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Festspiele : Salzburgs neuer Hoffnungsträger: Markus Hinterhäuser

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Als Intendant bei den Salzburger Festspielen sollte man sich besser erst einmal nicht zu häuslich einrichten. Der deutsche Theatermacher Jürgen Flimm wie sein Nachfolger Alexander Pereira verließen das weltberühmte Sommerfestival vorzeitig im Streit.

Nun soll mit Markus Hinterhäuser ab 2017 wieder Friede und Kontinuität in die Hofstallgasse einziehen. Der anerkannte Musiker und Kulturmanager gilt nicht als Diva, seine Berufung löste österreichweit Zustimmung aus. Leicht wird sein Job trotzdem nicht werden, sind sich Beobachter einig. Der 54-Jährige kündigte an, dass mit ihm die Festspiele kleiner werden.

«Das hätten die Salzburger Festspiele einfacher haben können», kommentierte der ORF die Personalie. Denn nach dem Abgang von Flimm hatte sich Hinterhäuser schon mal beworben, durfte die Festspiele aber nur übergangsweise 2011 leiten. Neuer Intendant wurde der Wiener Alexander Pereira.

Der selbstbewusste Ex-Chef der Oper Zürich gab dem Festival ein Mammut-Programm und warb Sponsoren. Für Kritiker setzte er aber zu viel auf bekannte Namen und Kassenschlager. Seinen Hang zu Glamour verewigte er unter anderem mit einem neuen Festspielball. Mit dem Kuratorium geriet Pereira wegen der Finanzen schnell in Streit, was in seinem Weggang Richtung Mailänder Scala gipfelte.

«Manchmal tritt das Naheliegendste und Wünschenswerteste auch tatsächlich ein - sogar wenn das Salzburger Festspielkuratorium am (Mit-)Werken ist», kommentierte die Zeitung «Der Standard» am Donnerstag die Berufung Hinterhäusers. Das politisch besetzte Leitungsgremium der Festspiele setzt sich aus Vertretern von Stadt, Land und Bund zusammen und fällt Grundsatzentscheidungen wie die Intendantenberufung. Für viele ist diese Struktur reformbedürftig.

Doch die sieben Kuratoriumsmitglieder - vom «Standard» mal als «vereinigte Festspielintriganz» beschrieben - wollten Hinterhäuser schon im Sommer. Zwar führten die Festspiele ein offizielles Bewerbungsverfahren durch. Aber die Mitteilung, dass Präsidentin Helga Rabl-Stadler und Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf das Festival bis 2017 übergangsweise leiten sollen, galt für viele schon als vorzeitige Entscheidung für Hinterhäuser. Denn dann endet sein Vertrag bei den Wiener Festwochen.

Neben sichtlicher Freude über seine Berufung kündigte der Neue gleich Kürzungen an: «Es wird weniger werden, das kann ich mit großer Sicherheit sagen.» Das Limit der Machbarkeit sei erreicht. Unter anderem sollen künftig Erfolgsproduktionen mehrere Jahre lang laufen.

Trotz eines Rekord-Kartenverkaufs hatten die Festspiele in diesem Jahr Verluste gemacht. Im Vergleich zu den Kosten steigen die Subventionen nicht. «Es werden schwierige Zeiten, auch finanziell», sagte die Präsidentin. Kuratoriumsmitglied und Salzburgs Landeshauptmann (Ministerpräsident) Wilfried Haslauer kündigte aber an, dass die Förderungen steigen könnten.

Inhaltlich versprach Hinterhäuser eine mutige Auseinandersetzung mit Mozart, die über die festgeschriebene Form hinausgehe. Schauspiel und Musik will er besser vernetzen, Neue Musik soll eine große Rolle spielen. «All das garantiert Salzburg eine intellektuellere, inhaltlich klare Ausrichtung. Salzburg hat eine gute Wahl getroffen, vier Jahre zu spät», lobte der «Kurier» am Donnerstag. Und die «Salzburger Nachrichten» schrieben: «Markus Hinterhäuser wurde am Mittwoch mit viel berechtigtem Vertrauen und, ja, auch mit Vorschusslorbeeren in dieses hohe Amt gehievt.» Ab heute brauche er für seinen schweren Job aber nicht allein Gratulationen, sondern jegliche Unterstützung.

Salzburger Festspiele

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erstellt am 25.Sep.2013 | 15:57 Uhr

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