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Musik : Tenor Magrì erkrankt - Doppelte Improvisation bei «Traviata»

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Das Publikum war gewarnt: Der Tenor Ivan Magrì habe Schmerzen an den Halswirbeln, erfuhren die Besucher des Opernhauses in der ostspanischen Hafenstadt Valencia vor Beginn der Aufführung von «La Traviata».

Der Italiener wolle dennoch die männliche Hauptrolle des Alfredo Germont in der Oper von Giuseppe Verdi spielen.

Aufgrund seiner Halsbeschwerden wirkte der Schüler von Luciano Pavarotti zunächst ein wenig steif, hielt aber bis in den zweiten Akt durch. Dann musste Magrì die Bühne jedoch verlassen.

Die Aufführung wurde unterbrochen. Knapp eine halbe Stunde später hatten die Verantwortlichen einen Ersatzmann gefunden. Nikolai Schukoff, der sich zu Proben für «Die Walküre» von Richard Wagner in der Stadt aufhält, sprang als Sänger ein. Der Österreicher trug den Gesang von einem Pult vor, das am Bühnenrand aufgestellt wurde. Alfredos Rolle auf der Bühne übernahm ein Choreograph.

«Diese doppelte Improvisation verlieh der Figur etwas surrealistische Züge, aber sie rettete mit knapper Not die Vorstellung», schrieb die Zeitung «Las Provincias». Die Zuschauer, die bereits einen Abbruch der Oper befürchtet hatten, verabschiedeten Schukoff und den Choreographen nach der Aufführung mit anhaltendem und herzlichem Beifall.

Die Produktion der Niederländischen Oper Amsterdam eröffnete am Samstag unter der Leitung des indischen Dirigenten Zubin Mehta die neue Spielzeit der Oper in Valencia. Sie orientierte sich, wie das Opernhaus betonte, an der Inszenierung, mit der der deutsche Opernregisseur Willy Decker bei den Salzburger Festspielen einen «bemerkenswerten Erfolg» gefeiert hatte.

Der Ausfall des Tenors war nicht die erste Panne in der noch jungen Geschichte der valencianischen Oper. Der Palau de les Arts Reina Sofía (Königin-Sofía-Palast der Künste) war 2005 als ein Teil des Gebäudekomplexes der «Stadt der Künste und der Wissenschaften» des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava eröffnet worden.

Nach der Eröffnungsgala wurde die Oper für ein Jahr geschlossen, weil die Bauarbeiten noch nicht vollendet waren. Gleich in der ersten Spielzeit mussten mehrere Aufführungen verschoben oder abgesagt werden, weil an der Hauptbühne die Technik versagte. Ein Jahr später verursachte eine Überschwemmung an dem Gebäude erhebliche Schäden.

Die Region Valencia war in den vergangenen Jahrzehnten durch den Bau- und Immobilienboom zu erheblichem Reichtum gekommen und hatte riesige Summen in teure Renommierprojekte gesteckt. Nach dem Ausbruch der Krise schlug die Region einen drastischen Sparkurs ein. Davon war auch das Opernhaus betroffen. Die Subventionen wurden stark gekürzt.

Die aus Österreich stammende Intendantin Helga Schmidt musste nicht nur bei den Gehältern der Mitarbeiter, sondern auch beim eigenen Gehalt den Rotstift ansetzen. Zudem bleibt das Opernhaus, um Geld zu sparen, drei Monate im Jahr geschlossen und baut 40 Arbeitsplätze ab.

Homepage des Opernhauses

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erstellt am 20.Okt.2013 | 12:07 Uhr

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