum Leben erwachtes Comic-Heft. Ich würde sagen, wir machen Off-Broadway in Plauen.

Karl-Marx-Musical

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