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Theater : «Strippenzieher im Hintergrund» in Mannheim

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Zeitgenössisches Theater will nicht nur provozieren, sondern auch gesellschaftliche Kritik formulieren und Missstände aufzeigen. Die 1970 in Stuttgart geborene Autorin Felicia Zeller hat sich diesen aufklärerischen Grundsätzen verschrieben.

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erstellt am 03.Okt.2013 | 13:11 Uhr

Am Mannheimer Nationaltheater wird am Samstag (5.10., 19.30) ihr Stück «Die Welt von hinten wie von vorne» uraufgeführt, inszeniert von Burkhard C. Kosminski. Es geht um die «Strippenzieher im Hintergrund».

Egal, ob sie aus Agenturen, den Medien oder der Politik kommen: PR-Strategen beeinflussen auch zunehmend über das Internet und die miteinander verschmolzenen Medien und Datenströme die öffentliche Meinung. Dabei beobachtet Felicia Zeller «Einlullungs»-Strategien und «Laberflashs» der mit Power-Point-Präsentationen Bewaffneten. Es gehe nicht mehr um Inhalte, sondern um gezielte Desinformation.

«Felicia Zellers Text gibt die Figuren ja vor, das sind zynische Agenturmenschen, die im Hintergrund die Fäden ziehen und dann den Politikern teilweise auch hämisch dabei zusehen, wie sie scheitern», sagt Regisseur Burkhard C. Kosminski. Seine Inszenierung soll die heutige Leistungsgesellschaft mit ihren riesigen Beziehungsgeflechten abbilden, «in der jeder gegen jeden agiert, um auf der Karriereleiter weiter aufzusteigen.»

Auch deshalb sind in dem Stück seriöse und idealistisch handelnde Politikberater nicht zu erwarten. Der persönliche Antrieb für das Handeln der auf Kampagnen, Aktionen und Mitmach-Spektakel spezialisierten Personen ist für Felicia Zeller eher die eigene Eitelkeit, Macht- und Profitgier und persönliche Interessen. Aktuell tätige Politiker sollen in dem Stück aber nicht direkt karikiert werden. Für Kosminski geht es mehr um die Charakterisierung einer bestimmten Gruppe von Menschen, die bewusst die Weltwahrnehmung manipuliere.

Der Berliner Medien-Experte Jo Groebel ist von der Thematik des Theaterstücks schon vor der Uraufführung begeistert und lobt die «aufklärerische und didaktische Form» des Themas. «Es taucht zwar auch in TV-Dokus auf, aber bestenfalls bietet Theater nicht nur Erhellendes, sondern auch emotionale Zugänge», sagt Groebel. Er meint: «Wir sind tatsächlich in vieler Hinsicht "umstellt" von schönredenden, belanglosen Kommunikationsstrategen, die nicht unbedingt Wirklichkeit, sondern gewünschte Wirklichkeit in den mehreren Bedeutungen des Wortes "verkaufen".» Um nicht selbst eingelullt zu werden, setzt Groebel auf eine «möglichst breite und pluralistische Infosuche».

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